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Natur

Verliebt in zwei Alpaka-Hengste

Familie Berthold aus Waffenbrunn gibt Oskar und Rico ein Zuhause. Die sanften Tiere begleiten die Frauen auf Spaziergängen.
Von Hans Schmelber

Martina Berthold und ihre Tochter Hannah mit den beiden Alpakahengsten Rico und Oskar Foto: Schmelber
Martina Berthold und ihre Tochter Hannah mit den beiden Alpakahengsten Rico und Oskar Foto: Schmelber

Waffenbrunn.Sie heißen Oskar und Rico, sind noch ein bisschen scheu, aber bildhübsch. Und wenn man in ihre Wolle greift, meint man, der ganze Körper besteht daraus. Oskar und Rico sind zwei Alpaka-Hengste, die sich gut vertragen. Den Waffenbrunnern fallen die Tiere auf, weil die Besitzer, die Familie Berthold, öfter mit den beiden Alpakas spazierengeht.

Die Tiere werden dabei problemlos an einer Leine geführt. Man kann Alpakas durchaus als Haustiere sehen. Und sie sind pflegeleicht. Das versicherten Martina Berthold und ihre Tochter Hannah, als sie im Gespräch mit unserem Medienhaus von ihren Tieren erzählen.

Zum ersten Mal gesehen hat Martina Berthold Alpakas beim Joggen in der Nähe von Trefling, und die Tiere haben ihr sofort gefallen. Eine weitere Begegnung gab es dann in Cham, und dort erhielt sie auch eine Adresse, wo man solche Tiere bekommen kann. Also fuhr die Familie zu den „Alpakas am Frauenstein“ nach Winklarn, erfuhr vieles über die Tierart und entschied sich für Oskar und Rico, zwei Huacaya-Alpakas.

Sehr genügsame Tiere

Schon weil es sich um Herdentiere handelt, sollten Alpakas niemals alleine gehalten werden. Als Schutz vor Sonnenhitze und schlechtem Wetter reicht ein einfacher Unterstand aus, die Tiere sollten aber jederzeit Zugang zu ihrer Weide haben. Alpakas sind genügsame Tiere. Man rechnet etwa 1500 Quadratmeter Wiese für zwei Alpakas.

Porträt

Der Alpaka-Flüsterer aus der Oberpfalz

Ludwig Turban aus Winklarn ist einer der führenden Alpaka-Züchter in ganz Deutschland und Österreich.

Zusätzlich zum Gras der Weide muss den Tieren immer genügend gutes Heu und sauberes Wasser zur Verfügung stehen. Kraftfutter und Ähnliches brauchen sie nicht. Ab und zu gibt es aber kleine Leckerlis. Da das Huacaya-Vlies sehr dicht ist und ein enormes Volumen aufbaut, sind die Tiere robust gegenüber harter Witterung und haben auch bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt keine Probleme. Zudem ist eine Offenstallhaltung empfehlenswert, damit die Tiere selbst zwischen dem Stall und dem Freien wählen können. Das ist bei den Bertholds gewährleistet. Die Tiere haben neben einem geräumigen Stall eine große Weidefläche hinter dem Anwesen.

Ein einfacher Stall genügt den Tieren. Foto: Schmelber
Ein einfacher Stall genügt den Tieren. Foto: Schmelber

„Alpakas sind keine Reittiere. Sie werden in Europa wegen ihres ruhigen und friedlichen Charakters auch in der tiergestützten Therapie eingesetzt. Alpakas sind Fluchttiere“, erzählte Martina Berthold. Es dauere schon eine Weile, bis man eine Beziehung aufgebaut hat. Tochter Hannah hat sich viel mit den Tieren beschäftigt, und es gelingen ihr nun sogar so etwas wie kleine Agility-Übungen. Die Tiere sind äußerst reinlich und haben sowohl im Stall als auch im Freien einen eigenen Kotplatz. Zur Pflege der Alpakas gehört in erster Linie eine jährliche Schur, die Oskar und Rico vom Züchter in Winklarn bekommen. Pro Tier ergibt so eine Schur in etwa eineinhalb große Säcke an Wolle. Sollte eine Zahnpflege, wie das Kürzen der Vorderzähne, nötig sein, wird diese bei der Schur gleich mit gemacht. Dies geht schnell und ist unkompliziert. Die Klauen der Schwielenhufer müssen je nach Wachstum ein bis zweimal im Jahr gekürzt werden. Dies erfolgt mittels einer handelsüblichen Klauenschere und kann im Gegensatz zur Schur und Zahnpflege vom Halter selbst gemacht werden.

