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Wilderei

Junger Turmfalke kämpft um sein Leben

Der Greifvogel wurde in Pemfling mit einem Luftgewehr angeschossen und kommt nun zur Greifvogelstation in Regenstauf.
Von Christoph Klöckner

Dort, wo der Finger von Markus Schmidberger hinzeigt und aus dem Gefieder etwas rausschaut, ist die Luftgewehrkugel eingedrungen.
Dort, wo der Finger von Markus Schmidberger hinzeigt und aus dem Gefieder etwas rausschaut, ist die Luftgewehrkugel eingedrungen. Foto: ck

Pemfling.Was treibt solch einen Schützen an? Markus Schmidberger, Geschäftsführer des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) im Landkreis Cham, versteht so etwas nicht. Ist es jugendlicher Übermut, auf einen Turmfalken anzulegen? Oder einfach Blödheit, einen Sperber nicht von einem Falken unterscheiden zu können? In jedem Fall leidet das Opfer unter der Tat und hat das verloren, was es ausmacht: die Flugfähigkeit. Für den Turmfalken geht es nun ums Leben.

Entweder wird die zylinderförmige Diabolo-Kugel in seinem Körper von den Muskeln umschlossen und das Jungtier findet noch einmal einen Weg, um in die Luft zu steigen und zu fliegen. Falls es an der Kugel liege, dass er nicht mehr fliegt, und es ihm noch schlechter gehe, werde er operiert, sagt Schmidberger. Erhole sich der Vogel nicht, werde weiter schwächer und überwinde die Auswirkungen der menschlichen Jagdattacke nicht – „dann tritt der schlechteste Fall ein, dann müssen wir ihn einschläfern“, sagt der LBV-Mann.

Am Montag wurde der flugunfähige Turmfalke im Gemeindegebiet Pemfling in der Nähe eines Ortsteils gefunden und beim Jagdpächter abgegeben. Dessen Tochter habe sich um das Tier gekümmert, der Fund sei bei der Polizei angezeigt und der Vogel dem LBV übergeben worden. Die Zusammenarbeit habe gut geklappt, so Schmidberger. Der LBV hat in Regenstauf eine eigene Greifvogel-Station, die verwundete oder geschwächte Tiere aufpäppelt und wieder auswildert, wenn der Zustand der Tiere es zulässt.

Der junge Turmfalke, der erst in diesem Sommer zur Welt gekommen ist und unberingt war, sei kostenlos bei der Chamer Tierärztin Dr. Martina Löffelmann in Cham untersucht worden, wofür man dankbar sei, betont Schmidbauer. Dort sei der Turmfalke geröntgt worden. Dabei habe die Ärztin das Projektil in der Brust des Vogels entdeckt, nach dem Aussehen eine Luftgewehr-Kugel.

Das Röntgenbild offenbart das Vogel-Desaster: die Kugel ist deutlich unterhalb des Halses zu erkennen und steckt im Brustmuskel.
Das Röntgenbild offenbart das Vogel-Desaster: die Kugel ist deutlich unterhalb des Halses zu erkennen und steckt im Brustmuskel. Foto: ck

Unverständlich sei eine solche Tat auch, weil Turmfalken keinem etwas zuleide tun würden. Sie würden weder Hühner stehlen, noch Tauben schlagen. Stattdessen ernähre sich der Greifvogel von Mäusen, Insekten und Kleinvögeln – und sei eher ein Helfer der Landwirtschaft. Deshalb tippt Schmidberger hier auf die Tat eines Jugendlichen, der sein Luftgewehr am lebenden Ziel ausprobieren wollte. In jedem Fall sei dies Jagdwilderei und eine erhebliche Straftat. Der Vogel stehe das ganze Jahr über unter Schutz.

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