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Menschen

Binser wie im Himmel – aber auf Erden

Der Kabarettist aus Runding erzählt, wo ihm die besten Ideen für sein neues Programm gekommen sind – etwa beim Fußball.
Von Jürgen Ziereis

Martin Schönberger lässt Pläne fliegen wie einen Luftballon.
Martin Schönberger lässt Pläne fliegen wie einen Luftballon. Foto: Archiv

Runding.Man kann beinahe schon von einem Hype sprechen, der ausgebrochen ist um Helmut A. Binser, den Emporkömmling in Sachen Musikkabarett aus Runding. Längst ist er kein Neuling mehr auf den Bühnen in Bayern und weit darüber hinaus. Und sein künstlerisches Schaffen ist bald wieder um ein Kapitel reicher: Das neue Bühnenprogramm „Wie im Himmel“ steht in den Startlöchern.

Die ersten Vorpremieren sind gespielt, offizielle Premiere feiert das neue Stück am 4. und 5. Dezember daheim in der Liederbühne Robinson. „Das wollte ich so, weil das meine Lieblingsbühne ist, auf der ich quasi meine Jugend verbracht habe“, sagt Martin Schönberger, wie „der Binser“ mit bürgerlichem Namen heißt. „Und weil ich dem Walter etwas zurückgeben möchte.“

Vom Wert des Publikums

Walter Thanner ist der Chef der Liederbühne, der seinen langjährigen Kassier so gefördert hat. Schlechte Nachricht für alle Binser-Fans, die noch keine Tickets haben: Beide Konzerte sind ausverkauft. Aber die gute Nachricht: Es gibt angesichts der ungebrochenen Nachfrage noch einen Zusatztermin, am 8. Januar in der Stadthalle Roding.

Martin Schönberger gibt zu, dass das Kribbeln langsam steigt: „Ich bin schon nervöser als sonst vor einer Premiere, nervös wie ein kleines Kind. Ich kriege richtig Gänsehaut, wenn ich daran denke, weil natürlich auch eine gewisse Erwartungshaltung da ist.“ Und die will der 35-Jährige nicht enttäuschen. „Mir ist besonders wichtig, dass es daheim gut läuft. Dieses Vertrauen, das die Leute offenbar in mich haben, ist eine unheimliche Anerkennung und Motivation für mich. So habe ich es mir vor fünf Jahren immer gewünscht.“ Als er am Anfang des professionellen Künstlerdaseins stand und noch nicht ahnen konnte, wohin der Zug fährt.

Doch war und ist der Erfolg kein Selbstläufer, sondern das Ergebnis akribischer Arbeit. Ideen sammeln, sich vom Leben inspirieren lassen, „alles aufschreiben“, an Details und Überleitungen feilen. Um womöglich nach einer Vorpremiere das halbe Programm auszutauschen, insofern hilft dem Künstler jede Art von Publikumsreaktion weiter.

Die Entdeckung des Landlebens

Martin Schönberger spricht von der „heißen Phase“, die gerade dem Siedepunkt entgegensteuert: Wenn das aktuelle Programm „Ein Stück heile Welt“ noch läuft, er aber schon am neuen Programm tüftelt. „Das sind drei, vier Monate, in denen du neben der aktuellen Tour das neue Programm einstudierst. Das Programm muss sitzen, ich will den Leuten eine gute Show bieten, das erfordert eine entsprechende Vorbereitung und auch eine gewisse Disziplin. Wenn das rum ist, habe ich wieder zwei Jahre Zeit für Kreativität.“

Der Binser auf dem Moped – fast wie Otti Fischer damals in der Kult-Serie „Irgendwie und Sowieso“.
Der Binser auf dem Moped – fast wie Otti Fischer damals in der Kult-Serie „Irgendwie und Sowieso“. Foto: Nadine Lorenz

Eine längere Halbwertszeit gibt Martin Schönberger seinen Bühnenstücken nicht, sagt er: „Ein Programm drei Jahre zu spielen, ist mir zu lang. In der Zeit entstehen ja auch neue Stücke, und ich kann’s immer nicht erwarten, die auch zu spielen. Außerdem will ich aktuell bleiben, die Themen verändern sich.“ Ein bisschen Wehmut schwinge freilich schon auch mit, wenn ein Programm im Archiv landet, doch in der Zugabe bleibt schon noch ein Hintertürchen für das eine oder andere Lied. Für Klassiker wie den „Valentinstag“ oder „Nie wieder Alkohol“. Und worum geht’s im neuen Stück? Zum Beispiel um das Leben auf dem Land und um Landflucht, um Vorurteile, Freundschaften, Heiraten, Garteln. Um vieles, was erst wichtig wird, wenn die wilden Jahre vorbei sind. „Das Landleben habe ich auch erst wieder entdecken müssen“, sagt Schönberger, der selbst fünf Jahre in Regensburg gelebt hat. „Die Lebensqualität, die wir haben, ist unbeschreiblich, die Leute wissen oft gar nicht, in welchem Paradies wir leben.“ Das könne auch der Fußballplatz sein, den er neuerdings entdeckt hat, wenn die SG Schloßberg aus Runding und Windischbergerdorf in der Kreisklasse um Punkte kämpft („Ich frage mich, warum ich das jahrelang ignoriert habe“).

