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Bäff, der Goethe mit 1000 PS

Der Humorist und Gstanzlsänger aus Roding tourt durch Bayern und Österreich. Vor seiner scharfen Zunge ist niemand sicher.
Von Martin Kellermeier

Josef „Bäff“ Piendl füllt mit seinen Liedern ganze Bierzelte. Die Ideen für seine Texte hat er im Schuppen im Bildhintergrund. Foto: Martin Kellermeier
Josef „Bäff“ Piendl füllt mit seinen Liedern ganze Bierzelte. Die Ideen für seine Texte hat er im Schuppen im Bildhintergrund. Foto: Martin Kellermeier

Roding.Zeit für Kreativsein. Der „Bäff“ – so wird Josef Piendls Vorname seit der Schulzeit abgekürzt – sitzt am Schreibtisch in seinem Holzschuppen in Trasching bei Roding. Der Humorist und Gstanzlsänger hat sich den kleinen Raum, schätzungsweise zehn Quadratmeter groß, urig und rustikal eingerichtet. Eine richtige Bauernstube. Lauter Erinnerungen hängen an der Wand. Da ist die bunte Schnupftabakdosen-Sammlung seines Schwiegervaters aufgereiht, neben der Tür hängt ein kleines Rehgeweih, das der Bäff als kleiner Bub gefunden hat, und darunter ist ein Drehschalter fürs Licht angebracht. Der musste unbedingt verbaut werden, sagt Piendl. Den einzigen Mucks macht die Pendeluhr an der Wand. Ganz regelmäßig tickt das Erbstück, Sekunde für Sekunde.

Diesen urigen Schuppen hat sich Josef Piendl in seinen Garten gebaut. Er ist sein Rückzugsort. Foto: Martin Kellermeier
Diesen urigen Schuppen hat sich Josef Piendl in seinen Garten gebaut. Er ist sein Rückzugsort. Foto: Martin Kellermeier

Diese Ruhe braucht der 54-Jährige. In der Gmeinerstraße findet er sie. Der Straßenname steht zumindest auf dem blauen Schild an der Fassade. Die Adresse gibt es in Trasching aber gar nicht. Das Schild hat Piendl auf dem Flohmarkt gekauft. Der Mann liebt Details – auch beim Einrichten. Er ist ein Tüftler, ein Hundertprozentiger. Deswegen sitzt der Bäff oft stundenlang an einem Text in seinem Schuppen. Bühnenreife dauert eben.

Kein Caruso, kein Virtuose

Über den Inhalt seiner Geschichten, Witze und Gstanzln macht sich Josef Piendl genau Gedanken. Oft hat er Angst, dass er bei einem Auftritt jemanden zu stark aussingt, sagt er. Das ist der Bäff. Kein vorlauter Typ. Klar, auf der Bühne ist er frech. Danach switcht er aber sofort in den Ruhemodus um und wirkt fast schon zurückgezogen. Wer Piendl in seiner Heimatstadt Roding, in der er auch seit dem Jahr 2002 Stadtrat ist, trifft, lernt ihn als bodenständigen Menschen kennen.

Dass er rund 100 Auftritte jährlich auf den Bühnen in Bayern und Österreich hat und schon drei Bücher und sechs Tonträger – wohlgemerkt im eigenen Piendl-Verlag – veröffentlicht hat, lässt er sich nicht raushängen. „Ich bin kein Caruso und kein Virtuose an der Gitarre“, sagt der Unterhalter. Im Juni hat er sein neues Soloprogramm zum ersten Mal gespielt. „Kinna daat i scho“ heißt es.

„Ich bin kein Caruso und kein Virtuose an der Gitarre“

Josef „Bäff“ Piendl, Humorist

Piendls Markenzeichen ist seine Stimme: leicht belegt und gar nicht tief. Seit einer notwendigen Stimmband-OP klingt der Bäff so. Am Anfang war das für ihn eine Umstellung. Mittlerweile lebt er mit seinem Markenzeichen und passt darauf auf. „Früher habe ich zu viel geschrien“, sagt Piendl. Schuld waren seine Jobs als Hochzeitslader. In Spitzenzeiten hatte er von Ostern bis November jeden Samstag eine Hochzeit begleitet. 2004 hat er sich von den Feiern zurückgezogen. Bäff wollte mehr Zeit für seine Frau und die beiden Söhne haben und wurde vom Hochzeitslader zum Humoristen.

