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Politik

Das Gipfeltreffen der Grenzregionen

Im Kalten Krieg war am Hohenbogen Sperrgebiet. Hier treffen sich nun die Regierungspräsidenten der Oberpfalz und Pilsen.
Von Karl Reitmeier

Heute Besucher-Magnet, früher Sperrgebiet: Das Gelände des ehemaligen Fernmeldesektor F mit den Abhörtürmen. Fotos: Reitmeier
Heute Besucher-Magnet, früher Sperrgebiet: Das Gelände des ehemaligen Fernmeldesektor F mit den Abhörtürmen. Fotos: Reitmeier

Neukirchen b. Hl. Blut.Wenn sich Josef, Franz und Axel auf dem Wanderparkplatz bei der Hohenbogenbahn mit ihren Vornamen per Handschlag ein freundschaftliches „Servus“ sagen, dann ist das sicher nichts Besonderes. Wenn es sich bei diesen Personen aber um den Hejtmann/Hauptmann Josef Bernard (Regionspräsident von Pilsen), den Regierungspräsidenten Axel Bartelt sowie um Landrat und Bezirkstagspräsidenten Franz Löffler handelt, dann ist das schon außergewöhnlich und verdeutlicht das freundschaftliche grenzüberschreitende Miteinander, das hier gepflegt wird

Ein erstes Gipfeltreffen hatte es im Vorjahr am böhmischen Cerchov gegeben, am Mittwoch traf man sich zum zweiten Mal, diesmal am Hohenbogen, zwei Berge, bei denen sich in der kommunistischen Zeit zwei politische Machtblöcke gegenüberstanden: Auf der einen Seite der Warschauer Pakt, auf der anderen Seite die NATO. Der Bezirkstagspräsident brachte es auf den Punkt: Aufgrund der damaligen Abhöranlagen auf beiden Bergen habe man gegenseitig viel voneinander gewusst. Das sei aber auch heute so, jedoch ohne Abhöranlagen, sondern dank der offenen Grenze.

Die Aussichtsplattform auf dem NATO-Turm markierte den höchsten Punkt der Wanderung. Fotos: Reitmeier
Die Aussichtsplattform auf dem NATO-Turm markierte den höchsten Punkt der Wanderung. Fotos: Reitmeier

Die Wanderung solle dazu beitragen, die Beziehungen zwischen beiden Regionen auf persönlicher Ebene zu vertiefen. Versierter Begleiter beim Gipfeltreffen war natürlich Bürgermeister Markus Müller, zugleich stellvertretender Landrat und Geschäftsführer der Hohenbogenbahn. Auch Markus Meinke (Leiter der Stabsstelle der Europa-Region Donau-Moldau beim Bezirk Oberpfalz), die beiden Dolmetscherinnen Hana Pfalzová und Eliška Huršková sowie die Gattinnen von Bezirkstagspräsident Franz Löffler und Bürgermeister Müller waren mit dabei.

Seit 30 Jahren ein Miteinander


              Von der Veranda des Gasthauses Schönblick konnte die Besuchergruppe den Ausblick genießen. Fotos: Reitmeier
Von der Veranda des Gasthauses Schönblick konnte die Besuchergruppe den Ausblick genießen. Fotos: Reitmeier

Ein Beweis für das freundschaftliche Verhältnis seit dem Fall des Eisernen Vorhangs vor fast 30 Jahren sind die zahlreichen großen und kleinen Kooperationen, die entstanden sind. Neben regionalen Initiativen wie den Aktionsbündnissen oder der grenzüberschreitenden Vereinsarbeit sind hierbei vor allem die Regionalkooperation Oberpfalz-Pilsen und die Zusammenarbeit im Rahmen der Europaregion Donau-Moldau von Bedeutung. Das Gipfeltreffen, an dem erstmals auch Regierungspräsident Axel Bartelt teilnahm, bot auch die Möglichkeit, sich über die weitere Ausrichtung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit abzustimmen. Themen waren dabei die Kooperationen im Sicherheits- und Rettungswesen sowie in der kulturellen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit, die künftige Ausgestaltung der Regionalkooperation und die Weiterentwicklung der Europaregion in Richtung eines Europäischen Verbundes für Territoriale Zusammenarbeit (EVTZ). Ein EVTZ, so wurde herausgestellt, würde der Europaregion eine eigene Rechtspersönlichkeit verleihen und im Hinblick auf die Zusammenarbeit zwischen der Oberpfalz und Pilsen neue Handlungsspielräume eröffnen und die bestehende Zusammenarbeit weiter vertiefen.

Bürgermeister Markus Müller (M.) erzählte von seiner Heimatgemeinde Neukirchen. Fotos: Reitmeier
Bürgermeister Markus Müller (M.) erzählte von seiner Heimatgemeinde Neukirchen. Fotos: Reitmeier

Bei der Wanderung wurden aber auch die Meinungen über die Landespolitik in Bayern sowie die Bundespolitik auf der deutschen Seite sowie in Tschechien ausgetauscht. Begonnen hatte alles mit einer Fahrt zur Bergstation. Dort angekommen, nutzte Bürgermeister Markus Müller die Möglichkeit, um seine Marktgemeinde darzustellen. Dabei verwies er auf die Neukirchener Wallfahrt, die von Anfang an in einer besonderen Beziehung zu Böhmen stand. Im Jahre 1420 habe eine fromme Bauersfrau das jetzige Neukirchener Gnadenbild vor den Hussiten vom böhmischen Loucim nach Neukirchen b. Hl. Blut gerettet. Somit stehe das 600. Jubiläum der zweitgrößten Marien-Wallfahrt in Bayern bevor. Mit Stolz verwies Müller unter anderem darauf, dass Neukirchen b. Hl. Blut jährlich mit rund 250000 Übernachtungen aufwarten könne.

Nach einem kurzen Spaziergang war bei der ehemaligen NATO-Anlage eine Brotzeit-Station im Freien vorbereitet, bei der Salzweckerln, Brezen und Würstel sowie Getränke zu einer ersten Stärkung angeboten wurden. Frisch gestärkt wurde über die Außentreppe die Aussichtsplattform auf den früher von der Bundeswehr genutzten NATO-Turm erreicht.

Herzlicher Abschied

ezirkstagspräsident Franz Löffler bei der rasanten Talfahrt mit der Sommerrodelbahn.  Fotos: Reitmeier
ezirkstagspräsident Franz Löffler bei der rasanten Talfahrt mit der Sommerrodelbahn. Fotos: Reitmeier

Anschließend wurde eine Wanderung zum Gasthaus Schönblick unternommen, wo Thomas Schmidberger die Delegation begrüßte. Nach dem Mittagessen entführte Schmidberger die Gäste noch in die Hochzeits-Suite. Begleitet von Markus Müller marschierten der Hejtman, und Löffler danach zur Mittelstation, um von dort noch eine rasante Fahrt mit der Sommerrodelbahn zur Talstation zu unternehmen. Als der Augenblick des Abschieds dann gekommen war, gestand Hejtman Josef Bernard: „Es war ein schöner Tag, und es war sehr gut“. Und weiter bemerkte er scherzhaft: „Ich könnte mich an die bayerischen Wanderungen gewöhnen.“ Der Abschied verlief wie die Begrüßung: Sehr herzlich, eben wie unter den besten Freunden so üblich.

Und so besteht die Hoffnung, dass es auch im kommenden Jahr wieder ein Gipfeltreffen geben wird.

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