MyMz
Anzeige

Die große Welt der kleinen Laster

Christian Huber aus Rhanwalting sammelt Mini-Trucks in allen Varianten. Doch die Trophäenjagd wird immer schwieriger.
Von Gregor Raab

Waffenbrunn.Mit einer Kiste Bier nahm vor knapp zehn Jahren alles seinen Lauf. Sie führte Christian Huber direkt in die Abhängigkeit. Keine Alkoholsucht, wie mancher sofort vermuten würde. Der Rhanwaltinger wurde süchtig nach etwas völlig anderem: Mini-Trucks. „Der kleine Laster, den es als Geschenk obendrauf gab, hatte es mir sofort angetan“, erzählt der 43-Jährige.

Obwohl er inzwischen von dieser Sucht als „geheilt“ gilt, hat er sich von den kleinen Boliden im Maßstab 1:87 etwa 200 Stück zugelegt. „Ich habe sie ehrlich gesagt noch nie gezählt“, meint er schmunzelnd. Mit dem aufkommenden Boom der Mini-Trucks Mitte des letzten Jahrzehnts begann auch Hubers Leidenschaft. Nach dem ersten Exemplar hielt er schon bald in jedem Getränke- oder Supermarkt Ausschau nach den Miniaturausgaben der PS-starken Giganten. Immer wenn es ein Angebot mit Mini-Truck gab, griff er zu. „Ab und zu habe ich gleich drei oder vier Bierkisten gekauft, damit ich noch einige zum Tauschen übrig hatte“, lacht er.

Bruder und Schwager sammeln mit

Rund 200 Mini-Trucks mit den verschiedensten Werbeaufdrücken hat Christian Huber – gezählt hat er sie aber noch nie.
Rund 200 Mini-Trucks mit den verschiedensten Werbeaufdrücken hat Christian Huber – gezählt hat er sie aber noch nie. Foto: Simon Tschannerl

So wuchs seine Sammlung Woche für Woche, während das heimische Getränkelager bald aus allen Nähten zu platzten drohte. Schon bald fand der Sammler in seinem Bruder Karlheinz und Schwager Alfons zwei Gleichgesinnte. „Sie waren ebenfalls vom Truck-Virus infiziert und wir spornten uns gegenseitig an. Jeder wollte die meisten Modelle haben“, sagt Huber. Er selbst konnte bei seiner Jagd nach den kleinen Schätzen auf die Hilfe seiner Getränkehändlerin Bernadette Raab aus Traitsching zählen. Sie kam über ihre Lieferanten sogar an seltene Einzelstücke heran.

Von Vorteil waren auch seine Kontakte zu einem österreichischen LKW-Fahrer, mit dem er durch regen Handel seine Sammlung schrittweise erweiterte. Als der Maschinen-und Anlagenführer noch als Kranführer tätig war, stöberte er oft auf weiter entfernten Baustellen in den Mittagspausen in den Geschäften und machte dort den einen oder anderen interessanten Fang. „Ich war wie besessen von diesen Dingern“, sagt Huber.

Die Begeisterung bemerkten auch seine Freunde. Hin und wieder stand einer von ihnen vor Hubers Haustür, um ihn mit einem neuen Modell zu erfreuen. Daher war es auch nicht verwunderlich, dass er zur Hochzeit mit seiner Michaela mehrerer Mini-Trucks geschenkt bekam. „Diese Trucks haben natürlich einen Ehrenplatz in unserem Haus“, sagt Huber.

Einige Brauereien lassen sich besondere Modelle einfallen.
Einige Brauereien lassen sich besondere Modelle einfallen. Foto: Simon Tschannerl

Voller Stolz präsentiert er seine Errungenschaften. Alle Fahrzeuge sind zwar annähernd gleich groß, unterscheiden sich jedoch deutlich in Aufdruck und Bauart. Viele seiner kleinen Laster stammen von Brauereien. Andere zieren die Logos von Lebensmitteldiscountern. Selbst Keks-, Chips oder Schokoproduzenten werben bunt und auffällig auf den Mini-Brummis. Zwischen den Schmuckstücken stechen auch besondere Raritäten hervor: So thront auf einem Tieflader ein gewaltiger Löwe, der mit einer Pranke in bester Prosit-Manier einen Steinkrug mit perfekter Schaumkrone nach oben hält. Ausgegeben wurde dieses Exemplar von einer Münchner Großbrauerei. Ein Wettbewerber köderte wiederum Kunden mit einem prächtig geschmückten Bierzelt auf dem Anhänger.

