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Eine Etage für jede Generation

Mit Regina Arbasowsky leben ihr Vater, ihre Tochter und ihre Enkelinnen im gleichen Haus. Sie genießen ein besonderes Glück.
Von Petra Schoplocher

Besondere Momente: Vier Generationen genießen die Zeit miteinander. Regina Arbasowsky, ihr Vater Rolf Breitkreuz und ihre Tochter Alexandra Arbasowsky mit Lea, Mia und Robert Lackerschmid
Besondere Momente: Vier Generationen genießen die Zeit miteinander. Regina Arbasowsky, ihr Vater Rolf Breitkreuz und ihre Tochter Alexandra Arbasowsky mit Lea, Mia und Robert Lackerschmid Foto: Schoplocher

Tiefenbach.81 Jahre liegen zwischen Lea und ihrem Urgroßvater Rolf. 81 Jahre, aber nur ein Stockwerk. Denn zusammen mit ihrer Mama Alexandra und ihrer achtjährigen Schwester Mia wohnt die kleine Tiefenbacherin im gleichen Haus wie der 85-jährige Senior der Familie. In der Etage zwischen ihnen lebt noch Tochter Regina Arbasowsky, der das Vier-Generationen-Haus gehört.

„Ich kriege nur selten Prügel“, antwortet Rolf Breitkreuz auf die Frage, ob er sich denn „hier“ wohlfühle. Nach dem Tod seiner Frau beschloss der Bielefelder vor drei Jahren, zu seiner Tochter zu ziehen. Dass ihm die Nähe seiner Liebsten gefallen würde, war dem Elektriker klar. Doch der Umstand, „dass ich für jede Schraube, die ich brauche, weiter fahren muss“, blieb länger gewöhnungsbedürftig. In Bielefeld war alles um die Ecke...

Das gehöre aber nicht zur Lebensqualität, unterstreicht der 85-Jährige, der es nicht zuletzt auch für seine Urenkel als Vorteil ansieht, in einer ländlichen Region aufzuwachsen. Nachdem Regina Arbasowsky erklärt, dass die Versorgungslage rund um den täglichen Bedarf inklusive Arzt, Apotheke, Kindergarten und Schule– für Lea und Mia sogar fußläufig erreichbar – in Tiefenbach doch sehr gut sei, bittet Rolf Breitkreuz nachdrücklich, „doch das Waldbad nicht zu vergessen, so was ist nicht alltäglich“.

Zuzug nach Tiefenbach

  • Einwohner

    Mehr Zu- als Wegzüge hat die Gemeinde Tiefenbach im vergangenen Jahr verzeichnet. Das helfe, die Lücke zwischen Sterbefällen und Geburten zu schließen, wie Bürgermeister Ludwig Prögler erklärt. Die Einwohnerzahl Tiefenbachs hält sich dadurch relativ konstant.

  • Werbung

    Das aktive Werben um neue Bürger findet vorrangig über die Homepage und Urlaubsgäste, denen die Region gefällt, statt. In Planung ist zudem eine Infobroschüre. „Wir versuchen, unsere Vorzüge darzustellen“, erklärt Ludwig Prögler.

  • Fahrenweiher

    Dazu zählt der Rathauschef vor allem auch die Landschaft. In Fahrenweiher leben derzeit 66 Personen. Auch Familie Arbasowsky ist in dem Ortsteil zuhause. Als letzter stieß Rolf Breitkreuz vor drei Jahren zu seiner Tochter Regina.

  • Erfolgsmodell

    Vier Generationen unter einem Dach, das sei zwar selten, gebe es aber in Tiefenbach öfter, sagt Ludwig Prögler. Wenn es in der Familie stimmt, sei das ein Modell, von dem alle profitieren. Prögler kennt mehrere dieser „Familien-Erfolgsmodelle“. (ps)

Nicht alltäglich – das sind zwei Worte, die an diesem wunderbaren Sommernachmittag öfter im Garten des Vier-Generationen-Hauses fallen. Nicht alltäglich sei beispielsweise die Hilfsbereitschaft. „Die sind sowas von offen“, sagt Breitkreuz über Nachbarn und Dorfbewohner. Als nicht alltäglich berichtet Regina Arbasowsky, wie leicht es gefallen sei, Kontakte zu knüpfen. Denn: „Wenn ich mich hier wohlfühlen will, ist ein Freundeskreis wichtig“, unterstreicht die 63-Jährige.