Alpakas werden in Deutschland immer beliebter

Das Alpaka , auch Pako genannt, ist eine aus den südamerikanischen Anden stammende, domestizierte Kamelform, die vorwiegend wegen ihrer Wolle gezüchtet wird. Der Bestand an Alpakas in Peru liegt bei etwa 3,5 Millionen Tieren und entspricht etwa 80 Prozent des weltweiten Bestandes. Die aus Süd- und Mittelamerika stammenden Exoten haben sich auch in Deutschland gut etabliert.

Der Präsident des Alpaka-Zuchtverbands, Fritz-Jürgen Hieke, schätzt den Bestand 2018 auf 20 000 Tiere. Der Bestand in Deutschland habe sich in den vergangenen zehn Jahren vervierfacht. Die Tiere werden sowohl privat, als auch auf Erlebnishöfen für den ländlichen Tourismus, aber auch zur Gewinnung der beliebten Alpakawolle gehalten. Ein Kilo dieser Wolle wird nach Verbandsangaben mit 75 Euro gehandelt. Es gibt 22 Grundfarbtöne der Wolle in verschiedenen Feinheiten.

Die Alpaka Haltung

  • Anzahl:

    Derzeit gibt es über 20 000 Alpakas in Deutschland. Die Zahl der Tiere hat sich in den letzten zehn Jahren vervierfacht.

  • Halter:

    Die Tiere werden sowohl privat als auch in der Landwirtschaft gehalten.

  • Wolle:

    Wichtigste Nutzungsart war anfangs die besonders gut wärmeisolierende Wolle der Tiere.

  • Tourismus:

    Zudem werden die Tiere mittlerweile auch für touristische Zwecke auf Erlebnis-Bauerhöfen, aber auch als Therapietiere gehalten.

Die Lebenserwartung eines Alpakas liegt zwischen 20 und 25 Jahren. In den Hochlagen Südamerikas leben auch heute noch ihre Vorfahren, die Vicunjas und Guanakos, in freier Wildbahn. Alpakas gehören zur Familie der Wiederkäuer und sind Schwielensohler. Das bedeutet, sie haben keine Hufe wie Pferde oder Klauen wie Schafe oder Kühe, sondern weiche Schwielen an der Fußunterseite. Durch diese weichen Füße sind die Tiere besonders auf Fels sehr trittsicher und verursachen auch keine Schäden auf der Weide. Deswegen gelten sie als „ideale Rasenmäher“. Und spucken können sie natürlich auch – aber meist nur untereinander. Menschen sind nur aus Versehen ein Ziel.

Immer mehr Alpakas in Europa

Es gibt zwei Alpakatypen, das Huacaya und das Suri. Sie unterscheiden sich in der Struktur ihrer Wolle. Die Huacaya-Alpakas, zu diesen gehören Oskar und Rico, haben eine feine, gekräuselte Faser und Deckhaare, die möglichst fein sein sollten. Das Suri-Alpaka hingegen hat gelockte, gerade Strähnen, die am Tier herabhängen. Sie liefern eine hochfeine Wolle, die besonders gut isoliert.

Alpakas wiegen 55 bis 65 Kilogramm, Hengste können jedoch bis zu 80 Kilogramm schwer werden. In Europa werden zunehmend Alpakas gehalten. Deswegen wird verstärkt auf Stammbäume geachtet. Einen solchen haben auch Oskar und Rico, die mittlerweile schon drei Jahre bei den Bertholds sind. Und die möchten ihre zwei Prachtexemplare noch lange behalten und haben viel Freude an ihren Tieren.

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