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Heavy Metal ist ihr zweites Leben

Hans Schmidbauer und sein Sohn Sven aus Mitterkreith sammeln Hardrock-Konzerte – wie andere Briefmarken.
Von Gregor Raab

Hans Schmidbauer und Sohn Sven verstehen sich blind – wenn’s um die Musik geht: Metal muss es sein, je härter umso besser.
Hans Schmidbauer und Sohn Sven verstehen sich blind – wenn’s um die Musik geht: Metal muss es sein, je härter umso besser. Foto: Tschannerl

Roding.Harte Gitarrenriffs, hämmernde Bässe, lauter Gesang: Wenn die Band „Rogues“ loslegt, gibt es im Lifestylecafe L.A. kein Halten mehr. Der Club steht Kopf. Vor der Bühne fliegen die langen Mähnen die Fans schubsen sich im Pogopit. Einige Waghalsige stürzen sich von der Bühne in die Menschenmenge und lassen sich beim „Crowd-Surfing“ über die Köpfe des Publikums tragen.

Mittendrin im wilden Getümmel ist auch Sven Schmidbauer aus Mitterkreith. Er zeigt ebenfalls vollen Körpereinsatz, wobei er besonders mit seiner schrillen Frisur im Irokesen-Stil heraussticht. Etwas abseits steht sein Vater Hans. Aus sicherem Abstand visiert er mit dem Objektiv seiner Kamera die tobende Meute an und drückt auf den Auslöser.

Klick – schon erscheint auf dem Display das Bild, auf dem er diesen einzigartigen Moment für immer eingefangen hat. „Ganz nah am Geschehen dabei zu sein, fasziniert mich immer neu“, sagt der Hobbyfotograf. Er ist ebenfalls ein großer Freund harter Musik. Doch nicht nur das. Er sammelt Hardrock-Konzerte und Festivals.

Mindestens jede Woche ein Konzert

Rund 60 Auftritte verschiedenster Bands besucht er pro Jahr mit seinem Sprössling und dokumentiert sie mit seinen Fotos. Unermüdlich touren deswegen die beiden an den Wochenenden durch die bayerischen Szene-Clubs und Kneipen, immer auf der Suche nach bekannten Rockgrößen oder neuen, unentdeckten Talenten.

Dabei gilt stets das Motto: „Je härter, desto besser!“ Annähernd 15 000 Kilometer legten sie im vergangenen Jahr auf ihren Trips zurück. Zu ihren regelmäßigen Einsatzorten zählen insbesondere das L.A. (Cham), das „Plutonium“ (Straßkirchen) oder der Salute-Club (Weiden).

Zur Person: Vater und Sohn

  • Die Familie

    Hans Schmidbauer lebt in Mitterkreith. Der gebürtige Wetterfelder wurde am 30. 11. 1960 geboren. Nach seiner Schulzeit machte er eine Ausbildung zum Automechaniker. Seit er bei der Firma Mühlbauer in der Schweißerei arbeitet, ist „Heavy Metal“ für den Hardrock-Fan auch Beruf. Seit 34 Jahren ist er mit seiner Frau Edeltraut verheiratet. Aus der Ehe gingen die beiden Kinder Jasmine (22) und Sven (19) hervor. Mit Sohn Sven teilt Vater Hans die Leidenschaft für harte Musik.

  • Die Sammler-Leidenschaft

    Regelmäßig touren sie an den Wochenenden gemeinsam zu Konzerten und Festivals. Seine Digitalkamera hat Hans Schmidbauer immer auf dem Autorücksitz. Damit hält er die Auftritte im Bild fest. Seine Frau und die Tochter stehen voll und ganz hinter dem Vater-Sohn-Gespann, wie er erklärt: „Anders würde es gar nicht funktionieren.“

  • Eigene Musik

    Talent fürs Singen oder ein Instrument besitzt Hans nicht. „Ich kann höchstens ein Radio bedienen“, schmunzelt der Vater. Sven hat dagegen vor kurzem mit Kumpels die Punk-Formation „Selbsthilfegruppe“ gegründet. Dort haut er als Bassist ordentlich in die Saiten.

Die Anzahl der Bilder, die Hans Schmidbauer bei den Konzerten bislang gemacht hat, kann er kaum mehr schätzen. „An einem Abend kommt schon einiges zusammen“, lacht der 55-Jährige. Weil er immer wieder während der Gigs von Gästen auf die Aufnahmen angesprochen wurde und sich auf seinem Computer immer mehr Dateien angesammelt hatten, habe ihn Sven schließlich auf die Idee gebracht, die schönsten Exemplare auf Facebook zu veröffentlichen, erzählt Hans.

