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Berufsorientierung

Mittelschüler testen Handwerksberufe

Von Altenpflege bis Verpacken: Das praktische Anwenden von neuem Wissen machte den Achtklässlern Spaß.

  • Im Lagerbereich gehört das Verpacken und Versenden von Waren zum Alltag und wurde, beobachtet von Klassenleiterin Simona Stelzer (rechts), von Ausbilderin Anette Amberger gezeigt.
  • Ausbilderin Katja Kraus zeigte den Kötztinger Mädchen im Bereich Kosmetik, wie Fingernägel korrekt bearbeitet werden.
  • Ausbilder Josef Fischer ist den Schülern bei der Montage des Schlüsselkastens behilflich, während Berufsberater Jürgen Ziereis interessierter Beobachter ist. Fotos: Groitl

Bad Kötzting.In der vorletzten Jahrgangsstufe jeder Schullaufbahn steht für die Schüler die Entscheidung über den richtigen Beruf an. Damit diese Entscheidung leichter zu treffen ist, gibt es zahlreiche Aktionen in Sachen Berufsorientierung. Eine Woche lang bekamen die Schüler der 8. Klassen der Karl-Peter-Obermaier-Mittelschule Bad Kötzting sowie der Mittelschulen Lam und Neukirchen b. Hl. Blut fundierte Einblicke in gängige Berufe im Landkreis Cham. Initiiert und finanziert wird diese praktische Woche bereits im zwölften Jahr durch die Agentur für Arbeit und das Schulamt Cham. Durchgeführt wird die Orientierungswoche vom Kolping-Bildungswerk und dem Berufsbildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer in Cham.

Die Achtklässler und ihre Klassenleiter Simona Stelzer aus Neukirchen, Klaus Traurig aus Lam sowie Matthias Amberger, Simon Achatz, Philipp Lankes und Wolfgang Graßl aus Bad Kötzting fanden sich jeweils am Montagmorgen in den Chamer Ausbildungsstätten ein. Sie wurden vom Leiter der Handwerkskammer in Cham, Josef Ramsauer, und vom Leiter des Kolping-Bildungswerkes, Franz Speckner, begrüßt.

Ordnung auf dem Schreibtisch

Nach der Einführung ging es gleich ans Werk. Die Jugendlichen wurden in Gruppen aufgeteilt und verbrachten jeweils einen halben bis ganzen Tag in jedem Berufsfeld. Im Bereich Metall stellten die Schüler ein Konstrukt dar, mit dem sich auf dem Schreibtisch Ordnung schaffen lässt. Ausbilder Stefan Altmann achtete dabei ebenso wie seine Kollegen auf eine saubere und genaue Arbeitsausführung.

Im Metallbereich lernten die Jugendlichen neben Fräsen, Feilen und Entgraten auch Tätigkeiten wie Bohren, Stanzen oder Drehen kennen und durften Arbeitsschritte mit modernen CNC-Maschinen ausführen.

Im Bereich Holz und Farbe ging es darum, mit den Mädchen und Jungen einen Schlüsselkasten herzustellen. Dieser wurde aus unterschiedlich geformten Holzelementen für den täglichen Hausgebrauch angefertigt und anhand verschiedener Methoden mit Farben individuell gestaltet sowie mit einem QR-Code versehen. Die Ausbilder Josef Fischer und Max Jobst stellten den Jugendlichen den Prototypen vor und erklärten detailliert jeden Arbeitsschritt anhand einer Skizze. Bevor fleißig gesägt, gefeilt, gebohrt und geschliffen wurde, ging es erst einmal um den sicheren Umgang mit den eingesetzten Maschinen.

Im Elektrobereich wurde eine Verlängerungsleitung hergestellt. Die Rohleitung musste abgemantelt, abisoliert und die Drähte mit Aderendhülsen versehen werden. Dann wurden Stecker und Kupplung montiert. Am Ende überprüften die Ausbilder Josef Seidl und Franz Fuchs die Funktionstüchtigkeit des Produktes. Im Bereich Heizung, Wasser und Gas wurden unter Anleitung von Ausbilder Stefan Altmann Rohrverbindungen erstellt. Dabei wurden Rohre geschnitten und gebogen, Gewinde geschnitten und mit Hanf versehen und die Leitungen am Schluss abgedrückt, um die Dichte zu prüfen. Auch die Montage eines Waschbeckens war Thema in diesem Fachgebiet.

Der Bereich Friseur mit Kosmetik und Körperpflege wird wieder neben den Bereichen Verkauf, Pflege, Lager und Hotel/Gaststätten beim Kolping Bildungswerk für Mädchen und Jungs gleichermaßen angeboten.

Im Bereich Altenpflege brachten die Pflegedienstleiterinnen Alexandra Dostal und Martina Berzl den Teilnehmern Grundbegriffe wie Körperwahrnehmung, Nahrungsaufnahme, Waschen, verschiedene Lagertechniken oder das Blutdruckmessen näher. Die Schüler durften unter Anleitung der Fachfrau diese Tätigkeiten an Mitschülern im Pflegebett oder im Rollstuhl üben.

Handel und Gastronomie

Für den Bereich Handel hat das Kolping-Bildungswerk einen seiner Schulungsräume zu einem Laden, den „Kolpi-Shop“, umgebaut. Die Schüler konnten unter Anleitung von Tina Drexler den kompletten Ablauf einen Handelsbetrieb kennenlernen. Ware prüfen, auszeichnen und verstauen stand ebenso wie Kunden bedienen oder Kassieren auf dem Programm. Unter Anleitung von Alexandra Blößl wurde im Bereich Hotel- und Gaststättenberufe das Eindecken von Tischen für ein Mehr-Gänge-Menü, das Falten von Servietten und das Bedienen von Gästen mit verschiedenen Serviertechniken trainiert. Gläser- und Besteckkunde stand auch auf dem Programm.

Einen halben Tag in der Woche war Jürgen Ziereis, der für die Schulen zuständige Berufsberater der Agentur für Arbeit, in den Gruppen zu Gast. Er machte sich ein Bild davon, was die Schüler in den Berufsfelder leisteten. Dabei stellte er fest, dass das praktische Anwenden von neuem Wissen den Teilnehmern riesigen Spaß bereitete. Die Agentur für Arbeit finanziert diese Maßnahme auch 2018/2019 für die mehr als 420 Schüler der 8. Klassen aller Mittelschulen im Landkreis zu einem wesentlichen Teil.

Am Freitagmittag konnten die Schüler neben ihren Werkstücken ein Zertifikat über die erfolgreiche Teilnahme in Empfang nehmen, das sie ihrer Bewerbung beilegen können.

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