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Der „German Eagle“ träumt vom WM-Titel

David Nachreiner aus Waffenbrunn ist der beste Darter unter 14 Jahren. Beim Chamer Volksfest hat alles angefangen.
Von Anna-Maria Ascherl

David Nachreiner trainiert momentan jeden Tag zwei bis drei Stunden.
David Nachreiner trainiert momentan jeden Tag zwei bis drei Stunden. Foto: Anna-Maria Ascherl

Waffenbrunn.Das laute Aufschlagen von schnell hintereinander geworfenen Dartpfeilen auf der elektronischen Scheibe ist ein sicherer Wegweiser, um David Nachreiner zu finden. Der Zehnjährige trainiert in den Räumen des Parkhotels in Altenmarkt im Moment fast täglich für die Deutsche Meisterschaft am 17. und 18. September in Friedrichroda, Thüringen.

Es ist das erste große Turnier nach seinem Riesenerfolg bei der European Dart Championship, kurz EDF, in Slowenien. Dort hat der Waffenbrunner etwas geschafft, was für ihn noch vor einem Jahr völlig unvorstellbar war: David Nachreiner ist Europameister in der Gruppe der unter 14-Jährigen. Dart ist kein Sport, der in der Familie Nachreiner Tradition hat. Die Mutter hat noch so ihre Probleme mit den komplexen Regeln, der Vater hat vor 25 Jahren mal gespielt – „aber das haben damals ja alle gemacht, Talent hatte ich keins.“

An den Genen kann es also nicht liegen, dass David innerhalb kürzester Zeit vom blutigen Anfänger zum Europameister aufgestiegen ist. Alles begann mit einem Volksfestbesuch vor zwei Jahren, von dem David eine Mini-Dartscheibe mit nach Hause brachte. Voller Tatendrang probierte er den für ihn neuen Sport aus – und trieb das Material der billigen Scheibe an seine Grenzen. „Nach zwei Wochen war sie kaputt“, erzählt der Zehnjährige.

Die erste „Elektro“-Scheibe

180 Punkte mit drei Würfen – darauf kann der Europameister stolz sein!
180 Punkte mit drei Würfen – darauf kann der Europameister stolz sein! Foto: Anna-Maria Ascherl

Die Erlösung kam ein paar Monate später: Zu Weihnachten 2014 bekam David eine „richtige“ Dartscheibe, das heißt eine elektronische. Zuerst hat er nur daheim gedartet und sich im Fernsehen Wettkämpfe angesehen. Dabei hat er sich von den Großen des Dartsports die richtige Körperhaltung und Technik abgeschaut. Schnell hatte er den Dreh raus.

Ein Zufall brachte ihn seinem Weg zum Titelgewinn näher. Beim Fußballtraining für den ASV Cham, dessen Trainingsgelände gegenüber des Parkhotels in Altenmarkt liegt, hat sein Vater Markus Nachreiner einen Freund getroffen: Michael Lankes, den Vorsitzenden des DC Diamond 09 Cham. Der Dartclub trainiert im Parkhotel und hat David mit offenen Armen empfangen. „Ich war total beeindruckt, was er sich selbst beigebracht hat“, erzählt Lankes. „Er hat sich hingestellt wie ein Großer.“

„Er hat sich hingestellt wie ein Großer.“

Michael Lankes

Für ihn ist klar: David ist ein Naturtalent und er wird seinen Weg in den Olymp des Dartsports finden. Seine Leistungen sprechen bereits jetzt für sich, ein Jahr, nachdem er angefangen hat, bei ersten Wettkämpfen anzutreten, Der Zehnjährige ist amtierender Ostbayernmeister (Schüler), Bayerischer Vizemeister (Schüler), Baden Württembergischer Vizemeister (Jugend) und seit 30. August auch Europameister.

