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350 Jahre Rodinger Schützen

Die Entwicklung der Schützengesellschaft 1670 lässt sich lückenlos nachweisen. Sie hat einen festen Platz im Vereinsleben.
Von Jakob Moro

Auf diesem Gelände am Esper war die Schießanlage der Feuerschützengesellschaft – früher standen dort viele dicken Bäume.  Fotos: Moro
Auf diesem Gelände am Esper war die Schießanlage der Feuerschützengesellschaft – früher standen dort viele dicken Bäume. Fotos: Moro

Roding.350 Jahre Schützengesellschaft Roding: Wie ist das nachzuweisen? Durch das Zusammengehörigkeitsgefühl angestammter Schützenfamilien wurden Dokumente, Ehrenurkunden und Auszeichnungen überliefert, die die rechtmäßige Nachfolge der heutigen Schützengesellschaft untermauern.

Das ist bei der Rodinger Schützengesellschaft 1670 lückenlos nachzuweisen. Der Verein, der 1865 gegründet, 1953 als Schützenverein Eisenhart Roding wieder gegründet und vor einiger Zeit in 1670 Roding umbenannt wurde, hat durch sein sportliches wie gesellschaftliches Engagement einen festen Platz im Sport- und Vereinsleben.

War es früher selbstverständlich, dass jeder ehrbare Bürger Mitglied einer Schützengesellschaft war, ist heute jeder bei den Schützen gerne gesehen, schrieb Max Mückl in einer Festschrift. Zwei Jahre, nachdem das Heilbrünnl erstmals gebaut wurde, 22 Jahre nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges, bestand die heute noch aktive Schützengesellschaft Roding. In schwerer Zeit gegründet und über Jahrhunderte bewahrt hat sich die Schützengesellschaft. 1670 ist eine Schützengesellschaft in Roding urkundlich erwähnt. Diente die Beherrschung der Waffen einst nur der Landesverteidigung, so traten in Roding sehr früh Schützen zusammen, um auch die Unterhaltung zu pflegen und sich im sportlichen Wettstreit zu messen.

Verteidigung war lebenswichtig

Da Roding das Recht zur Befestigung mit einer Ringmauer hatte, ergab sich die Notwendigkeit, die Bürger zur Verteidigung auszubilden. Die Verteidigungsbereitschaft und die Beherrschung der Schießwaffen war vom 13. bis 16. Jahrhundert lebensnotwendig, wie der Hussiteneinfall in Roding 1433 zeigte. Die Landesherren wollten stets einen Überblick über die wehrfähigen Bürger und das Kriegsgerät haben.

Rupert Maier, der Gründer des Musikvereins, widmete der Schützengesellschaft Roding 1927 diesen von ihm kombinierten Schützenmarsch.
Rupert Maier, der Gründer des Musikvereins, widmete der Schützengesellschaft Roding 1927 diesen von ihm kombinierten Schützenmarsch.

Nach einem Musterungsverzeichnis von 1519 gab es in Roding 31 Langspieß, zehn Hellebarden und zehn Püxenschützen. Man schrieb das Jahr 1670. Vor 22 Jahren erst war mit dem Westfälischen Frieden der Große Krieg zu Ende gegangen. Wer glaubte, die Menschheit hätte von Waffengängen genug, irrte: Im Norden unseres Reiches unterzeichnen Engländer und Franzosen den Geheimvertrag von Dover – der 3. britisch-holländische Krieg bahnt sich an. Im Westen marschieren die Truppen Ludwigs des XIV. in Lothringen ein – die unendliche Geschichte der deutsch-französischen Auseinandersetzungen erlebt eine Neuauflage.

Im Südosten werden zahlreiche Truppenbewegungen registriert – die Gegnerschaft mit dem Osmanischen Reich spitzt sich zu. Um diese Zeit nimmt eine kleine Einheit der Kavallerie, kaiserliche Reiter, Quartier in Roding. Die Bürger Rodings, von den Schweden teilweise zerstört, waren besorgt. Der damalige Bürgermeister schrieb sinngemäß an die Regierung in Amberge: „Vor einigen Jahren schon ist eine Schießstatt aufgebaut und von der Bürgerschaft betrieben worden. Nachdem die Bürger heute unvermögend sind und sich keine Rohre (Gewehre) beschaffen können, ist das Schießen eingestellt worden.“

Ein erster Hinweis, dass in Roding bürgerliche Schützen lebten, ergibt sich aus einem Bericht der Stadt Amberg vom 5. September 1596, die damals ein „großes Büchenschießen“ unter den 14 geladenen Städten und 19 Märkten der Oberpfalz veranstalteten. Auch Roding ist da genannt. Chronist Thomas Groth schrieb: „Das Schießen mit Feuerwaffen ist demnach in Roding schon weit vor dem Jahr 1670 betrieben worden.“

Ein Verzeichnis der Ausrüstungsgegenstände der Schützen zeigt, wie dürftig die Ausstattung war. Im September 1621 besetzte der Bayerische Herzog die Oberpfalz und ließ die Waffen nach Amberg abliefern. Unter Kurfürst Ferdinand Maria (regierte von 1651 bis 1679) wurden die Stadt- und Landfahnen wiedererrichtet und das Scheibenschießen befohlen. 1865 wurde die Schützengesellschaft gegründet und Ende des 1. Weltkrieges aufgelöst.