Als Ferienhaus und Rückzugsort hatte sie zusammen mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann Siegfried das Haus gekauft. Zuvor stand der Wohnwagen den Winter über am Perlsee, auf den das Ehepaar über ihre Schwiegereltern in Roding aufmerksam geworden war. „Wir mussten uns als Familie einfach wieder spüren“, berichtet sie von der anstrengenden und anspruchsvollen Arbeit, die die Arbasowskys mit der Leitung einer Familienwohngruppe in München hatten – und die sie stets als Berufung sahen.

Zuhause auf Zeit für Jugendliche

Der Wunsch nach einem eigenen Haus ließ sich in und um Bielefeld nicht umsetzen, erinnert sich Regina Arbasowsky. So seien sie schließlich auf das Anwesen in Fahrenweiher gestoßen, in das sie auch später immer wieder Jugendliche aus ihrer Wohngruppe mitgenommen hätten und das Regina Arbasowsky sofort haben wollte, als sie den offenen Kamin und die Panoramafenster entdeckt hatte.

Nach dem Tod ihres Mannes 2002 pendelte die Erzieherin zwischen München und dem kleinen Tiefenbacher Ortsteil. Zuletzt hatte sie ihr Arbeitspensum auf 20 Wochenstunden und damit zwei Tage in der Landeshauptstadt reduziert, seit wenigen Wochen ist sie Rentnerin. „Das fühlt sich super an“, schwärmt sie und ist froh, dass sie jetzt noch mehr Zeit für’s Wandern („es ist verflixt schön hier“), aber natürlich auch die Familie hat.

Der erklärte Lieblingsplatz: Mia (links) und ihre Schwester Lea
Der erklärte Lieblingsplatz: Mia (links) und ihre Schwester Lea Foto: Schoplocher

Auch, wenn sie oft und gerne Fahrdienste übernimmt – wie auch ihr Vater – freut sie sich auf den Tag, an dem Tochter Alexandra ihren Führerschein in Händen hält. „Dauert nicht mehr lange“, verrät die 35-Jährige. Während sie ihren Beruf mit Ziergartenfachwerkerin angibt, ist ihr Opa da anderer Auffassung: „gute Mutter zweier süßer Kinder“, müsse da stehen, meint der Senior.

Probleme mit dem Dialekt

„Mia spricht Hochdeutsch“, sei im Erstklasszeugnis ihrer Enkelin gestanden, steuert Regina Arbasowsky vergnügt bei, als das Thema auf den Dialekt hier kommt. „Münchnerisch ging ja noch“, sagt Rolf Breitkreuz leicht frustriert und verrät, dass er trotz Bemühens mehr als einmal schon nicht mitgekommen sei. Die Sprache und die Verkehrsanbindung seien die wohl größten Mankos, wenn man dieses Wort verwenden möchte. „Ohne Auto bist du hier tot“, formuliert es Robert Lackerschmid etwas drastischer. Aber immerhin muss der 38-jährige Vater von Mia und Lea auch öfter mal zum Bahnhof nach Cham kommen, was selbst von Tiefenbach aus einem Abenteuer gleiche. Er sieht die Zeit in Fahrenweiher als „Erholung pur“ und freut sich über dieselbe Ruhe, die Rolf Breitkreuz so gerne auf seinem Balkon und Regina Arbasowsky in der Natur genießen.

Miteinander zu frühstücken und Abend zu essen, sehen alle als besonders wertvolle Momente. Manchmal kommt in diesen all das zusammen, was das Leben der Familie Arbasowsky/Breitkreuz ausmacht. Dass das so schön ist, hat viel mit den Worten „gemeinsam“ und „nicht alltäglich“ zu tun.

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