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Pornografie – Gefahr in der Grundschule

Ein Thema, das oft totgeschwiegen wird, greift Birgit Zwicknagel auf. Sie sagt: Sucht nach Cybersex ist ein Problem.
Von Birgit Zwicknagel

Der Weg zu einschlägigen (auch kostenpflichtigen) Pornoseiten im Netz ist nicht weit. Symbolfoto: dpa
Der Weg zu einschlägigen (auch kostenpflichtigen) Pornoseiten im Netz ist nicht weit. Symbolfoto: dpa

Cham.Statistiken sagen, dass die Anzahl der Jugendlichen ab 13, die mit Pornografie bereits in Berührung gekommen sind, bei 60 bis 80 Prozent liegt. Gerade in der Pubertät erwacht die sexuelle Neugierde. Das Internet bietet dafür scheinbar alle Antworten – mit nur wenigen Klicks. Der Weg zu einschlägigen (auch kostenpflichtigen) Pornoseiten im Netz ist da nicht weit. Die Reaktionen sind oft unterschiedlich: bei Jungs vor allem Neugierde, bei Mädchen eher Abscheu.

Besonders bedenklich ist hierbei, dass das heutige Bild-/Videomaterial so extrem ist, dass das vor 10 bis 15 Jahren bekannte „Hardcore“ heute nur noch „Mainstream“ ist. Ansichten über echte Sexualität werden oft komplett verzerrt. Und vor allem Bilder über Zoophilie oder andere abnorme Handlungen können extremen Schaden anrichten.

Ein 13-Jähriger hat mir kürzlich erzählt, dass er diverse Videos auf dem Handy gespeichert hatte und dann von seiner Mutter überrascht wurde. Er gab zu, dass das schon eine Art Sucht war – er konnte einfach nicht aufhören. Sucht nach Cybersex ist übrigens auch bei vielen Erwachsenen inzwischen ein Problem!

Hilfe suchen, ist nicht peinlich!

Dass wir immer häufiger Opfer im Grundschulalter haben, zeigen mehrere Vorfälle der jüngsten Zeit, wo schon Erstklässler betroffen waren. Schnell mal im Kinderzimmer auf dem Tablet gesurft oder am Laptop rumgesucht und schon landen bereits 6- bis 9-Jährige auf Seiten mit pornografischen Inhalten. Diese Bilder bekommen die Kinder nicht mehr aus dem Kopf und die Eltern haben dann die leidliche Aufgabe, ihrem Kind im zarten Kinderalter das Gesehene zu erklären. Erklären Sie mal „kindgerecht“ einem sechsjährigen Mädchen Pornografie…

Einmal im Monat macht Birgit Zwicknagel im Bayerwald-Echo auf ein Problem im Netz aufmerksam.
Einmal im Monat macht Birgit Zwicknagel im Bayerwald-Echo auf ein Problem im Netz aufmerksam. Foto: Computermäuse

Gern werden diese Themen aus Scham totgeschwiegen und die meisten fühlen sich peinlich berührt, wenn wir als Computermäuse das Thema auf den Tisch bringen. Es ist jedoch keine Lösung, das Kind mit dem Gesehenen allein zu lassen! Unser Tipp, wenn Sie solche Inhalte bei Ihrem Kind entdecken: Klären Sie Ihr Kind richtig auf und beantworten Sie offen alle Fragen, die Ihr Kind zum Thema Sexualität hat. Dann muss es die Antworten nicht im Netz suchen.

Begleiten Sie Ihre (vor allem kleinen) Kinder beim Surfen im Netz. Internet hat im Kinderzimmer nichts verloren. Nutzen Sie die angebotenen Sicherheitseinstellungen Ihrer Geräte (Jugendschutz etc.). Und wenn Sie nicht weiter wissen: FRAGEN Sie! Hilfe zu suchen, muss nicht peinlich sein und es stellt auf keinen Fall Ihre Erziehung infrage.

Hier lesen Sie weitere Teile unserer Serie „Probleme im Netz“

Hier lesen Sie weitere Meldungen aus dem Landkreis Cham.

Die Computermäuse

  • Serie

    Einmal im Monat macht Birgit Zwicknagel im Bayerwald-Echo auf ein Problem im Internet aufmerksam. Sie schildert, wie sich Jugendliche und Eltern vor unerwünschten Zu- oder Übergriffen schützen können. Birgit Zwicknagel (46) hat selbst drei Kinder, die mittlerweile 19, 22 und 23 Jahre alt sind.

  • Technik

    Die Stamsriederin beschreibt sich selbst als stark technikaffin. „Ich hab mich schon immer für Technik begeistert und kenne alle gängigen Betriebssysteme seit dem C64.“ Wenn es um Handys oder die Anwendung von mp3 oder DAB ginge, sei sie immer bei den ersten Nutzern in der Region gewesen. Sie sei auch diejenige, die in der Familie die neuen Geräte in Betrieb nehme.

  • Erfahrung

    Ihre erste Anregung für die Gefahren mit neuen Medien erhielt Birgit Zwicknagel durch ihre Tochter, die damals die 5. Klasse besuchte. Ein Lehrer hatte damals Internetadressen für alle Schülerinnen angelegt. Das Muster lautete „Vorname.Name-Klasse @ gmx.de“.

  • Gefahr

    Dem Lehrer sei damals nicht bewusst gewesen, dass er so Geschlecht und Alter seiner Schülerinnen schon mit der Adresse preisgab und die Kinder selbstverständlich ihre neue Adresse nutzten, um sich auf allen möglichen Plattformen anzumelden.

  • Verein

    Aus dieser Anregung entstand später der Verein „Computermäuse“ und die Homepage „www.clever-ins-netz.de “.Hier werden Beratung und Vorträge angeboten, aber auch schon viele erste Vorschläge und Tipps gegeben.

  • Motivation

    „Meine Motivation ist es, Menschen mit meinem Wissen helfen zu können, die selber wenig oder keine Ahnung haben!“ (ik)

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