MyMz
Anzeige

Beruf

Am Bauhof steht Frau ihren Mann

Die Arbeit als Hauswirtschafterin hat Michaela Greisinger aufgegeben. Heute zeigt sie Männern, was echte Frauen-Power ist.
Von Isabell Dachs

  • Reinhold Berzl bespricht mit seiner Mitarbeiterin, welche Arbeiten den Tag über erledigt werden müssen.Foto: Isabell Dachs
  • Michaela Greisinger rückt bei ihrer Arbeit auch wildem Wein zu Leibe. Foto: Isabell Dachs
  • Das gehört auch zu den Aufgaben: Extra zur Kirchweih an Michaeli wurde der Dorfplatz gesäubert und herausgeputzt. Foto: Isabell Dachs

Rimbach.Sie sind oft fleißige Helfer im Hintergrund, die dafür sorgen, dass der Abfall weggeräumt, Straßen und Wege instand gehalten oder wintersicher gemacht, und öffentliche Flächen gemäht werden. Die Rede ist von den Mitarbeitern der Bauhöfe, die zeitweise Tag und Nacht zur Verfügung stehen, um den Bürgern das Leben zu erleichtern. In der Regel werden die anfallenden Aufgaben, von „g’standenen Männern“ erledigt, denen der Umgang mit großen Maschinen und die oft harten körperlichen Arbeiten eher zugetraut werden.

Dennoch finden sich vereinzelt auch Frauen in diesem Job, die sich in der Männerdomäne oft erst behaupten müssen. Michaela Greisinger ist eine dieser Frauen, die im Bauhof in Rimbach „ihren Mann steht“. Ihr ist es etwas peinlich, dass sie deshalb in die Zeitung kommen soll. „Für mich ist das eigentlich ganz normal und nichts Besonderes“, erklärt die 38-Jährige.

Der Anfang war nicht leicht

Ihr Chef lobt die zierliche Frau als äußerst zuverlässig: „Die Micha macht bei uns alles, was anfällt, und teilweise sogar besser als andere!“ Gerade in der Anfangszeit hatte sie es aber nicht immer einfach. Als gelernte Hauswirtschafterin war sie mit einigen Aufgaben im Bauhof auch nicht vertraut, und musste sich erst einarbeiten. „Du musst dich immer beweisen und oft besser sein als die anderen, damit du akzeptiert wirst“, meint sie. „Aber die Leute hier haben sich mittlerweile damit abgefunden, dass ich als Frau hier arbeite.“ Überhaupt mache ihr die Arbeit mit und für Menschen viel Freude. Sie helfe immer gern, wenn es möglich sei.

Ihr Arbeitstag beginnt schon kurz nach sechs Uhr, wenn sie sich von ihrem Wohnhaus in Thenried, das sie zusammen mit ihrem Mann und ihrer 20-jährigen Tochter bewohnt, zu Fuß auf den Weg zur Arbeit macht. Unterwegs sammelt sie bereits achtlos weggeworfenen Müll ein, leert Papierkörbe und schaut allgemein nach dem Rechten, bevor um sieben die eigentliche Arbeitszeit beginnt. Micha schwingt sich auf den gemeindeeigenen Lindner-Bulldog, um mit Hilfe ihres Vorgesetzten die stehen gebliebenen großen Elektrogeräte am Wertstoffhof per Frontlader gekonnt in die vorgesehenen Container zu bugsieren. Scheu vor dem Führen großer Maschinen hat sie keine. „Da heißt es nur, steig ein und fahr’ – und dann fahr’ ich halt“, meint sie lachend.

Flexibilität und Einsatz

Schnell wird klar, dass der Aufgabenbereich des Gemeindebauhofs sehr vielseitig ist und ein hohes Maß an Flexibilität und Einsatz erfordert. So erstrecken sich die Tätigkeiten über das ganze Jahr, zum Beispiel mit dem Winterdienst, Frostschäden ausbessern, Mähen des Friedhofs und anderer gemeindlicher Flächen. Ist das Pflanzenwachstum zu Ende, dann gilt es, Sträucher zurückzuschneiden und das Laub einzusammeln. Schneestangen stecken und Streukisten aufstellen gehört ebenso dazu, wie das Säubern von Gullys. „Das Anheben der Gullydeckel ist nicht leicht, aber wenn du es zehnmal gemacht hast, dann weißt du, wie du hinlangen musst“, weiß die quirlige Frau aus Erfahrung. Empfindlich sein dürfe man nicht bei dem, was zum Beispiel bei Gullysäuberungen oft zum Vorschein komme. Konfrontiert wird die Frau mit Abfällen verschiedenster Art, aber auch Ratten gehören dazu. „Ich bin aber vom Wertstoffhof her schon einiges gewöhnt, da wirft einem so leicht nichts um. Einmal habe ich bei einer Gullysäuberung fünf Euro gefunden, das hat mich richtig gefreut“, so erzählt sie. Die Freude an der für Frauen ungewöhnlichen Arbeit schreibt Micha ihrer Ordnungsliebe zu, die sie in ihrem Sternzeichen Jungfrau begründet sieht.

