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Hochprozentiges in kleinen Dosen

Annemarie Hastreiter aus Niederrunding besitzt 1500 Schnaps-Fläschchen, die alle eine Geschichte erzählen.
Von Heidi Meier

Annemarie Hastreiter vor ihren Schnaps-Regalen. 1500 Fläschchen stehen dort fein säuberlich geordnet.
Annemarie Hastreiter vor ihren Schnaps-Regalen. 1500 Fläschchen stehen dort fein säuberlich geordnet. Foto: Tschannerl

Runding.Im schmucken Gartenhäuschen von Annemarie und Willi Hastreiter ist es angenehm warm. Die Holzvertäfelung verleiht dem Raum eine gemütliche Atmosphäre, und die Eckbank lädt zum Verweilen ein. Hier lässt es sich aushalten. Doch wer durch diese Tür eintritt, verharrt erst einmal in staunendem Schweigen.

Auf den Ablagen der hier aufgestellten Regale und Schränkchen stehen Unmengen von Spirituosen im Kleinformat. Annemarie Hastreiter hat sie für uns extra gezählt. Es sind sage und schreibe 1500 Stück. Alle sind noch gefüllt und keines gleicht dem anderen. Sind sie sich äußerlich ähnlich, unterscheiden sie sich vom Inhalt.

Von keinem der 1500 Fläschchen hat bisher jemand gekostet, obwohl schon so manche Feier in dem Gartenhäuschen stattgefunden hat. Jeder, der hier Gast sein darf, weiß, dass er die Gastgeberin sehr verärgert, wenn er sich an einem der Fläschchen vergreifen würde, denn diese kleinen Behältnisse mit 20 ml und 40 ml Hochprozentigem sind Annemarie Hastreiters große Leidenschaft. Dabei ist die 75-jährige keineswegs dem Alkohol zugeneigt und sie hat auch nicht vor, irgendwann eine wilde Party zu feiern.

Die ersten Deko-Fläschchen

Angefangen hat alles vor rund 20 Jahren. Das Holzregal im damals neu erbauten Gartenhaus stand noch völlig leer, und Annemarie Hastreiter platzierte dort einige Schnapsfläschchen zur Dekoration. Zu denen gesellten sich bald weitere hinzu; und als das Regal nicht mehr reichte, hatte Frau Hastreiter endgültig die Sammelleidenschaft gepackt. Weitere Regale und Schränke wurden gekauft, und die darin platzierten Spirituosen im Kleinformat kommen mittlerweile aus aller Herren Länder, denn sämtliche Verwandte und Freunde wissen um das ungewöhnliche Hobby der 75-jährigen.

Sehen Sie hier unser Video mit Sammlerin Annemarie Hastreiter aus Niederrunding:

Im Gartenhäuschen von Annemarie Hastreiter stehen Unmengen von Spirituosen im Kleinformat — sage und schreibe 1500 Stück. Video: Tschannerl

Von einem Amerika-Aufenthalt der Tochter stammt beispielsweise eine sehr edel wirkende Glaskugel mit bernsteinfarbenen Inhalt und Krönchen als Verschluss. Andere brachte der Schwiegersohn von Reisen nach Ungarn mit, und Freunde beschenkten die Niederrundingerin mit exquisiten Schnapsfläschchen aus Rhodos, Italien, Slowenien und Sardinien.

Beschwipst mit Hut
Beschwipst mit Hut Foto: Tschannerl

So manche kaufte Annemarie Hastreiter auch selber. Die Produkte der Schnapsbrennereien in der Umgebung gehören selbstverständlich alle dazu. Als ihre Sammlung noch nicht so umfangreich war, war sie bei der Jagd nach neuen Exemplaren öfter erfolgreich. Das kommt aber nur noch selten vor, denn sie kennt jedes ihrer 1500 Stücke in- und auswendig und weiß genau, welches schon zuhause im Regal steht.

Ein großer Teil ihrer Sammlung stammt von den Österreichreisen mit Ehemann Willi. Ganze Serien konnte sie dabei ergattern, wie jene, die aussehen wie Salzburger Mozartkugeln. Sogar die österreichische Kaiserin Sissi musste für einen Verschluss ihren Kopf hinhalten und steht in einer Reihe mit Eichhörnchen und pfeifenrauchenden Almhirten der gleichen Serie.