Der große Hype ist vorbei

„Das Faszinierende an den Nachbauten ist für mich die Detailtreue und Akribie“, sagt Huber. Einige besondere Exponate bewahrt er noch immer in der Originalverpackung auf, denn ausgepackte Modelle haben bei weitem keinen so hohen Sammelwert mehr. „Man muss aber auch Platz für die Trucks haben“, bekennt er. Bis vor kurzem füllten die Sammlerstücke zwei große Vitrinen in seinem Wohnzimmer. Damit er sie darin alle unterbringen konnte, entfernte er aber die Blister-Umhüllungen aus durchsichtigem Kunststoff. „Der finanzielle Aspekt hat für mich nie eine besonders große Rolle gespielt. Mir war wichtig, dass ich sie betrachten kann.“ Inzwischen befinden sich die meisten Modelle sorgfältig aufeinandergestapelt in zwei geräumigen Stapelboxen: „Nach der Renovierung der Wohnung passten sie nicht mehr ins Gesamtbild. Daher entschieden wir, sie künftig im Abstellraum zu lagern.“

Zur Person

  • Werdegang

    Christian Huber lebt in Rhanwalting. Er wurde am 2. November 1972 in Boden bei Sattelpeilnstein geboren. Nach seiner Schulzeit machte er zunächst eine Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker. Nach einem Intermezzo als Kranführer ist er inzwischen als Maschinen- und Anlagenführer bei einem kunststoffverarbeitenden Betrieb in Cham beschäftigt.

  • Privates

    Seit der Hochzeit mit seiner Michaela lebt er in Rhanwalting. Seinem Heimatort bleibt er weiterhin eng verbunden, beispielsweise als Schützenmeister der Pylsteinia Schützen.

  • Sammelleidenschaft

    Seine Frau sah seine Begeisterung für die Mini-Trucks stets gelassen. „Es war nie leichter für ihn ein Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenk zu finden“, schmunzelt sie. Zu solchen Anlässen ersteigerte sie ohne großen Aufwand im Internet ein neues Exemplar für seine Sammlung. Wie sie erklärt, besitzt aber auch sie ein Faible: Im Keller des Hauses hortet sie ihre umfangreiche Sammlung von Musikinstrumenten.

Die kleinen Boliden sind allesamt im Maßstab 1:87.
Die kleinen Boliden sind allesamt im Maßstab 1:87. Foto: Simon Tschannerl

Der große Hype sei ohnehin vorbei. Es gebe kaum mehr Firmen, die mit Mini-Trucks werben. Eine mögliche Bezugsquellen wären noch Online-Börsen. Zum einen fehle ihm für die Suche aber die Zeit, zum anderen habe der virtuelle Weg bei weitem nicht den Charme, wie die Trophäenjagd im echten Leben. „Wenn sich mal wieder was ergibt, schlage ich noch zu“, meint er. Erst kürzlich erweiterte er wieder seinen Fuhrpark mit einem Modell, das seine Söhne Josef (9) und Jakob (7) auf einem Garagenflohmarkt entdeckt hatten. Apropos Kinder: Konnten die Jungen der Verlockung, mit den kleinen Kostbarkeiten zu spielen, widerstehen? „Natürlich machten die Mini-Trucks einen besonderen Eindruck auf sie. Beide hatten aber schnell gelernt, dass mir die Vitrinen heilig sind“, erklärt Huber. Für sie galt der altbekannte Spruch: „Gucken, nicht anfassen.“

Die Mini-Truck-Sammlung von Christian Huber

Eine Ausnahme gab es aber: Wenn er mal ein Modell doppelt hatte und es nicht mehr gegen ein anderes eintauschen konnte, stellte er es ihnen als Spielzeug zur Verfügung. Auch wenn inzwischen Hubers Interesse an den Mini-Trucks nachgelassen hat, schaut sich der gebürtige Beistoiner seine Sammlung noch immer gern an. „Es hängen viele Erinnerungen daran. An einige Ausfertigungen bin ich nur durch außergewöhnliche Anstrengungen gekommen“, betont er. Daher hat er auch noch keinen Gedanken daran verschwendet, die Kostbarkeiten zu verkaufen. „Da müsste man mir schon einen guten Preis bieten, dass ich ins Grübeln komme“, lacht er. Und wer ist unter den vielen Exemplaren eigentlich sein persönlicher Favorit? „Den gibt es an sich nicht, denn jedes Modell habe etwas Besonderes an sich“, lautet die Antwort. Aber für den großen Fan des FC Bayern München zählen auf alle Fälle die Mini-Trucks mit dem FCB-Vereinswappen zu seinen Prachtstücken.

Weitere Teile unserer Sammler-Serie finden Sie hier.

Hier lesen Sie weitere Meldungen aus dem Landkreis Cham.

Aktuelle Nachrichten von mittelbayerische.de auch über WhatsApp. Hier anmelden: https://www.mittelbayerische.de/whatsapp

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht