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Musik

Junges Orchester und Klaviervirtuose

Die Zuhörer wurden im Barocksaal in Walderbach höchst angenehm mit beeindruckenden Werken von Brahms und Chopin überraschten.

  • Die „KammerVielharmonie“ erwies sich gleich bei ihrem ersten Auftritt als runder Klangkörper zwischen Kammerbesetzung und großer symphonischer Kapelle
  • Viel mehr als nur solide: Ashley Fripp bewies pianistischen Hochglanz im Klavierkonzert Nr. 1 von Chopin.

Walderbach. Der Ruf, der ihm vorauseilt, ist in der Tat gerechtfertigt: Der junge britische Klaviervirtuose Ashley Fripp stellte dies am Samstagabend im Barocksaal Kloster Walderbach in einer brillanten Vorstellung von Chopin’s 1. Klavierkonzert nachdrücklich unter Beweis.

Zunächst soll aber erst über einen neuen Klangkörper in der Region berichtet werden, der irgendwo zwischen Kammer- und sinfonischem Orchester angesiedelt ist – die „KammerVielharmonie“, wie sie sich selbst nennt. Sie besteht aus Musikern, die sich im Kammerorchester und Symphonieorchester der Universität Regensburg und in diversen anderen Ensembles kennengelernt haben. Das selbstgesteckte Ziel, durch eine reduzierte Besetzung transparenteren Klang zu erzeugen als dies in größeren Formationen möglich ist, hat sie eindrucksvoll erreicht.

Veritable 20-Personen-Kapelle

Auf den ersten Blick mag das Unterfangen, ein veritable 20-Personen-Kapelle aus Streichern, Holz- und Blech- (Horn)-Registern auf das Barocksaal-Podium zu bringen, ein wenig vermessen erscheinen. Erst recht angesichts der akustischen Verhältnisse des Saales, die sich eher für solistischen und Kammerensemble-Auftritte eignen.

Aber, welche Überraschung gleich ab den ersten Klängen der „Serenade op. 11“ von Johannes Brahms. Dr. David Peterhoff hatte seine Musiker derart ausgewogen eingestellt, dass nichts überladen oder gar zu laut wirkte, sondern dank kluger und solidarischer Zurückhaltung stets transparent und gleichzeitig farbig und dynamisch. Gemessen daran, dass es der erste öffentliche Auftritt dieser Kapelle war – so einer der maßgeblichen Köpfe hinter dem Projekt, Klarinettist Hans Kistler aus Oberviechtach – konnte man durchwegs „erwachsene“, nahezu komplette Klangbilder vernehmen.

Konzerte aus den Jugendjahren

Mit „Elfte Werke“ war das Konzert origineller Weise mit dem Hintergrund übertitelt, dass sowohl die Brahms-Serenade als auch das Chopin-Klavierkonzert jeweils unter der Opuszahl 11 verfasst wurden. Beide Werke entstanden in den jungen Jahren der Komponisten - Brahms war siebenundzwanzig, Chopin gerade mal zwanzig Jahre alt. Überhaupt wehte ein erfrischend jugendlicher Geist durch dieses schöne und anspruchsvolle Konzert, ausstrahlend von den Orchestermusikern bis zum Solisten.

Nach eigenem Bekunden kennen sich der Solist des Abends, Ashley Fripp, und die meisten der Orchestermusiker seit etwa zwei Jahren. Etliche von ihnen waren auch an der CD-Einspielung des jungen Briten beteiligt, als das Kammerorchester der Universität Regensburg unter Leitung von Graham Buckland mit ihm zusammen als Solist beide Klavierkonzerte von Frederic Chopin aufnahmen.

Die oft kolportierte Meinung, dass das Orchester bei den beiden einzigen Werken des „Pianogottes“ Chopin, das er für Klavier plus Orchester geschrieben hat, letzteres nur den Zierrat beizusteuern hat, scheint hierbei klar relativiert worden zu sein. Natürlich nimmt das Soloinstrument den überaus dominierenden Part ein, das Orchester wird aber gleichwohl nicht zum Statisten degradiert, sondern trägt viel zur Gesamtfarbigkeit bei.

Ein Beispiel von vielen hierfür liefern die stimmungsvoll gedämpften Streicher zu Beginn des zweiten Satzes („Romanze“). Ohne solche klugen, kontrastierenden Passagen würde das Klavier wohl kaum in solchen brillanten Höhenflügen schwelgend wirken können, wie das hier zweifellos der Fall war. Auch die kurzen Sequenzen von Horn und Fagott bringen eine delikate Abwechslung gegenüber den grandiosen „Wunderdingen“ des Klaviers.

Ungemein facettenreiches Werk

Ashley Fripp schwingt sich durch das gesamte Geschehen hindurch zu einer, nur atemlos zu bestaunenden Virtuosität auf in Klangtiefe und rauschendem Laufwerk. Er beherrscht dieses pianistisch so ungemein facettenreiche Werk in fast spielerisch und mühelos erscheinender Vollendung.

Von der bestrickenden perlenden Leichtigkeit und Eleganz hin zur kraftvoll dynamischen Entfaltung bis zur blitzenden Rasanz des Finales weiß der junge Virtuose alles hervorzuholen, was der große Steinwayflügel hergibt.

Pralles Temperament, gepaart mit stupender Spieltechnik und der überlegenen Sensibilität des Könners macht jede Phase absolut glaubhaft. Sogar die schier in einem furiosen Gewitter explodierenden Schlussmomente sind in ihrer pianistischen Urgewalt mitreißend und absolut stimmig. Und dass das wunderbar aufspielende Orchester dabei seinen Anteil hat, steht ebenfalls außer Frage. (cjr)

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