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Debatte

Rodings Bad-Zukunft bewegt die Bürger

270 Interessierte kamen zur Info-Veranstaltung ins Freibad. Der Bürgermeister stellte die Pläne vor und sich den Fragen.
Von Bastian Schreiner

Freibad-Sanierung oder Bau eines Ganzjahresbad? Es ist weiter offen, wohin der Weg führt. Foto: Schreiner
Freibad-Sanierung oder Bau eines Ganzjahresbad? Es ist weiter offen, wohin der Weg führt. Foto: Schreiner

Roding.Großes Thema, großes Interesse: 270 Bürger haben am Mittwochabend auf der Freibadterrasse um die besten Plätze gekämpft. Mit so vielen Leuten hatten die Verantwortlichen im Vorfeld der Bürgerversammlung nicht gerechnet. Dicht gedrängt, die meisten stehend, verfolgten die Zuhörer den Vortrag des Bürgermeisters. Franz Reichold zeigte die Schäden des „Platschare“ auf und präsentierte die möglichen Bad-Varianten sowie deren Finanzierbarkeit.

Die Bad-Debatte schlägt nicht erst seit dem Stadtratsbeschluss vom 27. Mai – das Gremium hatte mehrheitlich für ein Ganzjahresbad gestimmt – hohe Wellen. Kürzlich hat der FDP-Kreisverband ein Bürgerbegehren gestartet. Bei der Versammlung wollte Reichold auch falschen Infos und etwaigen Gerüchten, die sich in sozialen Medien im Internet verbreiten würden, entgegentreten.

„Das Freibad ist am Ende“

Die Bürgerversammlung im Freibad rief großes Interesse hervor: Umringt von 270 Interessierten erläuterte der Bürgermeister die Pläne. Foto: Schreiner
Die Bürgerversammlung im Freibad rief großes Interesse hervor: Umringt von 270 Interessierten erläuterte der Bürgermeister die Pläne. Foto: Schreiner

Dass dringend gehandelt werden muss, unterstrich der Bürgermeister mit einem ungeschönten Video zum Zustand des Freibades. Neben uralter Technik und Rissen im Becken waren auch verrostete Leitungen und nasse Wände zu sehen. Bisher habe man mit viel Schminke versucht, den Großteil der Schäden zu vertuschen. Das reparaturanfällige Bad aus den 70er Jahren habe jährlich 120 Nutzungstage. Es sei seit einiger Zeit eine Sisyphusarbeit, um das Bad überhaupt wieder eröffnen zu können. „Es ist wichtig, dass bald eine Entscheidung fällt, denn das Freibad ist am Ende“, so Reichold.

Zukunft

Rodinger Bad-Debatte schlägt hohe Wellen

Der Entscheidung für ein Ganzjahresbad im Stadtrat folgte ein Bürgerbegehren dagegen. Wie geht es nun weiter beim Bad-Thema?

Keinen Hehl machte er daraus, dass die Stadt mit 19,8 Millionen Euro verschuldet sei. Trotzdem habe man mit dem Hochwasserschutz Mitterdorf, der Schul-Sanierung in Roding und dem Neubau des Mitterdorfer Kindergartens hohe Investitionen getätigt. Laut Kämmerei ist das Betriebsdefizit bei allen Optionen tragbar. „Jedoch muss bei allen Varianten die Schuldenbremse, inklusive Neuverschuldung, ausgesetzt werden“, sagte der Bürgermeister. Gleichzeitig betonte er, dass weder Investitionen im Pflichtaufgabenbereich noch die freiwilligen Leistungen für Vereine gekürzt werden. Steuererhöhungen schloss er auf Nachfrage einer Bürgerin für die kommenden fünf Jahre aus. Um Geld aus dem Haushalt bereitsstellen zu können, müssten aber Projekte verschoben werden. Als Beispiele führte er den Neubau des Gerätehauses der Feuerwehr Altenkreith, den sozialen Wohnungsbau, die Parkplätze bei der Dreifachturnhalle oder den Gehweg in der Neubäuer Ortsdurchfahrt an.

Kommentar

Eine mutige Entscheidung

Bei millionenschweren Projekten nicht mit dem Kopf voraus ins kalte Wasser zu springen, ohne die Wassertiefe zu prüfen, ist legitim. Doch beim Rodinger...

Seit 2011 würden die Planungen laufen. Seitdem fanden viele Besprechungen mit Ingenieuren, Architekten und Behörden statt, mehrere Bäder wurden besichtigt, Gutachten beauftragt und Förderanträge gestellt. Bereits im Dezember 2015 präsentierten ein Planer und ein Architekt dem Stadtrat die Konzepte, der bei drei Gegenstimmen beschloss, die Variante eines Ganzjahresbades weiterhin zu prüfen. Sowohl die Analyse des Gästepotenzials des Instituts CenTouris als auch das Tourismusgutachten bestätigten, dass ein Ganzjahresbad Vorteile für Roding bringe und die Tourismusregion davon profitiere.

