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Heimat

Die neue Chefin auf der Skipiste

Steffi Koller (26) hat bald gemerkt, dass die Großstadt nicht ihre Welt ist. Jetzt leitet sie die Skischule „Lamer Winkel“.
von Maria Frisch

Von München zurück auf den Koppenhof in Lam – Steffi Koller hat ihren Traum verwirklicht und die elterliche Skischule „Lamer Winkel“ übernommen. Foto: Maria Frisch
Von München zurück auf den Koppenhof in Lam – Steffi Koller hat ihren Traum verwirklicht und die elterliche Skischule „Lamer Winkel“ übernommen. Foto: Maria Frisch

Lam.Sie ist wieder daheim: „Ich bin ein Bayerwaldmädel, sagt Steffi Koller. Und wer dabei ihr strahlendes Lächeln im braun gebrannten Gesicht sieht, glaubt es ihr auch. In jungen Jahren meinte sie – wie viele ihre Altersgenossen – sie müsste hinaus in die Welt oder in eine Weltstadt wie München. Dort war sie dann auch zu Studienzwecken, aber die 26-Jährige ist zurückgekehrt auf den Koppenhof und hat seit 1. Januar auch die Skischule ihrer Eltern übernommen. Ein Schritt, der sie gleich vom Start weg glücklich macht und den sie bestimmt nicht bereut hat.

Die „Koppenbauer“ Steffi, wie sie besser bekannt ist, hat in der Landeshauptstadt den dualen Studiengang Gesundheitsmanagement und danach eine Physiotherapieausbildung absolviert. Nebenbei nutzte sie die Zeit, sich im betrieblichen Gesundheitsmanagement einzuarbeiten, indem sie für Unternehmen unter anderem Arbeitsplatzanalysen angefertigt hat. Abends ging es dann noch zur Rückenschule und Ergonomie am Arbeitsplatz.

München war keine Option

„München wäre für mich keine Option gewesen“, sagt sie über die Entscheidung, in den Bayerischen Wald zurückzukehren. „Ich habe relativ schnell festgestellt, dass es zu Hause, und vor allem auf dem Koppenhof, am schönsten ist“, sagt die Physiotherapeutin mit einem bezaubernden Lächeln. „Und diese Entscheidung habe ich ganz unabhängig vom elterlichen Einfluss getroffen“, legt Steffi Koller Wert auf diese Feststellung.

In der Hütte am Eck stärken sich die Kursteilnehmer mit einer Brotzeit. Foto: Maria Frisch
In der Hütte am Eck stärken sich die Kursteilnehmer mit einer Brotzeit. Foto: Maria Frisch

Vor und nach der Wintersaison arbeitet die staatlich geprüfte Skilehrerin in der Physiotherapiepraxis Renz in Blaibach. „Christoph Renz stellt mich in den Wintermonaten für den Skischulenbetrieb frei und ermöglicht mir, dass ich meinen Traum verwirklichen kann“, weiß Steffi Koller ihren besonderen „Teilzeit-Job“ sehr zu schätzen. Ist die Arbeit auf der Piste für sie eine willkommene Abwechslung? „Auf jeden Fall, weil Physiotherapie doch körperlich, mit den Händen und allem Drum und Dran, sehr anstrengend ist“, hat sie sich bewusst für die Kombination entschieden. Zudem ist sie als Skilehrerin an der frischen Luft und übt dabei noch ihr Hobby aus.

Menschen

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Waren die Weichen in der Familie schon immer so gestellt, dass sie die Nachfolge in der Skischule antritt? „So definitiv fest gestanden ist es nicht. Aber ich bin halt lange Rennen gefahren“, erzählt die 26-Jährige. Deshalb war sie von den drei Geschwistern diejenige, die die meisten Ambitionen auf die Skischule hatte. Ihre Schwester Maria ist eher der Leichtathletik und em Ausdauersport, ihr Bruder Wolfgang dem Fußball zugetan.

Wie lernt man einem Kind das Skifahren?

  • Willenskraft:

    Viel Elan und Willenskraft brauchen die Anfänger schon einmal beim schwierigen Aufstieg – erst am sogenannten Zauberteppich, dann am Seil-Lift und schließlich am Schlepp-Lift wird geübt. In einer Gruppe Gleichaltriger fällt es leichter als alleine.