Mit zehn Jahren schon Europameister: Wir haben mit David Nachreiner gesprochen. Video: Ascherl

Auf die Frage, ob er seinen Erfolg eigentlich schon richtig realisiert und verarbeitet hat, antwortet er: „Ja schon.“ Und das nächste Ziel hat er bereits fest vor Augen. Bei der Deutschen Meisterschaft will er „auf jeden Fall unter die Top Drei“.

Die Körpergröße fehlt David noch, das Talent ist da. Hier trainiert er mit Marcel Höntsch.
Die Körpergröße fehlt David noch, das Talent ist da. Hier trainiert er mit Marcel Höntsch. Foto: Anna-Maria Ascherl

Dass ihm das ebenfalls gelingen kann, davon ist Marcel Höntsch überzeugt. Er weiß, wovon er spricht. Der Geiselhöringer wirft im E-Dart in der Bezirksoberliga, im Steeldart sogar in der Bundesliga. Auch Höntsch war bei der Europameisterschaft in Slowenien und hat dort den vierten Platz belegt. Nach dem gemeinsamen Training mit David hat er fest an dessen Sieg geglaubt – und recht behalten.

Drei Stunden Training am Tag

Im Moment trainiert der Zehnjährige zwei bis drei Stunden am Tag, ob daheim oder im Parkhotel. Die Tatsache, dass die Schule bald beginnt und er an die Maristen-Realschule wechseln wird, bereitet ihm einiges Kopfzerbrechen. „Die Schule geht vor“, sind sich seine Eltern einig. Und auch Michael Lankes findet: „Die Schule hat Priorität und wenn dort alles passt, dann klappts auch mit dem Trainieren.“

Was man über Dart wissen muss

  • So spielt man

    Es gibt zwei verschiedene Spielweisen – E-Dart und Steeldart.

  • Die Spieler

    Jeder Spieler hat drei Pfeile, Darts genannt. Es gibt Steel- und Soft-Darts.

  • Die Regeln

    Der Abstand des Spielers zur Dartscheibe muss immer 2,37 Meter betragen.

  • Das Ziel

    Die Dartscheibe unterteilt sich in 20 Segmente mit der Wertigkeit eins bis 20. Der Mittelpunkt Single Bull bringt 25 Punkte, der Bull’s Eye 50 Punkte.

Fußball spielt David übrigens immer noch, und das ist auch gut so, denn der Sport ist ein Grund für seinen Erfolg, ist sich Davids Vater, Markus Nachreiner, sicher: „Beim Dart braucht man Kraft und Kondition, da hat das Fußballtraining auf jeden Fall geholfen.“ Auch Profi Marcel Höntsch schließt sich an. Man müsse fit sein, um Dart zu spielen. Die Konzentration, die Kraft, alles muss passen. Was die Kraft angeht, ist bei David noch einiges drin. „Je älter David wird, desto leichter wird es ihm fallen, zu werfen“, sagt Michael Lankes.

Mit zehn Jahren schon Europameister: Wir haben mit David Nachreiner gesprochen. Video: Ascherl

Die Entfernung des Spielers zur Dartscheibe beträgt 2,37 Meter. Ein Erwachsener braucht nur Schwung zu holen, um den Pfeil richtig zu platzieren. Aufgrund seiner Körpergröße braucht David aber erheblich mehr Kraft, um den Pfeil zu werfen. Braucht er die aber irgendwann nicht mehr, kann er seine Spielweise noch verbessern.

Das große Ziel: Las Vegas

Sein großes Lebensziel könnte der Zehnjährige so erreichen – in Las Vegas Weltmeister werden. Dort finden jedes Jahr die Dart-Weltmeisterschaften statt. Bis dahin kann der „German Eagle“ – den Spitznamen hat ihm sein Trainer Mario Hermann verpasst – von seinen Trainern und Freunden noch „viele Kleinigkeiten“ lernen – zum Beispiel das taktisch richtige Rechnen. Die Zeit dafür hat er mit seinen zehn Jahren.

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