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Technik

360-Grad-Kugel-Panoramen mit Flugroboter

„Das gibt es selbst bei Google noch nicht“: Der 25-jährige Matthias Eiban aus Irlach hat eine raffinierte App entwickelt.

Ein Luftpanoramabild der Kreisstadt Cham: Die Technik und Raffinesse von Matthias Eiban macht es möglich.
Ein Luftpanoramabild der Kreisstadt Cham: Die Technik und Raffinesse von Matthias Eiban macht es möglich. Foto: QXXQ

Tiefenbach.Mächtiger Vollbart, Baseballkappe verkehrt herum auf dem Kopf und eine Fernbedienung in der Hand: Fotograf Matthias Eiban ist kein Unbekannter. Hat er sich doch vor allem mit seinen außergewöhnlichen Luftaufnahmen einen Namen gemacht und seiner vor rund drei Jahren gegründeten Firma QXXQ Studios inzwischen zu einem großen Bekanntheitsgrad verholfen.

Jetzt hat der junge Irlacher dem Tiefenbacher Bürgermeister Ludwig Prögler einen Besuch abgestattet. Dabei „zugegen“ war nicht nur Eibans charmante Schwester Franziska, sondern – wie sollte es anders sein – sein Fluggerät: ein circa 5000 Euro teurer Octocopter DJI Inspire 1.

Faustdicke Überraschung

Was der große Bruder und die kleine Schwester – so steht’s auf der Website von QXXQ zu lesen – zu verkünden hatten, war eine faustdicke Überraschung. Matthias Eiban hat eine App für Apple-Geräte entwickelt, die es ermöglicht, mit einem Flugroboter 360-Grad-Kugel-Panoramen zu erstellen. Erhältlich ist sie in allen Apple-Stores rund um den Erdball.

Ein paar Tage nach dem Verkaufsstart wurde die App schon über 150 Mal heruntergeladen. Überwiegend in den USA, in China, Frankreich und Belgien werde sie bisher genutzt, erzählt der 25-Jährige stolz. „Und das ohne großartige Werbung.“

Etwa 150 Stunden hat Matthias Eiban benötigt, um das entsprechende Programm zu schreiben. Dazu kam noch eine Menge „Papierkram“, denn im Vorfeld waren sowohl Lizenzierungen mit dem Apple-Konzern als auch mit dem chinesischen Drohnenhersteller DJI erforderlich.

Produkt, das von selbst läuft

Darum hat sich hauptsächlich Franziska gekümmert, die somit einen nicht unerheblichen Teil zum Erfolg beigetragen hat. Denn als Erfolg kann man die App „Made in Irlach“ durchaus bezeichnen. Gedacht ist sie in erster Linie für Profinutzer,  und – was ganz wichtig ist – die Eibans haben damit gegenüber der Konkurrenz die Nase vorne.

„Ich wollte ein Produkt entwickeln, das von selbst läuft“, schildert Matthias Eiban im Gespräch mit dem Gemeindeoberhaupt seine Beweggründe, neben der Fotografie sich noch ein weiteres Standbein zu suchen. Dass das tatsächlich geklappt hat, darauf ist er stolz.

Am Rande

Octocopter

Octocopter? – Ich selber mache mit dieser Spezies des mir zunächst unbekannten Flugobjekts an einem Urlaubsmorgen auf der Deutschen liebsten Mittelmeer-Insel...

Bürgermeister Ludwig Prögler mit dem erfinderischen Matthias Eiban und Franziska Eiban: Das Geschwisterpaar präsentiert dem Tiefenbacher Bürgermeister Technik und Konzept aus dem Hause QXXQ Studios.
Bürgermeister Ludwig Prögler mit dem erfinderischen Matthias Eiban und Franziska Eiban: Das Geschwisterpaar präsentiert dem Tiefenbacher Bürgermeister Technik und Konzept aus dem Hause QXXQ Studios. Foto: wpa

Zu Recht, wie Bürgermeister Ludwig Prögler dem sympathischen Geschwisterpaar bescheinigt. Prögler hat den bisherigen Werdegang von QXXQ aufmerksam verfolgt und dafür ein dickes Lob parat. Besonders gefreut hat Prögler die Zusage von Matthias und Franziska, dass der Firmensitz auf alle Fälle in Irlach bleiben wird, auch wenn sie inzwischen viele Aufträge im Raum Regensburg bekommen. Sie stehen eben zu ihrer Heimat und bringen das auch in vielen ihrer Landschaftsaufnahmen deutlich zum Ausdruck.

Weitblick der Landschaft

Was die App genau kann, versucht Matthias selbst für einen Laien verständlich zu erklären. Fotos seien immer auf ihren Bildbereich beschränkt. Vor allem bei Luftbildern sei das aber meist unvorteilhaft, da man doch „den Weitblick der Landschaft bestaunen soll“. Das haben sich Matthias und Franziska zur Aufgabe gemacht und die App für den DJI Inspire 1 entwickelt, mit deren Hilfe der Pilot 360-Grad-Kugel-Panoramen erstellen kann. Dabei werden 21 Luftbilder automatisch zu einem einzigen gigantischen Luftbild zusammengefügt, das es ermöglicht, einmal rundum zu blicken. „Vorstellen kann man sich das so ähnlich wie Google Street-View, nur eben aus der Luft“, sagt der 25-jährige Tüftler.

Sind die Bilder einmal gemacht, werden sie auf einer Speicherkarte gespeichert und anschließend an den Server von QXXQ geschickt, wo sie gehostet werden. Der Nutzer kann sich die Bilddateien von dort downloaden und weiter verwenden. „Das gibt’s selbst bei Google noch nicht“, rückt Matthias seine Erfindung, die inzwischen in den entsprechenden Internetforen für reichlich Furore sorgt, ins rechte Licht.

QXXQ – keine tiefere Bedeutung

Bleibt die Frage nach dem doch etwas seltsamen Firmennamen. Auch dafür gibt’s eine Begründung: Matthias hat sich 2007 für seinen Bastel-Blog im Internet einen kurzen Namen gesucht. Da die „coolen Domain-Namen“ bereits alle vergeben waren, hat er sich eben für einen fiktiven Begriff aus zwei Buchstaben entschieden. Daraus entwickelte sich schließlich QXXQ.de. Dieser bot sich dann auch für die neue Firma an, da mit QXXQ schon eine gewisse Reichweite erzielt werden konnte. Eine tiefere Bedeutung stecke nicht dahinter. Mit dem Zusatz Studios lasse sich außerdem das Dienstleistungsspektrum erahnen. „Im Endeffekt wird aber immer von dem Bärtigen aus Irlach mit dem komplizierten Firmennamen gesprochen“, sagt Matthias mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

Grund zum Grinsen hat er. Seit rund dreieinhalb Jahren betreibt der gelernte Bürokaufmann und Informatiker die Fotografie nun schon mit wachsendem Erfolg; zuerst nebenberuflich und seit rund eineinhalb Jahren hauptberuflich. Er ist – wie bereits erwähnt – das Gesicht von QXXQ, ebenso wie seine Schwester Franziska, die sich hauptsächlich um die Schreibarbeiten kümmert, aber auch mit der Kamera ihren Bruder nach Kräften unterstützt.

Außerdem fungiert sie dann und wann als Fotomodel, wenn Matthias wieder mal eine nicht alltägliche Idee für ein Fotoshooting oder einen Kurzfilm im Kopf hat. Und wer ihn kennt, der weiß, diese Ideen dürften ihm so schnell nicht ausgehen. (wpa)

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