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Extrem-Radfahren

In 100 Stunden 2200 Kilometer im Sattel

Rainer Steinberger startet beim Race Around Austria. Er wird die nächsten Tage nonstop im Sattel sitzen.
Von Thomas Mühlbauer

Rainer Steinberger steht mit dem Race Around Austria vor der nächsten Herausforderung. Am 14. August fällt in St. Georgen der Startschuss.
Rainer Steinberger steht mit dem Race Around Austria vor der nächsten Herausforderung. Am 14. August fällt in St. Georgen der Startschuss.

Cham.Einmal mit dem Auto die Alpenrepublik Österreich entlang ihrer Grenzen zu umrunden, auf 2200 Kilometer das Alpenpanorama zu genießen, den ein oder anderen Halt einlegen, wenn einem die Gegend besonders anspricht –das könnte durchaus ein reizvoller Plan für den nächsten Urlaub sein. Der Pösinger Rainer Steinberger setzt diesen Plan ab 14. August um. Allerdings nicht als Urlauber, und schon gar nicht im Auto. Er startet vielmehr beim Race Around Austria und wird die Strecke nonstop mit dem Rennrad zurücklegen.

Steinberger zählt zu den besten Ultracyclern in Deutschland und darüber hinaus. An jedem Start des Extrem-Radfahrers wartet eine neue Herausforderung. Der zweifache Familienvater übt sich vor seinem nächsten Rennen in Demut: „Ich bin noch nie so eine lange Distanz gefahren“, sagt er. Bislang waren Strecken bis 1000 Kilometer sein Metier. So denkt er in erster Linie nicht an eine Platzierung in Österreich. „Zuerst gilt es, ins Ziel zu kommen. Mal sehen, was möglich ist“, soll das Rennen allerdings auch kein Ausflug werden.

Am 13. August ist Anreisetag

Der Pösinger steckt mitten in den Renn-Vorbereitungen, am Montag wird er sich mit den ersten drei Betreuern auf den Weg nach Österreich machen, die weiteren fünf Betreuer werden am 14. August folgen. An den Start gehen wird Rainer Steinberger am Dienstagabend um 20.30 Uhr. Der Veranstalter hat sich entschieden, die Ultracycler in zwei Blöcken ins Rennen zu schicken. Die erste Startgruppe macht sich am Dienstagvormittag auf den Weg.

Lesen Sie hier wie der Extrem-Radfahrer beim 24-Stunden-Rennen am Nürnburgring eine neue Bestzeit aufstellt

Steinbergers Trainingsprogramm verlief nahezu reibungslos: „Ich habe versucht, zum Schluss viele knackige Einheiten zu absolvieren, die große Vorbereitung ist nun abgeschlossen, nun gilt es, gut zu regenerieren, denn die letzten beiden Wochen waren sehr hart.“ – Und das nicht nur wegen der Hitze. So fuhr Steinberger im Rahmen der Vorbereitung das 24-Stunden-Rennen in Kelheim in einer Teamstaffel, auch beim Arber Radmarathon war er dabei. Zunächst absolvierte er die 250- Kilometer-Strecke und dann noch die 100-Kilometer-Strecke.

Acht Betreuer unterstützen Steinberger in Österreich. Foto: Steinberger
Acht Betreuer unterstützen Steinberger in Österreich. Foto: Steinberger

Wie geht er ein Rennen mit einer Distanz von 2200 Kilometern und 30 000 Höhenmetern an? Einen Matchplan gibt es dazu nicht, sagt der Pösinger. Er verlässt sich auf sein Gefühl. „Ich werde vermutlich ein paar Körner zurückhalten und nicht zu frech angehen“, sagt er. Steinberger weiß, am Anfang könne man das Rennen nicht gewinnen, eher verlieren. Bei so einem langen Radrennen spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Unter anderem auch die Frage nach den Schlafzeiten. Steinbergers Plan sieht (noch) so aus: „Ich möchte versuchen, zwei Nächte und zwei Tage durchzufahren, einen Schlafplan gibt es nicht. Absteigen will ich eigentlich erst dann, wenn ich überhaupt nicht mehr kann und schon am Rad halb einschlafe.“ Länger als 20 bis 30 Minuten am Tag soll die Ruhephase nicht dauern. „Das Schwierigste wird sein, dass die Betreuer mich wieder wach bekommen, weil wenn ich schlafe, dann schlafe ich.“

Zweimal der Glocknerman

Wichtig sei auch die mentale Vorbereitung auf das Rennen. Rainer Steinberger rechnet nicht mit den kompletten 2200 Kilometern, sondern in zwei Etappen: „Das ist, wenn man es so sehen will, zweimal der Glocknerman, von der Distanz und von den Höhenmetern“, sagt er. Auf den ersten 200 Kilometern gilt es, gut ins Rennen zu kommen. Schwierig könnte sein, dass der Pösinger direkt in die erste Nacht hineinfahren muss. Die ersten 900 Kilometer verlaufen „noch relativ flach“, interessant werde das Rennen in der zweiten Hälfte, in der die Fahrer in den bekannten österreichischen Skigebieten ankommen. Die erste ganz große Spitze wartet nach 900 Kilometern, dann sind 1000 Höhenmeter auf 33 Kilometern zu überwinden.

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Steinberger kommentierte diese Herausforderung mit einem lockeren Spruch: „Ich denke mir immer, wenn es bergauf geht, geht es auf der anderen Seite auch wieder bergab.“ In der zweiten Rennhälfte warten nicht weniger als zehn große Berge, unter anderem der Großglockner. Über Innsbruck, Kühtai, die Hochalpenstraße bis nach Kufstein geht es zum Start- und Zielort St. Georgen im Attergau zurück.

Welches Ziel setzt er sich eigentlich? – „Ich möchte gerne bei circa 100 Stunden ins Ziel kommen.“ Der Rekord liege bei 90 Stunden. Und ein wenig klingt durch, dass ein Treppchenplatz schon ganz schön wäre.

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