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Ostern

Volles Osterprogramm für den Pfarrer

Tiefenbachs Pfarrer spricht über verlorene Schäfchen, Probleme mit Energiereserven und warum er an die Auferstehung glaubt.
Von Petra Schoplocher

(Kerzen)Licht spielt nicht nur an Ostern für Pfarrer Albert Hölzl eine entscheidende Rolle. Wenn die Osterkerze in der Osternacht die dunkle Kirche erhellt, ist das auch für den Priester ein ganz besonderes Erlebnis. „Christus hat das Dunkle und den Tod besiegt“. Fotos: Schoplocher
(Kerzen)Licht spielt nicht nur an Ostern für Pfarrer Albert Hölzl eine entscheidende Rolle. Wenn die Osterkerze in der Osternacht die dunkle Kirche erhellt, ist das auch für den Priester ein ganz besonderes Erlebnis. „Christus hat das Dunkle und den Tod besiegt“. Fotos: Schoplocher

Tiefenbach.Pfarrer Albert Hölzl schwört auf heiße Milch mit Honig. Und er singt unter der Dusche, „damit die Stimme da ist“. Die braucht er, schaut man sich das Osterprogramm des Tiefenbacher Geistlichen an. Von Gründonnerstag ,18 Uhr, bis Ostermontag, 11.30 Uhr, ist Hölzl ständig unterwegs, machbar nur mit guter Taktung und noch besserer Planung.

Ostern – das „kostet Kraft, ist aber auch einfach schön, sagt der 43-Jährige über diese besonderen Tage mit ihrer einzigartigen Liturgie, die tiefe Glaubenserlebnisse bereiten kann. Kann – schließlich lassen sich immer weniger Menschen auf Gott und Kirche ein. Das ist zwar in der „Herde“ von Pfarrer Albert Hölzl weniger spürbar als in den Städten, bemerkbar macht es sich aber auch hier. Besonders nachdenklich macht ihn, dass manchmal Menschen aus dem kirchlichem Umfeld verschwinden, die sich jahrelang engagiert haben. Der Geistliche spricht von „schleichender Entfremdung“, in den seltensten Fällen ist ein Austritt eine Ad-hoc-Entscheidung, der man aber trotz Gesprächsangeboten offenbar nichts entgegensetzen kann.

Skandale schlagen durch

Auftakt in besondere Tage: Am Gründonnerstag wusch Pfarrer Hölzl den zehn Kommunionkindern der Pfarrei die Füße. Foto: Scherr
Auftakt in besondere Tage: Am Gründonnerstag wusch Pfarrer Hölzl den zehn Kommunionkindern der Pfarrei die Füße. Foto: Scherr

Oft auch, weil das „Problem“ gar nicht am Ort liege, Stichwort Missbrauchsskandal. „Aber was hat ein Bischof Rudolf oder ein Pfarrer Albert Hölzl damit zu tun?“. Dem Glauben könne das Alles doch nichts anhaben. Überhaupt, Glaube. Glaubt er wirklich an die Auferstehung? „Ganz uneingeschränkt Ja“, sagt der 43-Jährige und erklärt: Anders gäbe es auf die Frage, wofür man auf der Welt sei, keine Antwort. Durch das Erinnern-Können bleiben auch verstorbene Menschen „da“, leben weiter. Dies allerdings in einer für uns nicht begreifbaren Daseinsweise. Weil dieses „irgendwo“ einen Ort brauche, sei Kirche notwendig, ein Anker. Was die Rolle von Kirche und Glauben im Leben der Menschen nicht unbedingt erleichtert, ist der in den vergangenen Jahren immer stärker in den Vordergrund tretende Diensteleistungsgedanke. Man „bucht“ praktisch die Firmung, im Gottesdienst ließ sich aus manchen Familien außer den Jugendlichen niemand blicken. „Wie sollen die Kinder denn da motiviert sein?“, fragt der Priester nachdenklich. Für sich hat er einen Weg gefunden, mit dieser „nicht schönen, aber wahren Realität“ umzugehen: „Ich konzentriere mich mehr auf die, die etwas mit Gott zu tun haben wollen.“