  • Bilder:

    Bei der Talfahrt arbeiten die Skilehrer mit den Kindern häufig mit bildlichen Begriffen. Mit „Pizza“ ist der Pflugbogen gemeint. „Pommes“ steht für die für die Parallelfahrt. In die „Garage fahren“ bedeutet Bremsen und Stehenbleiben.

  • Spaß:

    Die schnelle Vermittlung der Grundtechnik des Skifahrens ist nicht allein entscheidend. Es geht in erster Linie auch darum, dass die Mädchen und Jungen Spaß im Schnee haben und dadurch ein erstes Gefühl fürs Skifahren entwickeln.

  • Lehrer:

    Skilehrer können dank ihrer Ausbildung und Erfahrung am besten einschätzen, wann die Kinder Verschnaufpausen brauchen und wann es Zeit für aufmunternde Worte ist. Viele Kinder hören eher auf einen Skilehrer als auf die eigenen Eltern. (kli)

Skilehrerin und Geschäftsfrau

Allerdings spielen sich nur rund 60 Prozent von Steffi Kollers Tätigkeit tatsächlich auf der Piste ab, denn die restlichen 40 Prozent bringt die junge Unternehmerin im Laden zu. „Der Skiverleih ist ein wichtiger Bestandteil der Skischule“, unterstreicht Steffi Koller den Stellenwert von richtigem Material bei Anfängern wie auch bei Fortgeschrittenen – und hierfür ist eine gute Beratung das A und O damit bei der alpinen Ausrüstung der Schuh nicht drückt und die Ski nicht zu kurz oder zu lang sind.

Ein Stück Pizza kennt jeder. So lernen die Kleinen den Pflugbogen. Foto: Maria Frisch
Ein Stück Pizza kennt jeder. So lernen die Kleinen den Pflugbogen. Foto: Maria Frisch

Die Skischule Lamer Winkel hat mehrere staatlich geprüfte Skilehrer und viele Grundstufen-Skilehrer. „Das ist eine sehr gute Besetzung“, weiß die Betreiberin, die vor vier Jahren selbst die Qualifikation des Berufsskilehrers erworben hat, damit sie zur Leitung befugt ist. Gegründet hat die Skischule vor 35 Jahren ihr Vater Wolfgang Koller. Auf seinen Erfahrungsschatz greift Steffi Koller natürlich immer gerne zurück. Mit fünf Jahren sei es ratsam, dass Kinder erstmals einen Skikurs absolvieren, weil die kognitiven und motorischen Fähigkeiten entsprechend ausgeprägt sind. Allerdings gebe es immer wieder Ausnahmen.

„Ich habe relativ schnell festgestellt, dass es zuhause, und vor allem auf dem Koppenhof, am schönsten ist“

Steffi Koller

Vorteile eines Gruppenkurses im Gegensatz zu Privatunterricht sind nach Ansicht der Fachfrau, dass der Lernprozess mit Gleichaltrigen anspornt. Gerade für die jüngsten Pistenflitzer sorgen das Gemeinschaftsgefühl und das bei Anfängerkursen genützte Übungsgelände für ein ideales Lernumfeld. Wenn man nur einmal im Jahr im Skiurlaub ist oder gerade am Beginn der Saison steht, ist es durchaus sinnvoll, wenn die Fortgeschrittenen zur Auffrischung an einem Skikurs teilnehmen. Steffi Koller und Kollegen betreuen auch viele solche „Wiederholungstäter“, die dabei weiter an ihrer Technik feilen, was das Wohlgefühl auf der Piste stärkt.

Ein Skikurs macht in der Regel ab fünf Jahren Sinn. Foto: Maria Frisch
Ein Skikurs macht in der Regel ab fünf Jahren Sinn. Foto: Maria Frisch

Der Gruppenunterricht dauert im Normalfall von 10 bis halb eins. „Zweieinhalb Stunden reichen den Kleinen. Für einen Fünfjährigen ist es schon die absolute Grenze“, weiß Steffi Koller. Deshalb wird dazwischen auch in der Hütte eine Viertelstunde lang Brotzeit machen. Standort der Skischule ist in Lam in der Arberstraße. „Die Skikurse werden – soweit es die Schneelage zulässt – im Skigebiet Eck durchgeführt“, gibt die junge Unternehmerin Auskunft.

Mittlerweile legen viele Leute Wert auf einen qualifizierten Unterricht als Grundstein zum Skifahren. Alles weitere ist dann reine Übungssache.

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