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Justiz

Tote Luchse: Anklage erhoben

Die Staatsanwaltschaft ist im Fall der Lamer Luchsermittlungen sicher, dass ein Mann ein Tier gefangen und getötet hat.
Von Tanja Fenzl

Die Staatsanwaltschaft ist sich sicher, dass der Beschuldigte zwischen Juni 2014 und September 2016 einen Luchs fing und tötete. Foto: Alexander Heinl/dpa
Die Staatsanwaltschaft ist sich sicher, dass der Beschuldigte zwischen Juni 2014 und September 2016 einen Luchs fing und tötete. Foto: Alexander Heinl/dpa

Cham.Die Staatsanwaltschaft Regensburg hat das Ermittlungsverfahren wegen illegaler Luchstötung abgeschlossen und dabei einen Teil der Tatvorwürfe mangels Tatnachweis eingestellt. Anklage zum Amtsgericht Cham wird allerdings wegen unerlaubten Besitzes zweier verbotener Waffen und vorsätzlichem Nachstellen und Töten eines wild lebenden Tieres einer streng geschützten Art erhoben. Beschuldigter ist ein 53-jähriger Jäger aus dem Lamer Winkel.

Wie wiederholt in den Medien berichtet, wurden Mitte Mai 2015 vier vordere Gliedmaßen von Luchsen im Bayerischen Wald, Bereich Lamer Winkel, aufgefunden. Seither ermittelte die Staatsanwaltschaft Regensburg zunächst gegen Unbekannt, nach Eingang von Hinweisen in der Folge gegen einen Beschuldigten wegen des Verdachts der Jagdwilderei sowie wegen Verstößen gegen das Bundesnaturschutzgesetz und das Tierschutzgesetz.

Tötung nicht nachweisbar

Soweit dem Beschuldigten zur Last lag, die beiden Luchse, deren Vorderläufe im Mai 2015 aufgefunden worden waren, getötet zu haben, wurde das Ermittlungsverfahren gegen den Beschuldigten gemäß § 170 Absatz 2 StPO mangels Tatnachweis eingestellt, so Staatsanwalt Markus Pfaller. Darüber hinaus wurden beim Beschuldigten Körperteile (Pfoten und Ohren) eines anderen Luchses sichergestellt. Dem Beschuldigten konnte aber auch hier nicht nachgewiesen werden, dass er für die Tötung dieses Luchses verantwortlich ist.

Schließlich konnte auch nicht nachgewiesen werden, dass der Beschuldigte in weiteren von ihm gegenüber einem Zeugen behaupteten Fällen Wildtiere illegal getötet hat. Konkrete Ereignisse konnten mangels geeigneter Spuren und Beweismittel nicht mit der notwendigen Sicherheit - auch im Hinblick auf Tathandlung, Tatzeit und Tatort - festgestellt werden, heißt es bei der Staatsanwaltschaft.

Kriminalität

Wohin führt die letzte Luchs-Spur?

2015 wurden im Wald bei Lam abgetrennte Vorderläufe zweier Großkatzen gefunden. Seit einem Jahr gibt es einen Verdächtigen.

Im Zuge der sehr aufwendig geführten Ermittlungen – dabei arbeiteten die Behörden auch mit Umweltverbänden und Behörden auf tschechischer Seite zusammen – ergab ein in Auftrag gegebenes Gutachten, dass die aufgefundenen vier Vorderläufe von zwei wild lebenden Europäischen Luchsen, vermutlich einem männlichen und einem weiblichen Tier stammten. Auf einen der Luchse sei bereits zwei Monate vor seinem Tod zweimal geschossen worden, wobei das Tier verletzt worden sei, aber wohl noch fliehen konnte. Bei dem anderen Luchs wurden keine Beschussspuren gefunden.

Der LBV hatte aufgrund angestellter Untersuchungen festgestellt, dass es sich bei den getöteten Tieren um die beiden verschollenen Luchse Leo und Leonie handelt, die 2014 erstmals in Fotofallen getappt waren. Bereits ihre Vorgänger waren spurlos verschwunden. Um die Luchspopulation zu schützen, hatte das Landratsamt Cham im März 2015 eine Schutzzone am Kaitersberg eingerichtet.

