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Festtag

Da braut sich etwas zusammen

500 Jahre Reinheitsgebot sind auch in Rhan ein Grund zum Feiern – und Anlass, eine Lanze für das Reinheitsgebot zu brechen.
Von Petra Schoplocher

Mit dieser Aufnahme sind Stefanie und Dr. Alois Plößl in der Ausstellung „Die Wächter des Reinheitsgebots“ vertreten. Menschen, die „in Bayern Bier machen“, wurden dafür in außergewöhnlichen Situationen fotografiert. Mittlerweile gibt es auch einen Bildband von dem zweijährigen Projekt.
Mit dieser Aufnahme sind Stefanie und Dr. Alois Plößl in der Ausstellung „Die Wächter des Reinheitsgebots“ vertreten. Menschen, die „in Bayern Bier machen“, wurden dafür in außergewöhnlichen Situationen fotografiert. Mittlerweile gibt es auch einen Bildband von dem zweijährigen Projekt. Foto: Brauerbund

Schönthal.Die Fotos sind teils sehr gewagt, der Titel für den ein oder anderen ebenso: „Wächter des Reinheitsgebots“ heißt die Ausstellung, in der 100 Bilder von Brauern gezeigt werden. Unter ihnen: Rhanerbräu-Chef Dr. Alois Plößl und seine Frau Stefanie. „Ich sollte unbedingt mit auf’s Foto, weil sie ohnehin so wenig Frauen hatten“, erzählt sie. Die außergewöhnliche Pose war eine Idee von Fotograf Sead Husic, der zwei Jahre in ganz Bayern unterwegs war, um die Menschen hinter dem bayerischen Grundnahrungsmittel in Szene zu setzen.

Die Fotodokumentation, die als Ausstellung auch in Straubing zu sehen sein wird, ist ein Bekenntnis der bayerischen Brauwirtschaft zum Reinheitsgebot. Auf die Idee, nicht mitzumachen, wäre er gar nicht gekommen, erklärt Dr. Alois Plößl, dem das Reinheitsgebot sehr am Herzen liegt. Gerade auch, weil er in den vergangenen Jahren in die Craftbier-Szene eingetaucht ist. „Es ist schon unglaublich, was innerhalb der Reinheitsgebot-Vorgaben möglich ist“, schwärmt der Unternehmenschef, der zugleich Braumeister ist.

Neue Bierfreunde gesucht

Beste Beispiele, was unter Einhaltung der Zugabenverordnung vom 23. April 1516 „zusammengebraut“ und zu besonderem Genuss werden kann, haben die Rhaner in den vergangenen Wochen hergestellt. Am kommenden Samstag, wenn „500 Jahre Reinheitsgebot“ gefeiert werden, dürfen sich Bierfreunde und solche, die es dank der neuen Szene erst noch werden wollen, selbst ein Bild von verschiedenen Craft-Bieren machen.

Hopfen und Malz, Gott erhalt’s. Dabei gibt es für den Laien unglaublich viele Arten von Gerste, dem Folgeprodukt nach dem Mälzen. Die Plößls testen eine Auswahl von verschiedenen Röstungen.
Hopfen und Malz, Gott erhalt’s. Dabei gibt es für den Laien unglaublich viele Arten von Gerste, dem Folgeprodukt nach dem Mälzen. Die Plößls testen eine Auswahl von verschiedenen Röstungen. Foto: Schoplocher

Plößl ist begeistert, was die Craft-Bier-Bewegung – statt der ursprünglichen Definition „Handgemacht“ trifft es die Spezialität vielleicht am besten - angestoßen hat. Allein bei der Gerste ist die Auswahl viel größer als früher - mit entsprechenden Auswirkungen auch auf vergleichsweise kleine Brauereien wie die in Rhan. Hatte diese in früheren Jahren drei oder vier Gerstensorten im Haus, darunter Pilsner Malz als gängiges Basisprodukt oder Münchener Malz mit seiner stärkeren Farbtiefe für dunklere, intensivere Sorten. Mittlerweile stehen stets etwa zehn zur Auswahl, darunter so vielversprechende Namen wie „Chocolate Malz“. Dieses heißt nicht nur so, sondern schmeckt auch so“, sagt der Brauereichef.

Plößl, der sich aus Anlass 500 Jahre Reinheitsgebot noch einmal intensiv mit der Materie befasst hat, könnte wahrscheinlich allein über die Kunst des Mälzens aus dem Stegreif eine Stunde referieren. „Das ist eine totale Wissenschaft geworden“, sagt er und liefert die Erklärung gleich nach: Die Brauer seien schlicht viel anspruchsvoller geworden.

