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Extrem-Radsport

Steinberger bricht Ultracycling-Race ab

Bittere Enttäuschung – Rainer Steinberger kam beim Race Around Austria nicht ins Ziel. Er stieg nach 1700 Kilometern aus.
Von Frank Betthausen

Rainer Steinberger versuchte alles – auch noch einmal mit einem Sockenwechsel. Doch es half alles nichts (hinten Korbinian Lankes, einer seiner Betreuer) Foto: bf
Rainer Steinberger versuchte alles – auch noch einmal mit einem Sockenwechsel. Doch es half alles nichts (hinten Korbinian Lankes, einer seiner Betreuer) Foto: bf

Pösing.Er hat alles riskiert, lag lange auf Siegkurs und hat am Ende eine bittere Enttäuschung hinnehmen müssen: Der Pösinger Extremradfahrer Rainer Steinberger ist beim Race Around Austria, dem härtesten Radrennen Europas, am Freitagabend nach etwa 1700 Kilometern ausgestiegen – rund 500 Kilometer vor dem Ziel in St. Georgen im Attergau.

Bis dahin hatte der 42-Jährige auf dem Rundkurs um Österreich in Führung gelegen und den Streckenrekord angepeilt. Auf dem langen Passanstieg zum Faschinajoch in Vorarlberg verließen den Leistungssportler nach knapp 70 Stunden auf dem Sattel die Kräfte. Er musste den Strapazen, der Hitze und seiner Rennstrategie Tribut zollen.

Psychische Talfahrt

Der Pösinger hatte versucht, den Wettbewerb ohne Schlaf zu meistern. Nach dem Start am Dienstag um 20.30 Uhr (ebenfalls im oberösterreichischen St. Georgen) hatte er sich am Freitag erstmals für 15 Minuten am Straßenrand schlafen gelegt.

„Mich hat es psychisch in ein Loch gerissen. Ich wusste phasenweise nicht mehr, wie mein Name ist. Da habe ich mir gesagt: Das ist jetzt kein Sport mehr“, sagte der 42-Jährige im Interview mit unserem Medienhaus. Der Pösinger hatte sich am Faschinajoch mit dem Team seines Begleitfahrzeugs beratschlagt. Kurze Zeit hatte es so ausgesehen, als könnte er auf die rund 2200 Kilometer lange Strecke (30 000 Höhenmeter) zurückkehren.

Lesen Sie hier den Rückblick auf Steinbergers Renntage im Blog

Steinberger wollte sich im ebenfalls mitgeführten Wohnmobil ausruhen, um noch einmal einen Angriff auf den bis dahin zweitplatzierten Oberammergauer Markus Hager und den auf Rang drei fahrenden Österreicher Patric Grüner zu starten, die ihn nach seinem Einbruch beide überholt hatten.

„Shit happens“

Doch nach einer ausgiebigen Essenspause entschied sich der Ultracycler, der mit seiner Leistung selbst erfahrene Teammitglieder beeindruckt hatte, um. „Ich kann im Moment nicht mehr hinter der Sache stehen“, sagte er sich an der Strecke und informierte telefonisch die Rennleitung über seinen Ausstieg.

Nach sieben Stunden Schlaf war Steinberger am Samstag nach eigenen Angaben wieder Herr seiner Gedanken. „Shit happens“, meinte er. „Ich würde alles wieder genau so machen, nur im rechten Moment würde ich mir mehr Schlaf gönnen.“

Der spätere Sieger Patric Grüner munterte seinen Radsport-Kollegen im Ziel auf. „Schwamm drüber, aufstehen, Mund abwischen“, lautete sein Appell an den Oberpfälzer. „So, wie ich ihn kenne, wird er schnell stark wieder zurückkommen.“

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