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Premiere

„Boindl & Co.“ sind in Topform

„Der Brandner Kaspar und das ewig‘ Leben“ ist auch in der vierten Saison auf Burg Lichtenegg ein Theatererlebnis erster Güte.
Von Alois Dachs

Der Brandner Kaspar hat sich den Grasober gesichert, um dem Boindlkramer noch 14 Lebensjahre auf der Erde abzuringen. Foto: Christa Rabl-Dachs
Der Brandner Kaspar hat sich den Grasober gesichert, um dem Boindlkramer noch 14 Lebensjahre auf der Erde abzuringen. Foto: Christa Rabl-Dachs

Rimbach.Vier Jahre hintereinander „Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“, wird das nicht einfach langweilig? Der Begeisterungssturm, der am Samstagabend nach der (fast) trocken über die Bühne gebrachten Premiere im Burghof von Lichtenegg losbrach, ist wohl die beste Antwort auf diese Frage. Und als nach drei Stunden die Zuschauer ihre „Boindl“ wieder aufrecht stellten, um die wärmenden Decken zusammenzufalten, gab es sicher niemanden, der diesen Theaterabend als „Zeitverschwendung“ angesehen hätte.

Das Spiel um Schwirzer und Wildschützen, „giftende“ Weiber und buhlende Jünglinge ist nicht umsonst der bairische Theaterklassiker schlechthin. Ursprünglich von Franz von Kobell als „G`schicht vom Brandner Kaspar“ verfasst, brachte sie später nicht nur dem Münchner Regisseur und Autor Kurt Wilhelm in der in Rimbach gespielten Fassung Weltruhm. Eine Hauptrolle in diesem Stück zu spielen, ist der Ritterschlag für jeden bayerischen Schauspieler.

„Rimbacherisch“ gefärbt

Regisseur Johannes Reitmeier und die vielen Akteure hinter Bühne freuten sich mit den LiBu-Festspielern bei der vierten Premiere. Foto: Alois Dachs
Regisseur Johannes Reitmeier und die vielen Akteure hinter Bühne freuten sich mit den LiBu-Festspielern bei der vierten Premiere. Foto: Alois Dachs

Regisseur Johannes Reitmeier, der selbst vor Jahren beim Wintertheater einen legendären „Boindlkramer“ gab, schuf mit genialen Bühnenbauern eine Adaption des Volksstücks, die ganz bewusst Gegend und Dialekt in die Handlung einbaut und so ist der „Brandner Kaspar auf Lichtenegg“ ein waldlerisch geprägtes Theaterereignis bester Prägung. Es kommt nicht von ungefähr, dass Jahr für Jahr Theaterinteressierte um Karten Schlange stehen, denn wie dieses Stück umgesetzt wird, bringt ihm ein Alleinstellungsmerkmal - das kann kein Münchner!

„Ich habe es mir heuer zum dritten Mal angeschaut und es wird immer besser!“, begründete eine Zuschauerin am Samstag nach vielen „Vorhängen“ ihre Begeisterung für die tolle Premierenleistung. Tatsächlich ist das Stück auch im vierten Jahr weit davon entfernt, zur „einfach heruntergespielten Routine“ zu werden, ganz im Gegenteil! Die Begeisterung aller Akteure - vom kleinen Grundschulkind bis zum Brandner Kaspar, der auch in der Realität sein „Spielalter“ von 76 Jahren erreicht hat - ist von der ersten Minute an spürbar. Da wirkt niemand unkonzentriert, oder gar oberflächlich, Mimik, Gestik und Sprache sind stimmig und das ist eigentlich das Geheimnis.

Die besten Impressionen finden Sie hier:

Impressionen von der Premiere des Brandner Kaspars

„Wir werden oft gefragt, wie oft wir proben“, sagte LiBu-Vorsitzender Walter Kolbeck, in seiner „Manöverkritik“ nach dem Spiel, als im Palas der Burg mit Chili con Carne gefeiert wurde. „Samstag/Sonntag, Samstag/Sonntag, Haupt- und Generalprobe, das war‘s“, lüftete er das Geheimnis. Er machte aber auch deutlich, wie wichtig der Zusammenhalt im LiBu ist, der über Jahrzehnte und mit vielseitigen Inszenierungen aufgebaut wurde. Diesen Zusammenhalt sollte sich die junge Generation als Vorbild nehmen, denn auch der „Brandner“ müsse einmal abtreten von der Bühne und schließlich auch von der Welt, gab der unermüdliche „Motor“ des Lichtenegger Bundes zu bedenken. So wichtig der Zusammenhalt und die Nachwuchsarbeit sind, Basis des Erfolges sei nach wie vor die Regiearbeit von Johannes Reitmeier, sagte Walter Kolbeck, ehe er sich mit einem Gutschein bei „unserem Johannes“ bedankte.

Wer bei Theaterbesuchen in Innsbruck einmal erlebt habe, was Reitmeier dort als Intendant des Tiroler Landestheaters auf die Beine gestellt hat, werde schnell erkennen, dass die Arbeit des Regisseur für den LiBu einfach eine Herzensangelegenheit ist. „Du hast uns von der ersten Stunde an wie Profis behandelt“, lobte Walter Kolbeck die gute Zusammenarbeit, die vielfach Früchte trägt.

Ein Netzwerk namens LiBu

Zum 75. Geburtstag freut sich der Brandner über einen neuen Stutzen. Foto: Christa Rabl-Dachs
Zum 75. Geburtstag freut sich der Brandner über einen neuen Stutzen. Foto: Christa Rabl-Dachs

Beim Ringen um zusätzliche Lebensjahre, obwohl „es aufgesetzet ist“, wann der Boindlkramer einen Kandidaten abzuholen hat, ist der Himmel, wie ihn sich selbst Bayern nicht prächtiger vorstellen könnten, letztlich ein unwiderstehliches Lockmittel. Wie er ausgestaltet ist und mit wieviel weltlicher Nonchalance die „oberen Instanzen“ letztlich die armen Sünder behandeln, das ist in Lichtenegg wahrhaft meisterlich umgesetzt. Vom schusseligen Zeremonienmeister, der ständig sein Flammenschwert vergisst, bis zu den Karten spielenden Engeln stimmt hier einfach alles. Dass der Umbau vom Irdischen zum Himmel der Bayern Dank Routine schon in zehn Minuten bewältigt ist, zeigt die Professionalität von Kulissenbauern und „Kulissenschiebern“.

Ein wenig Bedauern war am Samstag doch darüber spürbar, dass die glanzvolle Premiere darunter litt, dass Schirmherr Hans-Jürgen Buchner bereits in der Pause mit seiner Frau die Heimfahrt nach Haindling antrat. So entgingen ihnen die stimmungsvollen „Himmelsszenen“, den Akteuren fehlte aber letztlich ein Lob des Schirmherrn, das sie sich wirklich redlich verdient hätten. Der Beifall ist schließlich das Brot des Künstlers, meinten einige.

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