Mögliche Optionen

  • Freibad-Sanierung:

    Kosten 11,4 Millionen Euro; Förderung eine Million Euro; jährliches Defizit 508 000 Euro; Gästezahl 57 000; Eintritt drei Euro (Erwachsene), zwei Euro (ermäßigt)

  • Sanierung + Schulhallenbad:

    Kosten 14,8 Millionen Euro; Förderung 2,5 Millionen Euro; jährliches Defizit 557 000 Euro; angenommene Gästezahl 128 000; Eintritt: ähnlich wie bei Sanierung

  • Ganzjahresbad:

    Kosten 18,2 Millionen Euro; Förderung: 4,1 Millionen Euro; jährliches Defizit: 755 000 Euro; angenommene Gästezahl 213 000; Eintritt fünf Euro (Erwachsene), vier Euro (ermäßigt)

  • Ganzjahresbad mit Sauna:

    Kosten 21,6 Millionen Euro; Förderung 4,1 Millionen Euro; jährliches Defizit 643 000 Euro; angenommene Gästezahl 224 000, Eintritt fünf Euro (Erwachsene), vier Euro (ermäßigt)

Reichold stellte dann insbesondere die Varianten Freibadsanierung – was praktisch wie ein Neubau sei – und Bau eines Ganzjahresbades gegenüber. Bei der Renovierung betrage die Neuverschuldung rund 2,9 Millionen Euro, beim Ganzjahresbad 6,6 Millionen Euro. Trotz des aktuellen Förderprogramms des Freistaats erhalte Roding für die Sanierung nur eine Millionen Euro Förderung. Ein Ganzjahresbad werde mit 4,1 Millionen gefördert.

Lesen Sie hier: Stadtrat stimmt für Ganzjahresbad

Zusätzlich zur Sanierung der Becken werde das Freibad unter anderem mit einer Breitrutsche, Strömungskanal, Massagedüsen und Nackenduschen ausgestattet, wobei rund 70 Prozent der Gesamtmaßnahme auf die Baukosten entfallen. In das Ganzjahresbad werden neben Strömungskanal, Nackenduschen und Massagedüsen zusätzlich ein Lehrschwimmbecken und ein 25-Meter-Mehrzweckbecken mit Sprungturm integriert. Zudem stehe ein Außenbecken, eine Rutsche und eine Textilsauna zur Verfügung. Das Cabriodach könne in der Übergangszeit geöffnet werden. Für die Kinder sei ein Wasserspielbereich vorgesehen.

Familienfreundliche Preise

Renate Hecht (SPD) meinte, dass sich ein Cabriodach und das 50-Meter-Becken, das erhalten werden soll, widersprechen würden. Reichold entgegnete, dass dies Alleinstellungsmerkmale seien. Auf die Frage eines Bürgers, was bei einer Freibad-Sanierung mit dem Hallenbad passiere, sagte Reichold, dass der Landkreis der Besitzer und dieser nicht für das Schulschwimmen zuständig sei. Wie sich der Kreistag entscheide, sei offen. Ein Mann sprach sich für die Option Ganzjahresbad mit Saunalandschaft aus – und erntete dafür Applaus. Zu den Eintrittspreisen ließ der Bürgermeister wissen, dass diese, egal bei welcher Variante, familienfreundlich gehalten werden.

„Das Ganzjahresbad wird so geplant, dass man später einen Saunabereich andocken kann.“

Franz Reichold, Bürgermeister

Josef Fries (FPD) meinte, dass man die Entscheidung in Bürgerhand geben sollte. Die FDP wirbt in ihrem Bürgerbegehren für die abschnittsweise Sanierung des Freibades und Erweiterung je nach Kassenlage. Diesen Vorschlag bezeichnete ein Mann als utopisch. Für einen Bürgerentscheid müssen übrigens neun Prozent der Wahlberechtigten der Gemeinde unterschreiben. „Wenn die Stadt noch ein Ratsbegehren macht, hätten die Bürger auch eine Auswahl“, regte Fries an.

Ein Bürger sprach die Kostenexplosion in der Baubranche und die aus seiner Sicht aus der Luft gegriffenen Gästezahlen an. „Wir rechnen mit den aktuellen Preisen und ließen die Besucherzahlen extern verifizieren“, teilte Reichold mit. Das Ganzjahresbad werde so geplant, dass man später einen Saunabereich andocken könne. Der Bürgermeister wolle sich bis zum Ende seiner Verantwortung am 30. April 2020 für Roding einsetzen und appellierte, dass sich die Stadt und ihre Bürger etwas zutrauen und riskieren sollen. Dafür gab es Applaus.

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