Chronik der Ermittlungen

  • Mai 2015:

    In der Nähe einer Fotofalle werden am Kaitersberg Überreste von zwei toten Luchsen gefunden. Die vier Pfoten sind Augenzeugen zufolge regelrecht drapiert und sollten wohl gefunden werden. Die Staatsanwaltschaft Regensburg stellt die Ermittlungen mangels weiterer Hinweise nach einigen Monaten ein.

  • März 2016:

    Das Umweltministerium setzt 10 000 Euro Belohnung aus für Hinweise auf den Täter.

  • November 2016:

    Der LBV geht inzwischen von rund 20 getöteten oder verschollenen Luchsen in den letzten fünf Jahren aus.

  • Dezember 2016:

    BR-Reporter ermitteln verdeckt und kommen Jägern auf die Spur, die in und um Lohberg Luchsjagden anbieten. Kurz darauf kommt es zu Hausdurchsuchungen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wieder.

  • Februar 2019:

    Die Staatsanwaltschaft beendet die Ermittlungen.

Wie die Staatsanwaltschaft betonte, konnte bei einer Vergleichsuntersuchung der in den Luchspfoten aufgefundenen Geschossteile und der sichergestellten Munition keine Übereinstimmung festgestellt werden. Ebenso wenig erbrachte die Vergleichsuntersuchung der aufgefundenen Luchspfoten mit den beim Beschuldigten sichergestellten Luchspfoten und Luchsohren eine Übereinstimmung.

Verbotene Waffen gefunden

Allerdings wurden im Rahmen der beim Beschuldigten erfolgten Durchsuchung weitere Beweismittel sichergestellt, aufgrund derer die Staatsanwaltschaft nunmehr Anklage wegen weiterer Tatvorwürfe erhoben hat. Zum einen wurden im Anwesen des Beschuldigten ein Nachtsicht-/-zielgerät sowie ein Wurfstern aufgefunden. Dem Beschuldigten wird deshalb in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft der vorsätzliche Besitz zweier verbotener Waffen zur Last gelegt.

Zum anderen wurde in einem Waldgebiet eine sogenannte Lebendfalle aufgefunden und sichergestellt. Aufgrund der an der Lebendfalle gesicherten Spuren und weiterer Beweismittel besteht nach Auffassung der Staatsanwaltschaft der hinreichende Verdacht, dass der Beschuldigte mit Hilfe dieser Falle Luchsen nachstellte und jedenfalls im Zeitraum zwischen Juni 2014 und September 2016 einen Luchs fing, welchen er anschließend mit einer Kurzwaffe tötete. Die Staatsanwaltschaft legt dem Beschuldigten deshalb in ihrer Anklageschrift auch das vorsätzliche Nachstellen und Töten eines wild lebenden Tieres einer streng geschützten Art, strafbar nach dem Bundesnaturschutzgesetz, zur Last. Das Amtsgericht Cham hat über die Zulassung der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft zu entscheiden.

„Der LBV gratuliert der Polizei zu den Ermittlungen.“

Dr. Norbert Schäffer, LBV-Vorsitzender

Der LBV begrüßt den Abschluss der Ermittlungen. Dr. Norbert Schäffer, LBV-Vorsitzender: „Der LBV gratuliert der Polizei zu den bisherigen Ermittlungsergebnissen, die unbestritten das Ergebnis eines großen Aufwands, hoher Methodenkompetenz und konsequenter Ermittlungsarbeit über einen langen Zeitraum sind. Es wäre ein Meilenstein für den Schutz des Luchses im Bayerischen Wald, wenn die Schuldigen für diese schändliche und verwerfliche Tat überführt und dem Gesetz entsprechend bestraft werden.“ Claus Obermeier, Vorstand der Gregor Louisoder Umweltstiftung: „Wir erkennen die professionelle Arbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft an, die mit hohem Aufwand wie bei einer Mordermittlung betrieben wurde.“

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