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MZ-Serie

Falsche Gespräche mit dem „süßen Jungen“

Möchtest du mich kennenlernen? Wie sich Erwachsene mit Fakeprofilen das Vertrauen von Kindern und Jugendlichen erschleichen.
Von Birgit Zwicknagel

Oft folgen nach kurzer Zeit Forderungen nach freizügigen Bildern — verbunden mit der Bitte, in Whatsapp weiter zu schreiben, weil man da ungestört ist.
Oft folgen nach kurzer Zeit Forderungen nach freizügigen Bildern — verbunden mit der Bitte, in Whatsapp weiter zu schreiben, weil man da ungestört ist. Foto: dpa

Cham.Ich heiße Nick und bin 14 Jahre alt. Möchtest du mich kennenlernen?“ Unter der Nachricht ein Selfie, das einen circa 14-jährigen, süßen Jungen zeigt. Die Kinder/Jugendlichen, die mich kennen, senden mir bereits reihenweise Screenshots von solchen Typen mit der Frage, ob der „echt“ ist. Bei einer kurzen Überprüfung stelle ich in 99 Prozent aller Fälle fest, dass der Junge natürlich nicht echt ist, ein Fake also.

Dahinter steckt in der Regel ein Erwachsener, der sich mit diesen Fotos das Vertrauen der Teenager erschleichen will. Ich informiere die Kinder und sie löschen/blockieren dann auch sofort diese Typen. Die anderen Teens, die mich nicht kennen, fallen jedoch meistens auf diese Fakes rein, fühlen sich geschmeichelt und beginnen dann ein Gespräch mit dem „süßen Jungen“. Oft folgen dann nach kurzer Zeit Forderungen nach freizügigen Bildern, verbunden mit der Bitte, in Whatsapp weiter zu schreiben, weil man da ungestört ist.

Jungs sind vermehrt Opfer

Seit einiger Zeit erwischt es nicht nur die Mädchen, sondern auch die Jungs sind vermehrt Opfer dieser Fakeprofile. Hier tarnen sich die Täter dann natürlich als Mädchen. Oft dauert es sehr lange, bis die Opfer wirklich misstrauisch werden. Doch dann haben sie bereits Fotos oder Videos von sich geschickt. Nicht selten folgt dann die Erpressung, dass der Täter das veröffentlicht, wenn die Kinder versuchen, ihn zu blocken oder ihn zu verraten.

Eine Zwickmühle und unerträgliche Situation für die Teenager. Mit den Eltern wollen die meisten nicht reden – peinlich, Angst vor Strafen u.ä. sind die Gründe. Das finde ich persönlich sehr traurig, denn man sollte seinen Kindern immer das Gefühl vermitteln, für sie da zu sein – auch wenn „solche“ Probleme auftauchen. Leider reicht in den wenigstens Fällen die Beweislage aus, um mit Hilfe der Polizei etwas zu unternehmen.

Reden, reden, reden

Und hier mein Rat: Fragen Sie mal nach, mit wem Ihre Kinder kommunizieren! Bieten Sie ihnen an, für sie da zu sein, wenn doch mal was Unangenehmes passiert. Hilfe statt Strafe ist das Zauberwort und REDEN, REDEN, REDEN. Geben Sie den Kindern unsere Kontaktdaten, damit sie einen Ansprechpartner haben, wenn es um diese Themen geht. Klären Sie Ihre Kinder ohne Beschönigung auf, dass eben nicht jeder im Netz „nett“ ist…

Eure „Computermaus“ Birgit

Einmal im Monat macht Birgit Zwicknagel im Bayerwald-Echo auf ein Problem im Netz aufmerksam.
Einmal im Monat macht Birgit Zwicknagel im Bayerwald-Echo auf ein Problem im Netz aufmerksam. Foto: Computermäuse

Birgit Zwicknagel hält in Schulen regelmäßig Vorträge über Gefahren im Internet. Einmal im Monat macht Birgit Zwicknagel vom Verein Computermäuse im Bayerwald-Echo auf ein Problem im Netz aufmerksam und schildert, wie sich Jugendliche und Eltern vor unerwünschten Zu- oder Übergriffen schützen können.

Hier lesen Sie Zwicknagels Geschichte über Cybermobbing.

Hier lesen Sie weitere Meldungen aus dem Landkreis Cham.

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