Der Binser und seine Pläne

  • Der Terminkalender für 2016

    Der Terminkalender für 2016 ist schon gut gefüllt, auch für 2017 sind die ersten Auftritte schon fix.

  • Fernsehen?

    Will Martin Schönberger auch seine TV-Präsenz erhöhen, um den nächsten Karriereschritt zu machen? Im Schlachthof oder Hannes Ringelstetters Schwabinger Vereinsheim war der Binse“ ja schon zu sehen. O-Ton Binser dazu: „Wenn was kommt, das zu mir passt, mache ich das gerne. Aber es gibt viele Formate vor allem aus der Comedy-Szene, die ich grundsätzlich ablehne, wo ich nicht spielen würde und wo ich auch nicht hinpasse. Und ich glaube auch, dass das Fernsehen überschätzt wird.“

  • Der Waidler

    Vielleicht kommt da wieder die Bodenständigkeit des Waidlers durch: „Ich mache das, was mir Spaß macht und nicht das, was vielleicht mehr Kohle bringt. Sonst fängst du irgendwann zum Geldzählen an. Ich kann gut leben von dem, was ich tue.“

  • Das Publikum

    Wichtiger ist Schönberger („Klar will ich, dass die Leute applaudieren und Zugabe schreien“) die direkte Rückmeldung seines Publikums. So wie diese: „Mir hat eine Frau geschrieben, deren Mann vor einem Jahr gestorben ist, dass sie auf meinem Konzert das erste Mal wieder lachen konnte. Das hat mich sehr berührt.“

  • Nächste Auftritte

    Die Premieren für das neue Programm am 4. und 5. Dezember in der Liederbühne Robinson sind schon ausverkauft. Ein Zusatzkonzert findet am 8. Januar 2016 in der Stadthalle Roding statt. Karten gibt´s unter www.liederbuehne.de. (cjz)

Der Mann, der ein Haus gebaut hat

Und noch ein Beispiel aus der Ideenschmiede Leben: Schönbergers Hausbau. „Ein neuer Lebensabschnitt für mich. Ich habe erst wieder lernen müssen, in der Früh um Sieben auf der Baustelle zu sein.“ – Beim so völlig anderen Rhythmus eines Künstlerlebens. Die Handwerker am Bau, schmunzelt Schönberger, hätten ihm natürlich auch Stoff fürs neue Programm geliefert. Oder auch sein Publikum, in das sich der gesellige Künstler nach dem Auftritt gerne mischt.

Auch um die Flüchtlingskrise macht Helmut A. Binser keinen Bogen, wenngleich bei diesem Thema eine besondere Sensibilität des Autors gefragt ist. „Ein schwieriges Thema, das du nicht lustig aufarbeiten kannst. Aber meine Position ist klar: Ich bin dafür, dass wir den Leuten helfen, es kann nicht sein, dass sie an der Grenze im Freien übernachten müssen. Wenn wir Banken retten können, können wir auch Flüchtlingen helfen.“

Sich selbst schafft der 35-Jährige so oft es geht Nischen zum Abschalten. Ruhepole als Ausgleich zum Vagabundenleben. Um sich neue Inspiration zu holen und einzutauchen in die nächste kreative Phase. Der Haidstein ist für „den Binser“ so ein Ort, dem er auch ein Lied gewidmet hat. Passend zu den Attributen, die Martin Schönberger mit dem Rundinger Hausberg assoziiert, ohne Text, nur eine Melodie auf der Quetsch’n, die zum Nachdenken anregen soll.

Dort oben auf 750 Metern Meereshöhe ist Schönberger dem Himmel schon etwas näher – daher der Titel des neuen Programms? Nein, lacht „der Binser“: „Man hat so Glücksmomente – an einem dieser Glücksmomente hab‘ ich gesagt, das ist ja wie im Himmel. Und im nächsten Moment hab‘ ich schon wieder an die Arbeit gedacht.“

Nämlich, dass so ja das neue Stück heißen könnte. „Das ist vielleicht auch Ausdruck dessen, dass mich meine Arbeit so glücklich macht. Auf der Bühne fühle ich mich wie im Himmel, so könnte es weitergehen.“

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