Sie sortiert einfach gern

Sie sortiere einfach wahnsinnig gern, erklärt sie. Ihre Familie stehe dabei voll hinter ihr, sei es im Job, oder bei ihren privaten Aktivitäten. So ist sie beispielsweise auch im Thenrieder Kapellenbauverein aktiv oder hat bei der letzten Gemeinderatswahl in Rimbach auf der Liste der Freien Wähler kandidiert. Mit der politischen Karriere ist es leider nichts geworden, umso mehr freut es sie, dass sie sich mit ihrer Arbeit zum Wohl des Dorfes einbringen kann.

Um Rimbach für seine Kirchweih an Michaeli vor kurzem vorzubereiten, rückte Micha auch dem wilden Wein am Dorfplatz zu Leibe. Der überwucherte bereits die Natursteinmauer und grub sich in jede Ritze. Keine leichte Aufgabe, zumal sich das Gewächs an der Mauer regelrecht festgekrallt hatte. Aber gegen die energische Frau hatte die widerspenstige Pflanze keine Chance. Ihre Freizeit gestaltet sie unter anderem mit Klettertouren, wozu auch Kraftsport von Nöten ist. Aber dank ihrer Arbeit kann sie sich den Besuch eines Fitnessstudios sparen. Für den privaten Gebrauch spaltet sie zu Hause das Holz gerne von Hand, wobei man der zierlichen Frau mit dem lila Haarschopf den Gebrauch der Axt auf den ersten Blick nicht zutrauen würde.

„Ich bin von Haus aus ein Typ, der Bewegung braucht und ich arbeite gerne im Freien“, erklärt sie. Probleme mit schlechter Witterung hat sie dabei keine, das sei alles eine Frage der passenden Kleidung. Krank war sie in den fünf Jahren nur einmal. Wo andere Mitarbeiter lieber das Fahrzeug benutzen, ist sie zu Fuß unterwegs: „Wenn ich gehen kann, dann gehe ich lieber. So entschleunigt kann ich besser sehen, welche Arbeiten gemacht werden müssen.“

Motorsägenkurs als Ziel

Auch beim Winterdienst gehört sie zum Bodenpersonal. In Ermangelung des Lastwagenführerscheins sorgt sie mit der Schneeschaufel per Hand dafür, dass Gehwege und Zugänge zu öffentlichen Gebäuden geräumt werden. Dabei arbeitet sie gerne ganz alleine. Deshalb ist eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen im Sommer auch das Mähen des Friedhofs. Das Aufhängen der Weihnachtssterne in der Adventszeit gehört ebenfalls zu ihren bevorzugten Tätigkeiten, „solange dir dabei die Finger nicht einfrieren“, meint sie schmunzelnd. Ihr nächstes Ziel ist ein Motorsägenkurs, den die Waldbauernvereinigung für Frauen anbietet. So wird sie die Bauhofmitarbeiter noch tatkräftiger unterstützen können, die hoffentlich bald in ihren noch im Bau befindlichen neuen Bauhof in Madersdorf umziehen können.

Ihr Weg in den Beruf

  • Hilfe:

    Seit 2009 arbeitet Micha, wie sie von ihren Kollegen nur genannt wird, an drei Tagen in der Woche im Wertstoffhof und hilft den Rimbachern bei deren Mülltrennung.

  • Einstellung:

    Als vor fünf Jahren ein Mitarbeiter im Bauhof gesucht wurde und sie ohnehin ihre Stunden aufstocken wollte, hat sie sich beworben und wurde auch prompt eingestellt.

  • Team:

    Seitdem unterstützt sie das fünfköpfige Bauhofteam an zwei Tagen in der Woche.

  • Chef:

    Leiter der Einrichtung ist Reinhold Berzl. (kid)

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht