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Zoo

Tierpark: Erfolg und Kraftakt in Lohberg

Zum „silbernen Jubiläum“ des Bayerwald-Tierparks gab es heuer bereits viele Naturerlebnisveranstaltungen, am Mittwoch war eine Feierstunde.
Von Maria Frisch

  • Die kleinen Luchsjungen wagten sich schon an große Fleischstücke. Fotos: kfl
  • Claudia Schuh zeigte ein Exemplar der künftigen Beschilderung mit tschechischer Übersetzung.
  • Die Ehrengäste vor dem Waschbärgehege
  • Franz Müller dankte Gründervater und „Leitfigur“ Dr. Hans Aschenbrenner mit einem Glaspräsent.
  • Altbürgermeister Helmut Sperl leistete vor einem Vierteljahrhundert hartnäckige Überzeugungsarbeit.

Lohberg.„Im Nachhinein weiß jeder, dass dies eine Superidee war, aber die Umsetzung war sicher nicht leicht“, zollte stellvertretender Landrat Markus Müller am Mittwoch bei einer Feierstunde anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Bayerwald-Tierparks Lohberg Lob und Respekt.

Bürgermeister Franz Müller freute sich über die Gäste im Elchhaus, darunter die beiden Gründerväter, Dr. Hans Aschenbrenner und Altbürgermeister Helmut Sperl, der stellvertretende Landrat Markus Müller, MdB Karl Holmeier, die Nachbarbürgermeister Paul Roßberger und Sepp Schmid, Altbürgermeister Egid Hofmann aus Neukirchen b. Hl. Blut, Regionalmanagerin Jana Dirriglova, Dr. franz Wiesenreiter vom Veterinäramt, Isabella Bauer von der Wirtschaftsförderung, Hans Braun vom Naturpark Bayerischer Wald, Gemeinderäte, stellvertretende Bürgermeisterin Rita Wellisch und die Mitarbeiter des Bayerwald-Tierparks mit Leiterin Claudia Schuh.

400 Wildtiere werden gezeigt

Zum „silbernen Jubiläum“ des Bayerwald-Tierparks gab es heuer bereits viele Naturerlebnisveranstaltungen. „Es sind insgesamt 25 – passend zur Jubelzahl“, informierte der Bürgermeister. Beheimatet sind auf dem zehn Hektar großen Areal circa 400 Wildtiere aus dem Bayerisch-Böhmischen Grenzgebiet, die sich in 100 Arten aufteilen. Geistige Väter waren damals Helmut Sperl und Dr. Aschenbrenner. „Für Helmut Sperl war dies eine heiße Phase in seiner Amtszeit, weil die Bevölkerung sehr gespalten darauf reagierte. Die Gegner befürchteten ein finanzielles Fiasko“, blendete der Laudator zurück. Die Landkreisbehörde konnte dem Wunsch des Lohberger Bürgermeisters damals wenig abgewinnen. „Aber Helmut Sperl ließ sich davon nicht beirren, leistete viel Überzeugungsarbeit und fand in Dr. Aschenbrenner den maßgeschneiderten Partner und eingeschworenen Naturfreund, der sein ganzes Leben mit Wildtieren, vor allem der Wiedereinbürgerung des Raufußhuhns, beschäftigt war“, berichtete Franz Müller aus der Gründerzeit. Dr. Aschenbrenner war bereits vom „Virus Tierpark“ infiziert, seit er den Alpenzoo in Innsbruck besucht hatte. Direktor Dr. Pechlaner stellte dem Lohberger Park nahezu den gesamten Tierbestand zur Verfügung.

Keine staatlichen Zuwendungen

Finanziert wurde der Bau von Landkreis und Bezirk. „Den fortlaufenden Betrieb stellt ausschließlich die Gemeinde sicher, die für den Themenzoo keine staatlichen Zuwendungen, Betriebskostenzuschüsse oder andere Subventionen erhält“, so Franz Müller. Die Vorgängerbürgermeister Helmut Sperl und Hans Mühlbauer haben mit ihrem Gemeinderat den Tierpark stetig weiterentwickelt und hatten auch ein Gespür für die große Herausforderung der Wirtschaftlichkeit, nämlich den Park so zu führen, dass die Defizite so gering wie möglich bleiben. Die Gehegeanlagen sind keine Pflichtaufgabe der Gemeinde, sondern eine freiwillige Leistung. „Die Zeiten werden schwieriger, da heute die Zoos mit anderen zugkräftigen Einrichtungen konkurrieren müssen“, machte der Redner bewusst. Das Flaggschiff der Gemeinde unterhalte kein Büro, der Jahresumsatz wird über die Gemeinde verwaltet. „Oberstes Gebot sind Sparsamkeit und effizienter Mitteleinsatz“, bekräftigte der Bürgermeister. Allerdings sei dies eine Gratwanderung, denn diese Vorgabe dürfe nicht zulasten der Qualität gehen.

Die beste Werbung sind nach wie vor die zufriedenen Besucher. „Wir peilen die drei Millionen Besuchermarke an“, sagte der Rathauschef. Der Park finanziere sich hauptsächlich aus Eintrittsgeldern. Die Bedeutung habe sich etwas geändert und erstreckt sich von der Erholung, Bildung, Forschung bis hin zum Artenschutz. „Dies ist kein steriler Tierpark, Beton wurde möglichst vermieden. Die Tiere können sich hier wohlfühlen“, betonte der Redner. Der Bildungsauftrag der Zoos wird zunehmend rechtlich verankert, nämlich in der Zoorichtlinie der EU und im Deutschen Naturschutzgesetz. Dazu kommen die Selbstverpflichtungen nationaler und internationaler Zooverbände. Die Zoopädagogik ist dabei eine wichtige Schnittstelle.

„Wir haben derzeit rund 25 Prozent tschechische Besucher“, unterstrich der Redner. Der Gast fragt nicht nach Gemeindegrenzen. Er will ein ansprechendes breitgefächertes Freizeitangebot vorfinden. Die individuellen Stärken der einzelnen Gemeinden ergeben in der Summe das geforderte, äußerst attraktive Gesamtangebot. Angesichts der überregionalen Bedeutung, die der Tierpark erlangt hat, in Verbindung mit dem Bildungsauftrag und dem Artenschutz wäre durchaus eine Unterstützung für die Erhaltung von höherer Stelle (Landkreis, Bezirk) gerechtfertigt, ließ der Bürgermeister anklingen.

2005 hat Claudia Schuh die Parkleitung nach einem Übergangsjahr mit Dr. Aschenbrenner übernommen. „Sie führt den Themenzoo mit Sachverstand und ist eine Tierfreundin wie sie im Buche steht“, bestätigte Franz Müller. Seit 2008 ist die fachliche Leiterin auch in der Führungsriege des Deutschen Wildgehegeverbandes vertreten.

Den Bayerwald-Tierpark besuchten schon Persönlichkeiten wie Heinz Sielmann oder Wolfsforscher Erik Zimen. Jährlich ist der Themenzoo auch Anlaufstelle für das Bayerische Fernsehen. Zur Erinnerung beschenkte der Bürgermeister die Gründerväter sowie Markus Müller und Karl Holmeier mit einem Unikat aus der Lohberger Glashütte.

Lob vom Landkreis

Markus Müller bezeichnete den Tierpark als „Juwel“ über die Landkreisgrenzen hinaus. „Altbürgermeister Sperl möchte ich zu seinem Mut und seine Hartnäckigkeit besonders gratulieren“, so der Stellvertreter des Landrats. Anerkennung widmete er auch allen Nachfolgern. „Wichtig ist die Kontinuität über 25 Jahre. Hier hat sich der Besucherstrom über die ganzen Jahre gehalten. Der Tierpark ist nach wie vor interessant, auch für die einheimische Bevölkerung“, attestierte Markus Müller und fügte hinzu: „Bei der fachlichen Leitung durch Claudia Schuh hätte Euch nichts besseres passieren können.“

Holmeier bezeichnete 25 Jahre Themenzoo ebenfalls als eine Erfolgsgeschichte. „Das Schöne am Lohberger Tierpark ist, dass man die Tiere zu Gesicht bekommt“, schilderte der MdB seine persönlichen Eindrücke.

Dies bewahrheitete sich bei dem anschließenden Rundgang zu etlichen Spezies, bei dem Claudia Schuh in ihrem Metier war. Gelacht wurde auch über die eine oder andere Anekdote, die Dr. Aschenbrenner und Helmut Sperl beisteuerten und die demonstrierten, dass die beiden oft nicht der gleichen Meinung waren, aber im Zuge des gemeinsamen Vorhabens dann doch am selben Strang zogen. Zum Abschluss wurde das schmackhafte Buffet im Elchhaus eröffnet und die Gäste ließen dabei „das Geburtstagskind“ hochleben.

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