Ursprung des Schützenwesens

  • Mitglieder:

    Früher war es selbstverständlich, dass jeder ehrbare Bürger Mitglied einer Schützengesellschaft war.

  • Verteidigung:

    Weil Roding einst das Recht zur Befestigung mit einer Ringmauer hatte, mussten die Bürger zur Verteidigung ausgebildet werden.

  • Notwendigkeit:

    Die Verteidigungsbereitschaft und die Beherrschung der Schießwaffen war vom 13. bis 16. Jahrhundert lebensnotwendig, wie der Hussiteneinfall in Roding 1433 zeigte. Die Landesherren wollten stets einen Überblick über die wehrfähigen Bürger und das Kriegsgerät haben.

Ein schriftlicher Nachweis

Die Rodinger Schützen berufen sich mit Recht auf das Schreiben vom 6. März 1670 für die Gründung ihres Vereins. Es ist der Nachweis für das zwei Jahrhunderte bestehende Schützenwesen, bevor in den Unterlagen des Bezirksamtes Roding 1865 die Gründung des Vereins „verbürgt“ ist, so Groth in einer Festschrift.

1828 wurde eine Schießanlage am Esper errichtet. Um diese Zeit bestand die Vorstandschaft aus dem Schützenmeister, dem Gutsbesitzer Strahlfelds Namens Anton Kleber, dem Schriftführer, dem königlichen Bezirksassessor Friedrich Hohe und dem Kassier, dem Bezirksamtsgehilfen Rohrmüller. Ausschussmitglieder für gesellige Vergnügungen waren Lehrer Trinkerl und Sparkassenschreiber Pongratz aus Roding.

Kurfürst Ferdinand Maria – Gemälde von Paul Mignard, 1674 – ordnete an, zur Verteidigung des Landes das Schützenwesen auszubauen.
Kurfürst Ferdinand Maria – Gemälde von Paul Mignard, 1674 – ordnete an, zur Verteidigung des Landes das Schützenwesen auszubauen.

1891 wurde in Roding eine Zimmerstutzen-Schützengesellschaft gegründet. Zu Beginn des 1. Weltkriegs scheint sie aufgelöst gewesen zu sein, schrieb der Chronist. Erst nach dem 1. Weltkrieg, als die Schützenbrüder August Mangelkramer, Wilhelm Pongratz, Josef Brantl und Andreas Rothfischer heimkehrten, kam wieder Leben ins Schützenwesen. Auf einer provisorischen Schießbahn beim Drahtweiher wurden Militärkarabiner erprobt.

1926 kam es zur Gründung eines Schützenvereins, der den Namen „Kleinkaliberschützenverband Roding“ führte. Schützenmeister war August Mangelkramer, sein Stellvertreter Georg Kurz, Schriftführer und Kassier Hans Wanner. Im Wohlfasserlgarten entstand eine neue Schießstätte.

Am Sonntagnachmittag wurde dort regelmäßig geschossen. Das Pistolenschießen nahm seinen Anfang. Das Vereinsleben begann, als die Schießabende bei den Mitgliedswirten (Brantl, Michael Aumer, Richard Groß, Blümelhuber, Greiner, Franz Mauerer, Josef Holz, Kerscher, Lösl, Lobmeyer, Max Rothfischer, Carl Zeitler, Mages am Bahnof) abgehalten wurden. Der Verein hatte an die 70 Mitglieder und war Mitglied im Oberpfälzer Schützenbund und Deutschen Schützenbund.

Stand im Wohlfasserlgarten

Als das Postamt, wo heute Schreibwaren Schmid steht, gebaut wurde, war die Zeit des Schießstands im Wohlfasserlgarten vorbei. 1933 errichtete Josef Brantl auf seinem Brauereigrundstück einen Kleinkaliberstand. Nachdem die neuen Machthaber auch den Schießsport in ihrem Sinne gleichgeschaltet hatten, begann sich das Rodinger Schützenleben aufzulösen.

Zwar konnten sich die Schützen dank der Initiative ihres Schützenmeisters August Mangelkramer noch lange halten. Als aber immer mehr Vereinsmitglieder zu den Waffen gerufen wurden, hörte das private Schützenleben auf. Das letzte Zimmerpreisschießen war 1942 im Gasthaus Brantl. Hier siegte der Jungschütze Max Jobst. Er hatte gerade Fronturlaub.

Die Schützengesellschaft Roding hat eine lange Geschichte. In einer Fortsetzung unserer Berichterstattung wollen wir uns in einem eigenen Bericht widmen, der die Zeit seit der Wiedergründung der Schützengesellschaft nach dem 2. Weltkrieg beschreib.

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