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Sammelleidenschaft: Ein Zaun aus Skiern

Franz Herrnberger sammelt Ski. Darunter sind etliche Raritäten. Hingucker am Brennes ist aber ein ganzer Zaun aus Skiern.
Von Maria Frisch

Lohberg.„Zum Schreddern beziehungsweise recyceln viel zu schade“, hielt Franz Herrnberger vom Brennes die ausrangierten Skier. Da kam ihm selbst eine originelle Alternative in den Sinn. „Sie eignen sich zum Bestücken des Zauns auf jeden Fall besser als eintönige Latten“, erkannte der Skischulenbetreiber, der die Einzelstücke selbst als Grundstücksbegrenzung an die Holzlattung schraubte und damit seither eine Menge Aufmerksamkeit erregt.

An der gut 100 Meter langen „bunten Wand lebendiger Zeitgeschichte“ bleibt eigentlich jeder stehen. „Mit sechane bin i a scho gfahrn“, entdecken Pisten- und Loipenfreaks entzückt ihr Fabrikat. Die wirklichen Raritäten setzt der Sammler jedoch nicht Winter wie Sommer der Witterung aus, sondern lagerte sie ein – wiederum ungefähr 300 Paar ab 1880 mitsamt den jeweils gängigen Skischuhen.

„Von den Exponaten her betrachtet, könnte ich locker mit dem Skimuseum von Markus Wasmeier mithalten“, so Franz Herrnberger, der weiß, wovon er spricht. Schließlich hat er die Einrichtung am Schliersee schon besucht.

„Zum Schreddern beziehungsweise recyceln sind die alten Skier viel zu schade“

Franz Herrnberger

So eine Zweckbestimmung schwebte ihm auch lange Zeit vor, scheiterte aber bisher an passenden Räumlichkeiten. „Vielleicht ist ja eine der umliegenden Gemeinden einmal interessiert“, wäre Franz Herrnberger schon bereit, seine Modelle der Nachwelt zur Verfügung zu stellen. Wenn er seine Schätze herzeigt, plaudert er wie aus dem Nähkästchen. Er weiß von jedem Paar die Herkunft. „Ich habe eine der größten Völkl-Sammlungen, die es gibt“ und verweist auf eine ganze Reihe absoluter Raritäten, die er zur Schau schon mal ins Freie holt. Innen stehen freilich noch mehr.

Antike Ski und Zubehör

  • Franz Völkl

    Franz Herrnbergers Vater war ein Schmid. Der legendäre Franz Völkl, ein Freund des Hauses, war ein Wagner („Wonga“). Darum hatten die beiden beruflich öfter miteinander zu tun. Aus dem Wagnerberuf entsprangen die ersten Skihersteller.

  • Raritäten

    Von den Raritäten her könnte Franz Herrnberger mit dem Skimuseum von Markus Wasmeier am Schliersee mithalten.

  • Rennski von Traudl Walz

    Der Skischulenbetreiber vom Brennes besitzt Rennski von Traudl Walz, einer bekannten Skifahrerin der Region.

  • Umfang

    „Zum Sammeln musst du ein Narrischer sein“, bekennt Franz Herrnberger, der gut 300 Paar Raritäten ab 1880 besitzt. Sein Lieblingsstück ist der Golden Eagle von Völkl, von dem nur ungefähr 20 Paar produziert wurden, und den ihm Franz Völkl geschenkt hat.

  • Schuhe

    Hinzu kommen Schuhe – zwar weniger, aber auch gut sortiert, von den genagelten über die doppelt Genähten bis zu den heutigen Vorläufern, den plastifizierten Lederschuhen, die schon Schnallen und Heckspoiler hatten, um in Rücklage zu fahren.

  • Zukunft

    „Die künftige Skientwicklung wird sich dem Klima, sprich Kunstschnee, anpassen müssen“, ist Herrnberger überzeugt. „Es kommen immer neue Sachen heraus. Jedenfalls war es noch nie so einfach, Ski fahren zu lernen“, sagt der Insider.

  • Schmankerl

    Besondere Schmankerl sind eine ins „Altenteil“ geschickte Gondel von der Brauneck-Bahn in Lenggries sowie zwei Doppelsessel vom vormaligen Arberlift.

  • Der Zaun

    Den 100 Meter langen Zaun installierte Herrnberger aus ausrangierten Skiern. Viele Leute bleiben staunend stehen. „Der Zaun wächst noch - er ist lebendig.“

Die Stahlkante am Vöstra-Ski

Völkl hieß früher Vöstra. Franz Herrnberger besitzt einen der ersten Vöstra-Skier. „Der hatte schon Stahlkanten – eben ein Qualitätsski.“ Die ersten Kunststoff-Metall-Brettl überhaupt hat der amerikanische Hersteller HEAD auf den Markt gebracht („Das waren die Teuersten damals“). 2,20 bis 2,15 Meter waren sie im Durchschnitt lang. Um 1920 verleimte man schon die Schichten. „Beim Professional verbauten sie bereits Plastik“, schritt der Skilehrer die Gala der Paare ab.