Josef „Bäff“ Piendl war die Stimme der „Beat-Partys“ in Trasching. Foto: Martin Kellermeier
Josef „Bäff“ Piendl war die Stimme der „Beat-Partys“ in Trasching. Foto: Martin Kellermeier

Das Entertainment-Fieber hat Bäff mit 19 Jahren gepackt. Bei den „Beat-Partys“, die er mit der Landjugend in Trasching organisiert hat, war er der Moderator – und konnte namhafte Gäste begrüßen. Ottfried Fischer oder Nicki kamen zum Beispiel ins Jugendheim, wo die Organisatoren die Fenster mit Silo-Planen verhängt hatten, damit mehr Disco-Feeling aufkommt. Nicki hat der Bäff damals übrigens für 2000 Mark in den kleinen Rodinger Vorort geholt. Dafür gab es auch Autogramme für die knapp 600 Fans.

Die fast schon legendären Partys fanden mit dem Bau einer Großraumdiskothek in der Kreisstadt Cham ihr jähes Ende. Der Bäff war zu der Zeit schon dabei, seine ersten eigenen Lieder zu komponieren – von Beginn an in Mundart. „Dou de ned oi“ hieß sein erstes Stück.

Ein Humorist mit Kochkünsten

Das Gitarrespielen hat er auf der Landvolkshochschule in Niederalteich gelernt. „Das hat meine Kreativität noch mehr entwickelt“, sagt Piendl. Seit 1999 ist Josef Piendl hauptberuflich Unterhalter. Zuvor war er Koch in der Gastwirtschaft seiner Eltern.

„Wenn ich ein Gstanzl höre, dann habe ich einen Adrenalinstoß“

Josef „Bäff“ Piendl, Humorist

Mehr als Fleisch und Knödel haben es dem Bäff schon immer die Gstanzln angetan. Bereits als Jugendlichem kribbelte es ihm in den Fingern, wenn auf einer Hochzeit wieder ein Gast ausgesungen wurde. Heute macht er das selbst in Bierzelten vor mehreren tausend Besuchern. „Wenn ich ein Gstanzl höre, dann habe ich einen Adrenalinstoß“, sagt Bäff. Die Texte für die Vierzeiler fallen ihm immer spontan ein. Bäff überlegt sich zuerst das letzte Wort und kombiniert dann in Windeseile. Ein Goethe oder Schiller mit 1000 PS.

Im Video erklärt Bäff, wie man in drei Schritten zum Gstanzlsänger wird:

Gstanzlsänger werden in drei Schritten

Bei den meisten seiner Auftritte unterhält Bäff das Publikum alleine. Gelegentlich steht er aber auch mit anderen Gstanzlsängern auf der Bühne. Wichtig ist Piendl immer der persönliche Kontakt zum Publikum – und vor dem Auftritt „ein Pfiff Bier“.

In seiner Jahnecke sitzt der Bäff gern. Foto: Martin Kellermeier
In seiner Jahnecke sitzt der Bäff gern. Foto: Martin Kellermeier

Das trinkt der Humorist auch bei seiner größten Leidenschaft, dem SSV Jahn Regensburg. Bäff ist ein bekennender Fan und hat dem Fußballverein auch ein Lied geschrieben. „Ich lieb den SSV, den Stolz der Region“, singt er da. Manchmal wird der Song noch im Stadion gespielt und der Bäff hört sich selbst, wenn er bei den Heimspielen in der Continental-Arena im Block W2 auf Platz 18 in Reihe 13 sitzt.

Das alte Jahn-Stadion hat sich Bäff in seinen Garten geholt. Auf eine Bierbank hat er die roten Sitzschalen montiert und den original Schaukasten hat er auch. „Ein Kindskopf halt“, sagt seine Frau.

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