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Califax entlarvt gern Brandstifter

Im Camp Reed bei Rötz trainieren Polizisten mit ihren Hunden, die Benzin riechen, auch wenn es verbrannt ist.
Von Ernst Fischer

Der holländische Schäfer Califax ist bereit zum Einsatz. Sein Hundeführer Manuel Dünning zeigt die Schutzmanschetten an den Füßen, um den Hund vor Verletzungen zu schützen.
Der holländische Schäfer Califax ist bereit zum Einsatz. Sein Hundeführer Manuel Dünning zeigt die Schutzmanschetten an den Füßen, um den Hund vor Verletzungen zu schützen. Foto: Fischer

Rötz.Kleiner Selbstversuch: Tropfen Sie doch mal zehn Milliliter Benzin auf einen winzigen Wattebausch und lassen die Flüssigkeit zu 99 Prozent verdampfen. Bitten Sie jemanden, das Watte-Fitzelchen irgendwo im Wohnzimmer zu verstecken – in einer Sofaritze zum Beispiel. Und dann versuchen Sie, das kleine Wattebäuscherl zu finden.

Unmöglich? – Für uns alle vielleicht! Aber: „Rakete Käthe“ kann das. Califax auch. Oder 26 andere Hunde, die in dieser Woche von Mittwoch bis Freitag im Camp Reed bei Rötz herumstreunen. Streunen ist falsch gesagt. In Wahrheit sind die Schäfer von deutschem, holländischem oder belgischem Geblüt alle höchst disziplinierte Wesen. Wie könnte es auch anders sein! Califax, Rakete Käthe und die anderen sind Beamte auf vier Beinen – Diensthunde der Polizei, in diesem speziellen Falle heißen sie „Brandmittelhunde“.

Die Nagelprobe für Califax

Eine Internationale Tagung für Brandmittelhundeführer läuft gerade dieser Tage in der zentralen Diensthundeschule der bayerischen Polizei in Herzogau. Und trainiert wird im Camp Reed, der ehemaligen „Kaserne“ der Amerikaner bei Rötz, die seit gut zehn Jahren in Besitz der Polizeischule ist.

Rakete Käthe geht auf Suche
Rakete Käthe geht auf Suche Foto: Fischer

Armin Fütterer, der Chef der Herzogauer Hundeschule hat zum Pressetermin geladen an diesem Donnerstagnachmittag. Stolz ist er schon ein wenig: 50 Polizisten aus ganz Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg sind hierher ins versteckte alte Ami-Camp bei Rötz gekommen. Das Bundeskriminalamt (BKA) veranstaltet diese Tagung alle Jahre in einem anderen Bundesland. Jetzt ist Herzogau dran, für Bayern.

Dr. Silke Cox ist zuständig beim BKA für die Ausbildung der „Brandmittelhundeführer“; und eine andere Frau macht das in Bayern: Gabriele Englberger. Nein, sagen beide, das hat nichts damit zu tun, dass Hunde bei der Polizei vielleicht eine spezielle Frauen-Domäne wären. Unter den 50 Hundeführern bei der Tagung haben wir genau fünf Polizistinnen ausgemacht. „Die müssen sich genauso reinhängen wie die Männer, ihre Arbeit ist aber auch genau so anerkannt.“ Das sagt auch eine Frau. Sie ist zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der bayerischen Polizeischule. Aber ihren Namen will sie nicht in der Zeitung lesen.

Califax hat etwas gefunden
Califax hat etwas gefunden Foto: Fischer

Zu den Hauptpersonen also: Califax zum Beispiel ist ein holländischer Schäferhund und sechs Jahre alt. Mit seinem Hundeführer Manuel Dünning kommt er aus Aschaffenburg. Califax darf der Presse zeigen, wie das geht mit der Suche nach dem versteckten Wattefitzelchen mit Benzingeschmack. Zehn auf zehn Meter groß mindestens wird der Barackensaal sein, wo wild verstreut Mauerziegel, ein kaputtes Bett und andere Möbel rumliegen. Zwei Minuten höchstens wird‘s gedauert haben. dann presst Califax seine Nase fest an einen Ziegelstein – gefunden.

Wie hoch ist die Aufklärungsquote?

