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Tagung

„Der reinste Urlaub“ ist das Ziel

Das Ziel des Vereins Bio Hotels ist es, mehr Ökologie und hochwertige, regionale Küche in die Gastronomie zu bringen.
Von Fred Wutz

Hotelier Ulrich N. Brandl (l.) gratulierte der neuen Bio-Hotels-Vorstandschaft, welche künftig Carola Petrone (r.) führt. Ludwig Gruber (4. v.r.) fungiert darin als Marketing-Geschäftsführer.
Hotelier Ulrich N. Brandl (l.) gratulierte der neuen Bio-Hotels-Vorstandschaft, welche künftig Carola Petrone (r.) führt. Ludwig Gruber (4. v.r.) fungiert darin als Marketing-Geschäftsführer. Foto: Ulrichshof

Rimbach.Sichtlich entspannt erlebten rund 100 Tagungsteilnehmer die jährliche Mitgliederversammlung des Vereins Bio Hotels. Die Zusammenkunft fand kürzlich in Zettisch im Baby & Kinder Bio-Resort Ulrichshof statt. Hauptzweck der Tagung war, für den Verein eine neue (ehrenamtliche) Vorstandschaft zu wählen.

Bio Hotels wird künftig von Carola Petrone geführt, die als „Obfrau“ neu ins Amt kam und die Glückwünsche von Ulrich N. Brandl (er ist Inhaber des Ulrichshofes und Präsident im Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband) entgegennehmen konnte. Petrone löste Hans Reichl ab, der zuvor „Obmann“ war.

Eindeutige Prinzipien

Der Ulrichshof bot ein kontrastreiches und reizvolles Ambiente für die Vereinstagung.
Der Ulrichshof bot ein kontrastreiches und reizvolles Ambiente für die Vereinstagung. Foto: wu

Gegründet wurde Bio Hotels 2001 in Österreich, ist auch jetzt noch dort beheimatet. Das erklärt die (für Nichtösterreicher) ungewöhnliche Amtsbezeichnung des Vorsitzenden. Der anfänglichen Initiative von Mitbegründer Ludwig Gruber ist der Verein noch immer unmittelbar verbunden, eindeutig erkennbar an den Prinzipien, die von den Mitglieder-Hotels einzuhalten sind. Anspruch des Vereins ist beispielsweise „der reinste Urlaub – mehr Ökologie und hochwertige, regionale Küche in die Gastronomie“ und Hotellerie zu bringen.

Grundsätzlich stammen die in einem Bio-Hotel verwendeten Produkte aus zertifizierter, biologischer Landwirtschaft. Die Verarbeitung unterliegt der lückenlosen Bio-Kontrolle von der Erzeugung bis zum Verzehr. Regionale Produkte, insbesondere in Bioland-Qualität, werden bevorzugt. Die Speisen werden handwerklich und natürlich zubereitet. Alle Bio-Hotels bieten darüber hinaus zumindest ein vegetarisches Menü an.

„Kein zahnloser Tiger“

Hotel-Ausstattung im Detail – gänzlich auf Bio ausgerichtet –wurde den Tagungsteilnehmern vorgestellt.
Hotel-Ausstattung im Detail – gänzlich auf Bio ausgerichtet –wurde den Tagungsteilnehmern vorgestellt. Foto: wu

Nach außen zeigen das die Bio-Hotels durch das Güte-Label ehc („eco hotels certified“). „Das ist kein zahnloser Tiger“, versichert Sylvia Raabe, die Pressesprecherin des Vereins, „das Zertifikat beruht auf EU-Vorschriften und privatrechtlichen Richtlinien. Und unsere Mitglieder haben sich daran zu halten.“ Die Bio-Standards betreffen nach ihren Worten die Verwendung von 100-Prozent-Bio-Lebensmitteln und -Produkten in den Restaurants, Energiestandards, Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit, die Verwendung von Bio-Kosmetik und natürlichen Reinigungsmitteln, Einkauf von Öko-Strom und Papier aus Recycling bzw. nachhaltiger Waldwirtschaft. Wer dagegen verstößt, verliert das Label.

Die Tagung in Zettisch

  • Produktschau

    Die Jahrestagung mit Neuwahl des Vorstands führte der Verein „Bio Hotels“ in Zettisch durch. Begleitet wurde sie von einer Produktschau.

  • Ort

    Veranstaltungsort war das Baby & Kinder Bio-Resort Ulrichshof; Inhaber Ulrich N. Brandl ist Vereinsmitglied und freute sich über die Wahl des Ortes.