„Kein Einheitsgebot“

Allein durch die verschiedenen Gerstenmalze (natürlich gingen auch Weizen oder Dinkel) lässt sich erahnen, wie viele Stellschrauben der Braumeister drehen kann. „Deshalb ist das Reinheitsgebot kein Einheitsgebot“, definiert der Chef von Ostbayerns ältester Familienbrauerei. „Herauszukitzeln, was geht“, sieht er als schöne ´`Herausforderung. Neben einem obligatorischen Festbier wird sein Haus am Samstag sechs neue Biere präsentieren, eines davon durfte im Cognacfass reifen. Auch „Chocolate Malz“ war im Einsatz, will er Neugier wecken. Gerade durch Craft-Biere, so meint er, könnten sich auch diejenigen ködern lassen, die bis dato mit dem bayerischsten aller Getränke nichts oder wenig am Hut hätten. Bestätigt sieht Plößl sich in dieser Einschätzung durch die Gastronomie. Er höre immer wieder, dass zu einem guten Essen statt eines Rotweins ein spezielles Bier empfohlen und getrunken werde. Das sei schon toll.

Ebenso beeindrucke ihn die Bereitschaft von „klassischen“ Bierkunden, sich auf Neues einzulassen. „Macht Spaß“, fasst er zusammen und schwärmt von „Fachgesprächen“, in denen er erklären kann und darf, warum ein Craft-Bier eben genauso schmecke und nicht anders.

Rhan feiert das Reinheitsgebot

  • Das Fest

    Am Samstag, 23. April, feiert die Brauerei Rhan „500 Jahre Reinheitsgebot“.

  • Mittagessen

    Die Feuerwehr Döfering kümmert sich ab 11 Uhr um das Mittagessen – es gibt bayerische Schmankerln.

  • Kaffee und Kuchen

    Für Kaffee und Kuchen zeichnet wieder der Waldkapellenverein verantwortlich.

  • Sonderstempel

    Das Sonderpostamt samt Sonderstempel wird um 13 Uhr von Bundestagsabgeordnetem Karl Holmeier eröffnet. Verkauft wird die Sonderbriefmarke zu „500 Jahren Reinheitsgebot“. Individueller wird die Post durch Postkarten mit Rhaner Bierhoheiten.

  • Autogrammstunde

    Königin und Prinzessinen laden später zur Autogrammstunde ein.

  • Podiumsdiskussion

    Eine Podiumsdiskussion um 14 Uhr hat das Thema „Bier - das bayerische Kulturgut“. Neben Karl Holmeier werden sich die Rhaner Bierhoheiten, Chef Dr. Alois Plößl und der Braumeister und weitere Gäste austauschen.

  • Craftbier-Area

    Die Craftbier-Area wird sich gut bestückt zeigen. Eines der Biere ist mit Spalter Comet Hopfen gebraut worden - dieser kommt ursprünglich aus den USA.

  • Hautnah beobachten können Besucher die Abfüllung des Sondersuds.

  • Verlosung

    Verlost werden die letzen Karten für den Auftritt von da huawa da meier und i am Sonntag Abend.

  • Kinderprogramm

    Für Kinder gibt es ein buntes Programm aus Bierkistl-Rollbahn und Schminken.

  • Luftballon-Wettbewerb

    Beim Luftballon-Wettbewerb dürfen die Kleinen um 17 Uhr ihre bunten Glücksbringer steigen lassen.

  • Zeitreise des Rhanerbräu

    Führungen in die „Zeitreise des Rhanerbräu“ werden zwischen 14 und 18 Uhr fortlaufend angeboten.

  • Brotzeit und Abendessen

    Die Blaskapelle der FFW Döfering sorgt ab 16 Uhr für Stimmung bei Brotzeit und Abendessen. (ps)

Volles Programm am Samstag

Nicht nur deshalb dürfte es Chef Plößl und seinen Braumeistern am Samstag nicht langweilig werden. Bei einer Podiumsdiskussion zum Reinheitsgebot wollen die Experten Stellung beziehen, auch am Sonderpostamt werden sie das ein oder andere Mal vorbei schauen.

Lesen Sie hier: Ein Gespräch mit Dr. Alois Plößl, Chef von Rhanerbräu in Rhan, über das Reinheitsgebot und warum es noch zeitgemäß ist

„Natürlich ist es ein Fest, aber der Anlass ist uns wirklich ein Herzensanliegen“, sagen Stefanie und Alois Plößl unisono - wie sie auch froh sind, dass sich mit dem Waldkapellenverein und der Döferinger Feuerwehr bestens eingespielte Teams um das Besucherwohl kümmern. „Ein echt gutes Zusammenspiel“, sagt Steffi Plößl und erzählt, dass die Vorbesprechung für das Fest nur ein paar Minuten dauerte, weil jeder weiß, was zu tun ist und das auch jeder gerne tut. Festbier und Craft-Bier in trautem Nebeneinander – vielleicht ist genau das der Weg in eine Zukunft mit dem Reinheitsgebot.

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