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Zusammenarbeit

Regional geht in Cham über Grenzen

Ein weiteres, von der EU gefördertes Projekt der EU soll den bayerisch-böhmischen Grenzraum attraktiver machen.
Von Christoph Klöckner

Das Ziel ist klar: Die Region beiseits der Grenze soll mit dem neuen Projekt gewinnen. Foto: Klöckner
Das Ziel ist klar: Die Region beiseits der Grenze soll mit dem neuen Projekt gewinnen. Foto: Klöckner

Cham.Es geht um eine Identität, um etwas, das nur hier in unserer Grenzregion zu finden ist – jedoch ohne Grenzen damit zu verbinden. Ein Alleinstellungsmerkmal, das sowohl von den Landkreisbürgern wie auch von den tschechischen Nachbarn als Gewinn gesehen wird. Das sei nicht einfach, so am Freitag Landrat Franz Löffler. Doch er ist optimistisch, wie auch die anderen Teilnehmer, am neuen Projekt einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, das am Freitag im Amt Ernährung, Landwirtschaft und Forsten vorgestellt wurde.

Dort laufen die Fäden zusammen, um den bayerisch-böhmisch Raum, im Speziellen den Landkreis Cham und den Bereich Klattau enger zusammenzubringen. Das Thema heißt etwas sperrig „Nachhaltige Entwicklung im tschechisch-bayerischen Grenzgebiet“. Letztlich soll es die Menschen der Region und die Gäste, die hier Urlaub machen, begeistern.

Konzept fürs Projekt

Tourismus und Landwirtschaft beiseits der Grenze stärker zusammenbringen – das ist ein Ziel der Beteiligten des Projekts, das am Freitag mit Landrat Franz Löffler (4. v. re.) und Andreas Brunner vom Hotel- und Gaststättenverband (li.) vorgestellt wurde.Foto: Klöckner
Tourismus und Landwirtschaft beiseits der Grenze stärker zusammenbringen – das ist ein Ziel der Beteiligten des Projekts, das am Freitag mit Landrat Franz Löffler (4. v. re.) und Andreas Brunner vom Hotel- und Gaststättenverband (li.) vorgestellt wurde.Foto: Klöckner

236.000 Euro gebe es für das Gesamtprojekt, so Renate Schedlbauer vom Landwirtschaftsamt. Für den Landkreis stehe eine Summe von 120000 Euro zur Verfügung. Dafür haben sich die Projektbeteiligten aus Cham ein Büro aus München geleistet, das für die deutsche Seite ein Konzept fürs Projekt entwirft. Vor allem das Thema Tourismus haben die Fachleute von „Kohl und Partner“ dabei im Blick, wie die Geschäftsführerin der Firma, Elisabeth Hiltermann, erläutert. Mit 3,3 Millionen Übernachtungen hier wie auf der anderen Grenzseite habe man ein „Pfund“ in der Hand, so die Tourismus-Fachfrau. „Man muss die regionalen Produkte stärker ins Schaufenster stellen“, betonte sie. Man wolle ein Marketingkonzept für den Raum Cham/Pilsen entwerfen, um den Tourismus nachhaltig zu fördern. Die Analyse dafür behandele Stärken und Schwächen der Region, um daraus die richtigen Schlüsse für eine stärkere Profilierung des Raums für den Wettbewerb zu ziehen. Gerade das Thema Regionalität sei heute ein „Treiber“ im Tourismus – hier wie in Tschechien.

Ziel sei es, regionale bäuerliche Produkte, Traditionen und Veranstaltungen stärker herauszustellen und ein grenzübergreifendes Netzwerk aus Landwirtschaft, Gastronomie und Tourismus aus Bayern und Böhmen zu schaffen. Indem die Bedeutung der Landwirtschaft für die Bevölkerung beidseits der Grenze herausgehoben werde, sollten Synergieeffekte für den Tourismus genutzt werden. Dabei soll das Gemeinsame wie die bäuerlich geprägte Kulturlandschaft und die hohe Lebens- und Urlaubsqualität betont werden. Etwa, indem regionale Produkte auf den Speisekarten der hiesigen Gastronomie noch heimischer werden. Das funktioniere aber nur, so Landrat Franz Löffler, wenn man die Menschen der Region mitnehme. Nur, wenn diese selbst von den hiesigen Produkten überzeugt seien, könne sich ein Mehrwert für den Tourismus entwickeln. Bereits seit der Grenzöffnung arbeite man an einem Zusammenwachsen und habe Erfolge. Tagtäglich kämen 3300 Arbeitnehmer aus Tschechien in den Landkreis Cham, so viel wie nirgendwo sonst. 50 Chamer Firmen hätten hinter der Grenze Filialen. „Wir vertrauen uns gegenseitig“, sagt Löffler zu den Beziehungen zwischen den Nachbarn – dass sei für die Regionalentwicklung das Wichtigste. Wobei die Sprache weiterhin eine Hürde bilde.

Das ETZ-Programm

  • Strukturförderung

    Die Europäische Territoriale Zusammenarbeit (ETZ) ist ein Ziel im Rahmen der EU-Strukturförderung, das aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) finanziert wird.

  • Drei Stränge

    Sie ist gegliedert in drei Stränge: in die grenzübergreifende Zusammenarbeit, in die transnationale Zusammenarbeit und die interregionale Zusammenarbeit in der Förderperiode von 2014 bis 2020.

  • Förderung

    Die Europäische Union stellt für alle ETZ-Programme 8,9 Milliarden Euro zur Verfügung. 6,6 Milliarden Euro fließen hiervon in die grenzübergreifenden Zusammenarbeit. Für die Umsetzung grenzübergreifender Projekte zwischen dem Freistaat Bayern und der Tschechischen Republik stehen in der Förderperiode 2014 bis 2020 Fördermittel in Höhe von 103,4 Millionen Euro aus dem EU-Topf zur Verfügung.

Wo kommt die Butter her?

Dass etwa am Frühstückstisch im Hotel nicht die Butter von Unternehmen aus der Region genutzt werde, das habe man im Blick und sei Realität, gibt Löffler ein Beispiel: „Solche Entwicklungen im Lebensmittelsektor wollen wir durchbrechen.“ Die eigenen Produkte vor der Haustüre sollten den Menschen wieder mehr wert werden. „Da ist noch Luft nach oben!“, meint der Landrat. Die Identität einer Region werde für Gäste an der Sprache festgemacht und an dem, was man vor Ort konsumiere. Er sei gespannt, wie sich das herausfordernde Projekt entwickeln werde.

Landwirtschaftsdirektor Georg Mayer betont, dass man bereits viel Erfahrungen mit Projekten mit den tschechischen Partnern habe. Es sei bereits das fünfte aus dem EU-Fördertopf des ETZ-Programms. Ergebnisse dieser Förderung seien etwa der zweisprachige Schmankerlführer, die Landerlebnisreisen oder auch die Gründung des Vereins LandGenuss Bayerwald. Er sehe die Zusammenarbeit als Bereicherung für den Raum und auch als Besonderheit des Grenzgebiets, die eine Chance biete. Andreas Brunner vom Hotel- und Gaststättenverband stimmt dem zu. Beim Wohlfühlen spiele das Essen ein gewichtige Rolle. Der Gast sei dankbar, wenn man ihm sagen könne, was woher komme. Damit biete man Qualität, womit man punkten könne. Dafür zahle der Gast dann auch gerne den entsprechenden Preis.

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