  • Vorstandschaft

    Die neue Vorstandschaft besteht aus Obfrau Carola Petrone (Hotel Il Plonner), stv. Obmann Stefan Hütter (biorefugium theiner‘s garten), Marketing-Geschäftsführer Ludwig Gruber, Kassier Klaus Kessler (Naturhotel Chesa Valisa), Schriftführerin Bianca Meyer (Berghotel Ifenblick) sowie den Beisitzern Jörg Treichel (Flux-Biohotel) und Annegret Coordes (Haus AnNatur).

  • Zusammenschluss

    Bio Hotels ist ein Zusammenschluss von rund 100 Hotels; die meisten befinden sich in Deutschland, Österreich, und Italien, vereinzelt in der Schweiz, Spanien, Slowenien, Frankreich und Griechenland. (wu)

Drei Produkte dürfen in jedem Mitgliedsbetrieb „aus der Reihe tanzen“ – müssen aber vorher genehmigt werden. Die Aufsicht darüber wird für den Verein übrigens von staatlich zugelassenen Kontrollstellen geführt. Die Tagung hatte übrigens auch den Zweck, eine Neuausrichtung des Vereins zu diskutieren. Baubiologie war mit im Gespräch – ein Thema, welches das Gastgeber-Hotel Ulrichshof bereits umgesetzt hat.

„Bio“ – nicht um jeden Preis

Für Ulrich N. Brandl und seinen Ulrichshof ist „Bio“ seit Jahren eine grundsätzliche Sache. „Eigentlich ist das seit 1992 unsere Devise“, verrät der Inhaber des „Baby & Kinder Bio-Resort Ulrichshof“ und Präsident des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes, „und ganz genau genommen haben wir konsequent seit 1995 eine eigene Küche.“

Frucht und Saft: Wahrlich bunt war das Angebot in der Produktschau der Bio-Hotels-Tagung.
Frucht und Saft: Wahrlich bunt war das Angebot in der Produktschau der Bio-Hotels-Tagung. Foto: wu

Milchunverträglichkeit ist für Brandl „eine der einfacheren Nummern“ bei Ernährungsproblemen, wobei aber die Konfrontation damit im Hotelbetrieb mit Kindern einer der Auslöser war, um hier Schritte zu unternehmen. Er kontaktiere einen Oecotrophologen, schnell war klar, dass 70 Prozent der Probleme mit Ernährung zu tun haben – und damit war für Ulrich N. Brandl sein Ansatz klar. „Regionalität und ortsnaher Bezug“, mittlerweile auch das Stichwort „Gesamtenergiebilanz“ nahm der Hotelier als wesentliche Vorgaben hinzu.

„Nüchterner Betrachter der Bio-Szene

Sich selbst bezeichnet der Hotelier Ulrich N. Brandl als „überzeugten, aber eher nüchternen Betrachter der Bio-Szene“. Die Grundsätze des Vereins Bio Hotels setzt er nach besten Kräften um, aber nicht bedingungslos. Ein Beispiel ist für ihn das Getränk Caipirinha. Es müsste in der Bio-Variante konsequenterweise mit dem weißen Rum Cachaca in der Bio-Ausführung gemixt werden – und hier setzt die Skepsis des Ulrich N. Brandl ein. 12 Euro würde so ein Caipirinha mindestens kosten, und selbst wenn der Gast das zahle, frage er sich, ob dieser teuere Rum beschafft werden müsse, um das Getränk so auf der Karte zu haben. Völlig anders sei dies etwa bei Bio-Wein, so Brandl. Da sei es keine Schwierigkeit, diesen Anspruch zu erfüllen. Wo es aber nur um das Siegel „Bio“ gehe, müsse man auch Nein sagen können.

Was sein „Baby & Kinder Bio-Resort Ulrichshof“ betrifft, hat der Hotelier Ulrich N. Brandl in den letzten Monaten viel bewegt und neu errichtet. Die Vorgabe „Bio“ stand dabei obenan. Holz, Glas, Stein und – nicht zu vermeiden – Beton wurden in der Hauptsache verbaut. Die im Innenbereich verwendeten Wandfarben sind zu 100 Prozent aus Naturmaterial. Die Ausstattung des Hauses – Mobiliar und Bodenbeläge, besondere Stoffe mit Schwerpunkt Waschbarkeit – ist entsprechend. Die im Hotel verwendeten Reinigungsmittel sind absolut tensidfrei, berichtet Brandl; seltene Ausnahmen gibt es nur für spezielle Reinigungen bei Pool und Schwimmbad. „Wir haben damit insgesamt relativ gute Erfahrungen gemacht“, so Brandl, „es sind wohl Kosten mit diesem Anspruch verbunden, aber die Gäste honorieren es, und das ist letztlich entscheidend.“

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