Zur Belohnung gibt’s eine kurze Runde „Spielen“. Das geht ganz einfach: Hundeführer Manuel lässt Califax mit sich und einer Beißwurst ringen. Das muss sein! Die BKA-Expertin Dr. Silke Cox: „Das ist Schwerstarbeit, was die Hunde hier machen.“ Das ständige Schnüffeln in höchster Laufgeschwindigkeit könne ein Hund höchstens zehn bis 20 Minuten durchhalten. Dann braucht er eine Pause – zum Spielen.

Rast nach der Arbeit
Rast nach der Arbeit Foto: Fischer

Drei Brandmittelhunde gibt’s in Bayern, 50 bis 60 werden es in ganz Deutschland sein. Erst seit 2007 werden in Bayern Polizeihunde speziell zur Brandermittlung ausgebildet. Und wie ist ihre Aufklärungsquote? Die BKA-Expertin Dr. Silke Cox hat dazu keine Zahlen. Nur soviel: In Bayern kommen alljährlich Hunde in 30 bis 60 Fällen zum Einsatz. Sie werden immer dann gerufen, wenn sich ein Verdacht auf Brandstiftung ergibt. Und für Dr. Silke Cox ist „im Prinzip jeder Einsatz ein Erfolg“. Denn: „Wenn der Hund keine Brandbeschleuniger findet, dann ist das auch entscheidend für die weiteren Ermittlungen.“

Übrigens: Mit ungefähr zehn Jahren gehen Polizeihunde in Ruhestand. Und sie bleiben dann in fast allen Fällen bei ihrem Herrn. Vom Staat gibt’s Pension: 75 Euro im Monat. Den Tierarzt muss der Herr selber zahlen.

Warum haben Sie einen Hund als Kollegen?

50 Polizei-Hundeführer aus Deutschland, Luxemburg, Österreich und der Schweiz haben sich zum Training im Camp Reed bei Rötz getroffen. Wir haben vier von ihnen gefragt, warum sie sich einen Hund als Kollegen ausgesucht haben. Und für alle gilt das Gleiche: „Der Hund ist ein treuer Begleiter, auf den man sich immer hundertprozentig verlassen kann.“ Und welche spektakulären Fälle haben Herr und Hund schon miteinander gelöst? Auch darüber haben uns die Polizisten ein bisschen was verraten.

Christian Bachmann (36), PHK, Ludwigshafen
Christian Bachmann (36), PHK, Ludwigshafen Foto: Fischer

Christian Bachmann: „Ich bin erst vor einem Jahr zu den Brandmittelhunden gewechselt, weil ich mal eine neue Aufgabe und Herausforderung suchen wollte. Spektakuläre Fälle habe ich noch nicht erlebt. Aber es ist eine interessante Aufgabe. Und der Hund als Kollege? Das ist ein treuer Begleiter. Man kann sich hundertprozentig auf ihn verlassen – in jeder Situation.“

Holger Hallmann (52), POK, Hamburg
Holger Hallmann (52), POK, Hamburg Foto: Fischer

Holger Hallmann: „Ich mache den Job mit den Brandhunden jetzt seit 2005. Aber das ist eigentlich eher eine Berufung. Man muss eine persönliche Beziehung zu seinem Hund haben. Der ist wie ein Familienmitglied. Einer meiner letzten Fälle: Da ging’s um Schutzgelderpressung in einem Lokal. Ein Mann wurde vermisst. Mein Hund hat ihn gefunden, vergraben im Garten.“

Claudia Sessig, PHM Mannheim
Claudia Sessig, PHM Mannheim Foto: Fischer

Claudia Sessig: „Ich arbeite seit 1997 mit Hunden. Mein jüngster Fall: Ein Imbiss war abgebrannt. Vermutet wurde ein fremdenfeindlicher Hintergrund. Mein Hund hat die Tat aufgeklärt. Er fand eine PET-Flasche mit Brandbeschleuniger mit DNA-Spuren. Die überführten den Brandstifter. Motiv: Es war kein Fremdenhass. Belohnung für den Hund: ein Ring Fleischwurst von den Ermittlern.“

Thomas Galli (40), Wachtmeister, Luzern
Thomas Galli (40), Wachtmeister, Luzern Foto: Fischer

Thomas Galli: „Ich bin Brandursachenermittler bei der Schweizer Kriminalpolizei und habe meinen Hund immer dabei. So entwickelt sich auch eine besondere Beziehung. Der Hund ist der beste Freund des Menschen, ein treuer Begleiter. Er spürt, wenn es dir auch mal nicht so gut geht.Es gibt einen Spruch: Egal, wie und wer ich bin, mein Hund liebt mich so, wie ich bin.“

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