Für die bringt er dann auch (gerne) die Energie auf, das x-te Mal an einem Gebet – er formuliert alle selber – herumzufeilen oder sich viele Gedanken zu den Fürbitten zu machen. Zwar hört er immer wieder, dass dieses Engagement keiner bemerke, würdige und der Aufwand in keiner Relation stünde. „Aber 08/15 gibt es bei mir nicht, das war mir schon immer zu wenig“, erklärt Hölzl. Sein Anspruch verlangt, dass „Alles passen muss“. Anders, als den Dienst mit seinem Leben zu erfüllen, könne er ihn nicht verrichten. „Solange ich mir das bewahren kann, bin ich auf einem guten Weg.“

Pfarreiengemeinschaft und Pfarrer

  • Person:

    Albert Hölzl stammt aus Vohenstrauß und wurde vor fast 17 Jahren zum Priester geweiht. Nach seiner Zeit als Kaplan in Wunsiedel trat er in der Pfarreiengemeinschaft Tiefenbach-Treffelstein-Biberbach seine erste Pfarrstelle an.

  • Gläubige:

    Der Pfarreiengemeinschaft gehören rund 2000 Katholiken an. Tendenz leicht abnehmend, der Gottesdienstbesuch hält sich konstant.

  • Ostersonntag:

    Unter Mitgestaltung des Kirchenchors Treffelstein wird am Ostersonntag um 5 Uhr die Osternachts-Liturgie mit Segnung der Osterspeisen gefeiert. Um 10 Uhr zelebriert Pfarrer Albert Hölzl in Biberbach einen Festgottesdienst.

  • Ostermontag:

    Am Montag sind um 8.30 Uhr die Gläubigen zu einer heiligen Messe nach Tiefenbach eingeladen, um 10 Uhr nach Treffelstein.

Trotz des Kraftaufwands, der Erkenntnis, dass „es offenbar immer etwas zu schimpfen gibt“ und der Tatsache, dass nach mehr als zehn Jahre das einstmals Besondere nichts Besonderes mehr ist, unterstreicht der Geistliche, dass er auch für sich viel Stärke gewinne. Auch, weil es „ die anderen Geschichten“ gibt. Wie die eines Ehepaars aus Eslarn, das 20 Jahre mit der Kirche nichts mehr zu tun hatte/haben wollte. Eher zufällig landeten sie bei einem der Motorradgottesdienste, die Albert Hölzl alljährlich in Steinlohe zelebriert. Seitdem sind die beiden Stammgäste bei den Messen der Pfarreiengemeinschaft. Dass die Eheleute wieder zum Glauben hingefunden haben, tue „unglaublich gut“.

Kirche ist heute noch aktuell

Dass Kirche Menschen durchaus heutzutage noch ansprechen könne, habe er beispielsweise in seiner Kaplan-Zeit erlebt. Innerhalb kürzester Zeit stieg die Zeit derer, die sich bewusst eine „Frühschicht“ gönnten, von 30 auf 120 Leute. Allerdings, und das ist die Einschränkung, die ihm den Alltag wirklich schwermacht: Es fehlt an der Zeit. 75 Prozent seiner Tätigkeit wäre administrativen Aufgaben geschuldet, „schöne Grüße auch vom Datenschutz“, deutet er an. Dass in der Folge nur 25 Prozent für die Seelsorge bleiben: „Klar, das erzeugt Frust“.

Elf Jahre ist Hölzl nun schon in Tiefenbach, ihm ist bewusst, dass er nach spätestens 15 Jahren wegmuss. Und er weiß heute schon, dass er schweren Herzens gehen wird. Trotz+ des Wissens („hart aber wahr“), dass neue Besen gut kehren“ und es beiden Seiten guttun wird. Mit dem Gedanken an den Abschied will er sich aber nicht aufhalten. „Es sind noch viele Dinge, die hier zu tun sind“, betont er. Zunächst Ostern, auf das er sich aus tiefstem Herzen freut, weil es so wunderbar ist. „Ich gehe in die Kirche und feier’ das“. Und gibt Licht weiter.

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