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Ein vegetarisches Raubtier im Bayerwald

Ein südamerikanischer Urwaldjäger ist Namensgeber für den Häcksler der Marke Claas – und ist radikal beim Beute zerteilen.
Von Christoph Klöckner

  • Der Jaguar ist ein Vegetarier. Foto: Klöckner
  • Ein Kamerabild zeigt, wo Platz ist. Foto: Klöckner

Cham.Der Jaguar lässt nicht viel übrig von seiner Beute. Bis auf die Größe von einigen Millimetern reißt er sie auseinander, hat kein Erbarmen vor Käfer oder Grashüpfer. Dabei ist er eigentlich ein strikter Vegetarier. Doch so feinfühlig wie sein fleischfressender Namensgeber aus Südamerika ist er nicht, um hier unterscheiden zu können. Was ihm vor die Rolle kommt, wird eingesaugt, zerrupft, geschnitten und wieder ausgespuckt.

In erster Linie ist es Mais oder Gras, was er sich einverleibt. Was er gerade bevorzugt, erkennt der Fachmann an der Schnauze – es gibt ein Maisgebiss und ein Grasgebiss. Sein tierischer Kollege legt sich auf die faule Haut, wenn er genug verschlungen hat – der Jaguar im Bayerwald wird niemals satt.

Florian Zollner lenkt den Jaguar.
Florian Zollner lenkt den Jaguar. Foto: Klöckner

Dompteur des vegetarischen Raubtiers ist heute Florian Zollner – Nachwuchs-Landwirt aus der Scharlau und einer von drei Söhnen von Max Zollner. Dort in der großen Scheune hat der Jaguar sein Zuhause. Und heute hat ihn die Chamer Häckslergemeinschaft raus gelassen und zur Arbeit nach Waffenbrunn, zur Siedlung Kotheben, geführt. Je nach Gebiss kann der Jaguar in einer Breite von 4,50 Meter bis sechs Meter beißen. Er nimmt sich das bereits abgeschnittene und geschwaderte Gras ordentlich zur Brust. Zunächst saugt er es ein, zerschneidet es ruckzuck in kleine Stücke – je nach Programmierung der Häcksellänge – und spuckt es seitlich in einem grünen Schwall voller Grasstaub wieder aus.

Bewegungsdrang bändigen

Wichtig sei, die Höhe genau vorher auszuloten – sonst komme zu viel Schmutz ins Gras, so der 20-Jährige. Während eingesaugte Steine rappeln, aber durchgehen, sind andere Dinge gefährlicher für den Jaguar. Deshalb hat er in seiner Nase einen Metalldetektor. Schlägt der an, beginnt die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen, sagt Florian Zollner. Der Jaguar braucht immer Begleitung und muss dazu seinen Bewegungsdrang bändigen, um das Gras abzuliefern und nicht neben den Ladewagen zu blasen.

Zahlen und Fakten

  • Ein Gigant

    Wer kennt’s nicht? Lange Schlangen hinter Bulldogs, Häckslern oder Güllefässern? Doch was fährt da vor mir? Demnächst, wenn Sie wieder hinter einem Fahrzeug herzockeln, können Sie ihren Beifahrern erzählen, was da für ein Gigant der Landwirtschaft vor ihnen fährt, wofür man ihn braucht und was er alles kann. Heute geht’s um ein unersättliches Raubtier, den Jaguar, dem Häcksler der deutschen Firma Claas.

  • Technischen Daten

    Je nach Typ hat der Jaguar Kraft zwischen 455 und 884 PS. Die werden, wie bei anderen Großgeräten auch, per Multifunktionsgriff und Lenkrad in die richtige Richtung geführt. Alle Schalterfunktionen sind durch logische, selbsterklärende Symbole gekennzeichnet. Es ist ein Datenmanagement integriert, das alles aufzeichnet, was nötig ist. Er ist 3,30 Meter breit – hat also noch 19 Zentimeter Luft zum zugelassenen Maximum.

  • Komfort

    Der grünweiße Jaguar kann Mais oder Gras in Zentimeterstücke zerhäckseln und bietet dabei größten Komfort für den Fahrer. Der Geräuschpegel ist minimal. Lenksäule und Fahrersessel lassen sich vielfältig justieren und anpassen. Sonnenrollos, Klimaanlage, Radio und Getränkekühlfach sind mit an Bord. Komplette Verglasung bietet freie Sicht nach allen Seiten. So gut wie die Augen des tierischen Jägers ist das Beleuchtungskonzept. Kraftvolle Scheinwerfer für Vorfeld- und Seitenausleuchtung sorgen für optimale Sicht bei Dämmerung und Dunkelheit. (ck)

Eine grün-graue Staubwolke bildet sich um die Fahrzeuge. Mit Blick aufs Kamerabild, das den Ladewagen von oben zeigt, füllt Florian Zollner einen Anhänger nach dem anderen. Drei Bulldoggespanne mit je 30 bis 40 Kubikmeter Fassungsvermögen stehen bereit, um im Wechsel das Grün entgegenzunehmen und ins Fahrsilo zu bringen. Vor allem beim Mais müssen die Landwirte aufpassen – denn hier kommt extrem viel Gewicht zusammen.

Gras in Zentimeterlänge schießt aus dem Arm des Jaguar in den Lader.
Gras in Zentimeterlänge schießt aus dem Arm des Jaguar in den Lader. Foto: Klöckner

Etwa 460 Pferdestärken zügelt Zollner – doch es gibt noch stärkere Jaguare im Landkreis, wie Christian Nachreiner vom Maschinenring weiß. Der „Kleine“ habe aber durchaus sein Können bewiesen und reiche vollkommen: „Es gibt begrenzende Faktoren. Man muss das anfallende Material auch verarbeiten können.“ Das muss gleich geschehen, sonst verliert es an Qualität.

Dem Gras die Luft nehmen

Um ein gleichbleibend gutes Futter zu haben, wird Ganzjahressilage angelegt, erklärt Christian Nachreiner. Das Tier müsse sich hierbei nicht umstellen von Sommer- auf Winterfutter und umgekehrt – die Milch bleibe immer bei gleicher Qualität. Nachreiner organisiert die Termine der beiden Jaguare, die die Chamer besitzen. Die Chamer Häckslervereinigung hat 27 Mitglieder, wurde 1992 gegründet.

Die Maschinen haben vorne große und hinten kleine Räder, um so wendig zu sein wie das Original aus Südamerika. So gefräßig sind sie schon. Ehe man sich versieht, liegt das Häckselgut im Fahrsilo, wo bereits der Radlader wartet, um die Mengen zu verdichten – um praktisch dem Gras die Luft zu nehmen. Das getüpfelte Original macht es nicht anders mit seiner Beute. Nur für Gras ist der Jaguar nicht zu begeistern. Er zieht Affen, Tapire oder Gürteltiere vor.

Das gehäckselte Gras wird zu Silage.
Das gehäckselte Gras wird zu Silage. Foto: Klöckner

Bei vielen indianischen Völkern wird der Jaguar sogar als Gottheit verehrt. Soweit sind die Chamer noch nicht – aber missen wollen die Landwirte den Giganten auch nicht mehr.

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