Auf der Seite „Rock’n’Fucking-Roll Pictures“ kann sich so jeder einen Eindruck von seinem Hobby verschaffen. „Die Kommentare sind durchwegs positiv. Die Leute sind begeistert“, freut sich Hans Schmidbauer und gesteht: „Diese Rückmeldungen spornen mich an, damit weiterzumachen. Ich bin fast schon süchtig.“

„Diese Rückmeldungen spornen mich an, damit weiterzumachen. Ich bin fast schon süchtig.“

Hans Schmidbauer

Aber wie kam er eigentlich zu dieser ausgefallenen Sammelleidenschaft? Für Hardrock und Heavy Metal hat sich der gelernte Automechaniker schon immer interessiert. Als er 2011 aber mit dem damals 15-jährigen Sven ein Konzert der Deutschrock-Band „Freiwild“ in Landshut besuchte, war es um ihn endgültig geschehen. Er erinnert sich: „Die Atmosphäre war phänomenal. Die Musik und die Menschen zogen mich sofort in ihren Bann.“ Ab diesem Zeitpunkt wich er seinem Sohn bei keinem Live-Act mehr von der Seite.

Sie haben ein besonderes Hobby: Hans und Sven Schmidbauer Video: Simon Tschannerl

Die meisten Teenager würden dieses elterliche Verhalten irgendwann als unangenehm oder Bloßstellung empfinden – nicht so in der Familie Schmidbauer. Sven bringt es auf den Punkt: „Ich lebe für die Musik. Und gibt es etwas Schöneres, als seine Leidenschaft mit dem Vater zu teilen?“

Krawallbrüder, Turbobier, United Blood: Combos, die allein schon wegen ihres Namens viele Eltern normalerweise erschaudern lassen, haben das außergewöhnliche Vater-Sohn-Gespann mittlerweile zu einer unzertrennlichen Einheit zusammengeschweißt.

Die Sache mit dem Fotografieren

War es am Anfang noch eher der Junior, der die Impulse setzte, hat sich inzwischen sogar das Blatt gewendet. „Jetzt schleift er mich schon zu den Konzerten mit“, schmunzelt der 19-Jährige, der wegen seiner Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker vor kurzem hobbymäßig etwas kürzertrat.

Ein Gruppenfoto mit der Band ist immer Pflicht, wenn Vater und Sohn Schmidbauer ein Konzert besuchen.
Ein Gruppenfoto mit der Band ist immer Pflicht, wenn Vater und Sohn Schmidbauer ein Konzert besuchen. Foto: Tschannerl

Nach und nach entwickelte sich bei Hans Schmidbauer auch die Begeisterung für die Fotografie. Am Anfang knipste er mit einer kleinen Taschenkamera je nach Lust und Laune ein paar Erinnerungsfotos, die Sven in ausgedruckter Form zusammen mit den Konzerttickets in einem Album aufbewahrte.

Seiner Kreativität ließ er immer mehr freien Lauf bis ihn schließlich das „Foto-Fieber“ endgültig gepackt hat. Vom eigenen Ehrgeiz getrieben, wurden die Aufnahmen immer professioneller. Und schlussendlich investierte er eine stattliche Summe in eine neue High-Tech-Kamera mit Teleobjektiv. „Das Equipment muss stimmen. Sonst hast du bei den schnellen Bewegungen der Interpreten und Besucher keine Chance“, erklärt der Autodidakt.

Hardcore-Szene: „wie eine Familie“

Was ihn an der Hardcore-Szene besonders beeindruckt, ist das unbändige Gemeinschaftsgefühl. Hans: „Auf einen Außenstehenden wirken die Leute mit ihren schwarzen Klamotten und den langen Haaren oft suspekt. Kommt man mit ihnen aber ins Gespräch, zeigt sich, dass alle ihr Herz am rechten Fleck haben. Sie sind ehrlich und viele von ihnen sogar hochgebildet. Niemand ist aggressiv, jeder möchte einfach Party feiern. Toleranz wird ganz groß geschrieben. Das ist wie in einer großen Familie.“

Vater und Sohn pflegen auch zu Musikern Kontakt. „Wenn es klappt, versuchen wir die Bands am Ende immer noch im Backstage-Bereich zu treffen“, sagt Sven Schmidbauer. Und sein Vater schiebt mit einem Augenzwinkern noch hinter: „Ein Gruppenfoto ist dann aber Pflicht. Da führt kein Weg dran vorbei.“

Hier lesen Sie weitere Berichte aus unserer Serie „Die Sammler aus dem Landkreis Cham“.

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