Franz Herrnberger sammelt seit 40 Jahren Ski. Besonders stolz ist er auf seine Sammlung von Modellen des Herstellers Völkl. Bekannt ist Herrnbergers Zaun aus alten Skiern am Brennes.
Franz Herrnberger sammelt seit 40 Jahren Ski. Besonders stolz ist er auf seine Sammlung von Modellen des Herstellers Völkl. Bekannt ist Herrnbergers Zaun aus alten Skiern am Brennes. Foto: Simon Tschannerl

„Ich sammle seit 40 Jahren solche Unikate. Als leidenschaftlicher Skifahrer hat mich schon immer der Skibau fasziniert“, erzählt der versierte Fachmann. „Es hat seinerzeit unzählige Hersteller gegeben, die nach und nach immer weniger wurden“, blickt der gelernte Forstwirt zurück. Da Vöstra als Name nicht geschützt war, ist dem Straubinger Unternehmer ein japanischer Hersteller zuvor gekommen. Deshalb wechselte man zu Völkl, die auch den allerersten Langlaufski produzierten. Der Metallski-Debütant aus der Gäubodenstadt hieß „Zebra“, dann folgte der Renntiger („Die waren schon vom Feinsten“). Weitere Errungenschaften auf dem Sektor waren Skier mit Fellstreifen, damit man nicht zurückrutschte. Bei der Talfahrt glättete sich das Seehundfell, beim Aufstieg hat es gebremst. „Wir hatten die ersten Carver-Skier im Bayerischen Wald“, erinnerte sich Herrnberger an die „Revolution“. Zuvor hatte Ingemar Stenmark, der schon taillierte Skier fuhr, laufend gewonnen. „Skifahren war noch nie so einfach zu lernen, wie jetzt.“

„Als leidenschaftlicher Skifahrer hat mich schon immer der Skibau fasziniert“

Franz Herrnberger

Eine der alten Bindungsformen war die sogenannte Mausfallen-Bindung, die von 1935 bis in die 70er Jahre im Einsatz war. „Diese hier hieß Zehnerkasl“, zeigte Herrnberger auf die Form eines Dreieckskäsestücks und lacht. Natürlich orientierte man sich an den Bedürfnissen, beispielsweise dem Fortbewegungsanspruch der Jäger und Förster.

Franz Herrnberger und seine Skier-Sammlung

Teure Skischuhe aus Leder

Der Breitensport im Bayerischen Wald ging damals besser ins Geld als heute. Es gab alle möglichen Schuhe. Die erste Variante waren die Genagelten. „Das ist ein Rummelschuh mit Heckschnürung, den man auch an der Ferse fixieren konnte“, besitzt Herrnberger entsprechende Exemplare. Die ersten Schnallenschuhe waren noch aus Leder. „Ein solches Paar kostete in den 1960er Jahren 229 Mark, bei einem Stundenlohn von drei Mark. Das war ein Vermögen.“

Der Funke der Leidenschaft hat sich für den Naturfreund wahrscheinlich schon in der Jugend entzündet. „Mein Vater war Schmid und hat gelegentlich Räder usw. von Franz Völkl, einem Wagner, bearbeitet.“ In der Regel haben damals die Wagner die ersten Holzski hergestellt. Auch der in Lohberg ansässige „Hüttn Wonga“, wie ihn der Volksmund nannte, kam solchen Wünschen nach. Die Handwerker entpuppten sich dabei als wahre Tüftler. Franz Herrnberger blieb noch gut in Erinnerung, dass er selbst einigen tschechischen Skiassen, die noch über kein Schuhwerk mit Heckspoiler verfügten, mit in den Schuhen fixierten Schienbeinschonern zum Fahren in Rücklage verholfen hat.

„Ein solches Paar kostete in den 1960er Jahren 229 Mark, bei einem Stundenlohn von drei Mark. Das war ein Vermögen.“

Franz Herrnberger

Neben dem Zaun aus Skiern der verschiedensten Marken und Fabrikate als absolut einzigartige Abgrenzung zum Nachbargrundstück („ein Stück lebendige Skigeschichte“) fällt das Auge noch auf einen weiteren Blickfang, nämlich eine ins „Altenteil“ geschickte Gondel von der Brauneckbahn in Lenggries. Wie er zu dem Souvenir kam, erklärt Franz Herrnberger so: „Weil i in ganz Bayern umanander kim“. Aufgrund seiner Beziehungen konnte er das Relikt in den Bayerischen Wald schaffen. „Die war noch bis in die 80er Jahre in Betrieb“, weiß der Skilehrer. Daneben lassen sich die Original-Sitzgelegenheiten von der ehemaligen Arber-Doppelsesselbahn im Winter von Schneeflocken berieseln. So ein Teil des Vorreiters der Gondelbahn hat wahrscheinlich niemand als nostalgischen Blickfang vor der Haustür.

Hier finden Sie alle bisher veröffentlichten Teile unserer Serie „Die Sammler im Landkreis Cham“

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