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Mit der Kettensäge zur Kunst

Karl-Heinz Stoiber kreierte bei den Holzwurmtagen am vergangenen Wochenende in Lam die Siegerskulptur.
Von Maria Frisch

Franz Rossmeisl kreierte gestapelte Kaffeetassen, die auf einen Spüler warten.
Franz Rossmeisl kreierte gestapelte Kaffeetassen, die auf einen Spüler warten.

Lam.Entweder es herrscht bei den Holzwurmtagen eine Gluthitze, wie am vergangenen Wochenende, oder es regnet, wie letztes Jahr. Scheinbar müssen sich die Kettensäger ihr Zwei-Tageswerk doppelt schwer verdienen. Bei der achten Auflage lichtete noch dazu ein Teilnehmerschwund den Engelshütter Dorfanger. Zwei der Stammmannschaft hatten gesundheitliche Probleme.

Summa summarum hielten vier Akteure das Meeting der sägenden Zunft aufrecht, zumal alle zuversichtlich waren, dass nächstes Jahr wieder mehr dazustoßen. Die Hitze ließ zwar Schweißperlen fließen, allerdings spendeten die Laubbäume Schatten, so dass die körperliche Arbeit gerade noch erträglich war. Über den Sieg entscheidet seit dem Vorjahr das Los, weil die Entscheidung zuvor immer unsäglich schwer gefallen war. Nachdem der Vorjahressieger Johannes Seidl bewusst nicht im Lostopf landete, fischte Anna Wellisch aus den Titelanwärtern Karl-Heinz Stoiber heraus. Dem Amberger war die Freude darüber ins Gesicht geschrieben. Im Hinblick auf den kräftezehrenden Prozess des Glasmachens und dem daraus resultierenden Spruch „Es ist ein unendlich Kreuz, Glas zu machen“ schnitzte er ein solches Symbol. „Ich habe etliche Jahre bei Rosenthal gearbeitet und da war dieser Aufdruck auf den Brotzeitttüten abgebildet.

Johannes Seidl, der in der Heimatgeschichte sehr bewandert ist und auch bei den Holzwurmtagen gerne einen Bezug herstellt, stieß bei seinen Überlegungen nach einem Thema auf die letzte Bärenjagd auf dem Osser, über die der legendäre Waldschmidt berichtet. Der Kulturwart der Lohberger Waldvereinssektion hatte sich entsprechende Passagen herauskopiert und als Information am Rande auf einer Stelltafel publiziert. Die Bärenskulptur zeigte einen aufgerichteten Pelzträger, der gewiss seinem Gegenüber nicht wohlwollend gesinnt war. Die besagte Bärenjagd hat sich um 1820 zugetragen.

Reinhard Baumann als Neukirchen b. Hl. Blut hatte sich wieder ein Modell aus Plastilin vorgefertigt, wobei die lebensgroße Variante aus Pappelholz dem Entwurf aus Knetmasse verblüffend ähnlich sah. „Nennen wir sie einfach eine Diva“, meinte Baumann zu seiner kurvigen Frauenfigur. Konsequent verschnitten hat er sich noch nie.

Sieger Karl-Heinz Stoiber, sitzend, mit Kollegen
Sieger Karl-Heinz Stoiber, sitzend, mit Kollegen

„Des is an haffan Gschirr zum Abspülen“, verwies Franz Rossmeisl aus Steinach auf seine aufgeschichteten Kaffeetassen, die wohl jedem ein Schmunzeln auf die Lippen zauberten. Unterteller und Kaffeelöffel schnitzte er der Vollständigkeit halber noch mit dazu. „So was muss einem erst mal einfallen“, meinte Kollege Stoiber, als er die Arbeit des Nachbarn in Augenschein nahm. Natürlich hatte er nicht zufällig sieben Stück übereinandergestapelt. Jeder verpasste er nämlich noch einen Buchstaben, die den Namen Cafebar ergaben - der ideale Blickfang vor einem Gastronomiebetrieb. Auftragsarbeiten erledigt auch Karl-Heinz Stoiber mit Vorliebe. Einige solcher Tierfiguren hatte er nach Engelshütt mitgebracht, beispielsweise einen grinsenden Elch. „Die schauen bei mir am Ende immer lustig aus. Gut und Böse liegen eben nah beieinander“, erklärt sich der Amberger dieses Phänomen. Sein Losglück bringt ihm 400 Euro ein. Dafür bleibt das „Glasmacherkreuz“ in Lam und erhält einen Ehrenplatz entlang des Rundweges „Waldglas auf der Spur“.

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