Die Sammlung von Annemarie Hastreiter in unserer Bildergalerie:

MZ-Serie: 1500 Schnapsfläschchen in Niederrunding

Wenn man sich bei Annemarie Hastreiter umsieht, entdeckt man Schnapsfläschchen für jede Gelegenheit: alkoholische Genesungswünschen eingepackt in einen kleinen Gipsfuß mit der Aufschrift „Hals- und Beinbruch“, einen hochprozentigen Weihnachtsmann, likörgefüllte Geburtstagszahlen, und auf dem Kühlschrank steht ein Adventskalender – natürlich mit Spirituosen hinter jedem Türchen.

Vorsicht bei Plastikflaschen!

Manche Stücke sind aus Sonderproduktionen für Vereine oder zeigen die bevorzugten Sportarten des Verwandtenkreises der Niederrundingerin – wie Kegeln oder Fußball. Eigentlich begeistert sich Annemarie Hastreiter mehr für die kleinen Flaschen, aber manche größeren Exemplare schaffen es durch ihr aufwendiges Äußeres trotzdem in die Sammlung, wie etwa der filigrane, aus Glas bestehende Braunbär mit 100 Milliliter Inhalt.

Die Sammlerin

  • Familie

    Annemarie Hastreiter aus Niederrunding ist 75 Jahre alt und verheiratet mit Willi Hastreiter, Altbürgermeister und Ehrenbürger der Gemeinde Runding. Das Paar hat zwei Töchter und einen Enkelsohn.

  • Kleinformat

    Seit rund 20 Jahren sammelt Annemarie Hastreiter vor allem Spirituosen im Kleinformat mit 20 und 40 Milliliter. 1500 Fläschchen dieser Art hat sie bereits.

  • Herkunft

    Neben ihren Schnapsfläschchen aus allen Teilen Deutschlands kommen ihre Stücke unter anderem aus Amerika, Ungarn, Österreich, Tschechien, Griechenland, Italien (Rom und Sardinien) und Spanien.

  • Underberg

    Eine der ersten und bekanntesten Schnapsflaschen in Miniaturausgabe kommt von der Firma Underberg. Emil Underberg kam in den 40er Jahren auf die Idee, den Kunden seinen Kräuterschnaps in der „optimalen Menge“ anzubieten.

  • Verein

    Manche Spirituosenhändler stellten die kleinen Flaschen auch als Probierportionen her. Den Verein Miniaturflaschensammler Deutschland e.V. mit rund 80 Mitgliedern gibt es seit 1989. (cmi)

Überhaupt sind ihr die aus Glas lieber – bei den Plastikbehältnissen besteht die Gefahr, dass sich der Inhalt über die Jahre verflüchtigt. Und prompt entdeckt sie einen kleinen Maßkrug, dessen Deckel anscheinend nicht ganz dicht war. Der Inhalt ist weniger geworden, und die Konsistenz erinnert an Pudding. „Den muss ich leider wegschmeißen.“

Was ist eigentlich, wenn sie ein Schnapsfläschchen geschenkt bekommt, dessen Doppelgänger schon im Regal steht? „Dann freuen sich die Freunde beim nächsten gemeinsamen Ausflug“, lacht die 75-jährige. Ein ausgewähltes Lieblingsexemplar gibt es für sie nicht.

„Sprit“ im Benzinkanister

Ihr siebenjähriger Enkel Simon hingegen weiß ganz genau, welche ihm am besten gefallen – der Leuchtturm von der Ostsee und das kleine weiße Klosett mit der Aufschrift „Kleiner Lokus“. Auch die drei winzigen Benzinkanister findet er toll. Recht viel Platz für neue Errungenschaften ist allerdings nicht mehr vorhanden. Falls sich die Sammlung weiter ausbreitet, müssten einfach die in den zwei unteren Regalen stehenden Bierkrüge weichen.

Alle Berichte unserer Sammler-Serie lesen Sie hier.

Da kennt sie keine Gnade, schon etliche Zinnkrüge wanderten aus Platzmangel in den Müll, rund 40 Steinkrüge durften „noch“ bleiben. Ehemann Willi, Altbürgermeister und Ehrenbürger der Gemeinde Runding, zeigt dafür Verständnis. Er hat die Sammlung seiner Frau um so manches Exemplar ergänzt und freut sich mit ihr, wenn wieder ein neues hinzukommt, denn längst hat Annemarie Hastreiter ihre ganze Familie mit dem Sammelfieber infiziert.

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