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Brauchtum

Das Grauen lockte die Menschen an

Hunderte Besucher kamen zur Rauhnacht auf dem Engelshütter Dorfanger und erlebten Hexen, Teufel und Geister in Aktion.

Gemetzel in der Unterwelt: Die Teufel von Schwarzachtalpass kämpften auch untereinander.
Gemetzel in der Unterwelt: Die Teufel von Schwarzachtalpass kämpften auch untereinander. Foto: kli

Lam.Glühende Öfen, flimmernde Lichter, schaurige Musik und Nebelschwaden beherrschten die Szenerie am Dienstagabend am Dorfanger zu Engelshütt. Hunderte von Besuchern wurden von der Rauhnacht angelockt, die mittlerweile schon zum 14. Mal veranstaltet wurde.

Stephan Jarosch, seit Jahren bewährter Moderator des Spektakels, hieß Bürgermeister Paul Roßberger, Altbürgermeister Klaus Bergbauer, Marktratskollegen, Vereinsvertreter, Einheimische und Feriengäste willkommen. dazu Landrat Franz Löffler und MdB Karl Hofbauer. „Es ist nicht übertrieben, zu behaupten, dass die Lamer Rauhnacht zur größten im Bayerwald, im ostbayerischen Raum und vermutlich sogar in ganz Bayern zählt“, wusste Jarosch zu berichten. Auch heuer hätten sich Matthias Seidl jun. und die Engelshütter Feuerwehr sowie die Tourist-Info Lam wieder Furioses einfallen lassen.

Das war die Engelshütter Rauhnacht 2016

Hexen, Wilderer und Perchten

Das ohrenbetäubende Startsignal gaben die Chambtaler Böllerschützen. Für reichlich Geräuschkulisse sorgten dann die Drachselsrieder Wolfsausläuter, die mit ihren überdimensionalen „Schellen“ einen Ring um die Feuerstelle bildeten und unter Anleitung ihres Anführers viel Ästhetik und Rhythmussicherheit bewiesen,

Sichtlich wild auf ihren Einsatz waren die „Engelshütter Hexen als Lokalmatadore („die schönsten Frauen aus dem Lamer Winkel“) in Begleitung der „Engelshütter Teifen“. Dazu kamen die Thalberger Hörndltrommler. Mit ihrer perfekten Percussion kombinierten die Darsteller feurigen Rhythmus mit Brauchtum. „

Ein Kind verschwindet im Fellsack.
Ein Kind verschwindet im Fellsack. Foto: kli

„Wir haben jetzt die Zeit der Wintersonnwende mit den kürzesten Tagen und den längsten Nächten. Das alte vergängliche Jahr ist noch nicht ganz verschwunden und das Neue hat das Ruder noch nicht übernommen“, erklärte Jarosch den Hintergrund der Rauhnächte. „Die Feld- und Erntearbeit war erledigt. Die Leute haben sich in der Stube getroffen und sich Geschichten erzählt – Sagen und Legenden von Geistern, Dämonen und Hexen.“ Und dann traten die „Passauer Vorwoid-Teifen“ auf. „Koana vo eich soll sich im Finstern draußen blicka lassn“, warnte ihr Anführer, „in de Rauhnacht wird de Welt g’reinigt. Mancher wird in derer Zeit für seine Sünden gestraft!“ Für eine Horde Wilderer aus uralter Zeit öffnete sich die Pforte der Unterwelt: „Se ham g’moind, ea feid nix, wenn sie in da Rauhnacht auf Beutezug gengand“. Doch Wotan und sein Gefolge verschleppten sie in die Hölle. Auffällig war der Nachwuchs in ihren Reihen. Der kleine Ben hatte nach eigenen Angaben großen Spaß daran, den Leuten einen Schrecken einzujagen.

Moderator Jarosch warnte die Damenwelt: „Achten sie darauf, dass der Bauch nicht mit der Rute eines Perchten getroffen wird. Das ist nämlich ein Fruchtbarkeitsritual und soll angeblich zu anderen Umständen führen!“ Landrat Franz Löffler, der erstmals Zuschauer war, lobte die Veranstaltung als absolut gelungenes und beeindruckendes Schauspiel. MdB Karl Holmeier zollte gleichfalls großen Respekt. „Angst darf man keine haben“, bekannte er.

Und dann kamen auch schon die Feuerkünstler von Ameno Sigmundum mit einer faszinierenden Choreografie die Machenschaften mit dem Element Feuer vorzuführen.

Die Osserhexen sind die Lokalmatadorinnen in Engelshütt.
Die Osserhexen sind die Lokalmatadorinnen in Engelshütt. Foto: kli

Das Mondjahr hat 354 Tage, das Sonnenjahr 365 Tage. Dazwischen liegen diese besagten zwölf Rauhnächte. Der Böhmerwalddichter Hans Watzlik hatte 1920 im Vorwort zu einem Buch geschrieben: „Ich habe diese Geschichten aus dem Volksmund gehört.“ Irgendwann gingen die Sagen und Legenden verloren. In der Gegenwart erleben sie jedoch eine Renaissance. Wenn Perchten und Hexen in einer Gruppe auftreten, bezeichnen dies Insider als „Pass“. Absolut würdige Vertreter waren Schwarzachtal-Pass – vermummte Gestalten mir Hörnern, riesigen Nasen und fürchterlichen Mähnen, die sich an Gehöfte heranschleichen. Ein großer hagerer Gesell ist ihr Meister. Jedes Jahr zur Wintersonnwende ziehen sie ein uraltes Ritual ab und versammeln sich zum alten Rat vom Schwarzachtal. „

„Hätten es die Leute besser gemacht in ihrem irdischen Leben, müssten sie wegen ihrer Sünden jetzt nicht in der Hölle schmoren“, zogen die fürchterlichen Gestalten, die Hochmut, Stolz, Übermut, Geiz, Habgier, Völlerei, Maßlosigkeit und Lust personifizierten, ihre eigene Bilanz. „Da Teife denkt se aus so manche List, so dass du des Rechtschaffene im Leben vogisst“, warnten sie. Und prompt folgte eine schaurige Szenerie.

Der Teufel und die Prinzessin

Ein König und seine Frau meinten, mit der Geburt ihrer Prinzessin wäre das Glück vollkommen. Doch der Tod bedrohte die erkrankte Königstochter holen. Der Herrscher holte sich Hilfe von den Hexen, die sich Verstärkung für ihre Macht aus der Hölle versprachen. Der Tribut war fürchterlich: Das Königspaar kam in die Hölle geschickt, ihr Kind wurde von den „Schiachen“ aufgezogen. Als wunderschöne Maid begehrte sie der Teufel als Braut. Aber da hatte er die Rechnung ohne seine teuflische Frau gemacht … (kli)

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