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Walderbach
Dienstag, 25. September 2018 13° 1

Musik

Zodert und Plattert auf großer Bühne

Zwei musikalische Heilerziehungspfleger aus der Oberpfalz haben am Sonntag ihren ersten Auftritt bei den „Brettl-Spitzen“.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

„Da wampert Zodert (Markus Niemeier) & da boartert Plattert (Jockl Schwarz) treten bei Jürgen Kirners (M.) „Brettl-Spitzen“ auf.
„Da wampert Zodert (Markus Niemeier) & da boartert Plattert (Jockl Schwarz) treten bei Jürgen Kirners (M.) „Brettl-Spitzen“ auf.Foto: Julia Müller/BR

Walderbach.Ein Sommerfest, eine einmalige Sache, mit einem Repertoire, das so gar nicht dem musikalischen Geschmack von Markus Niemeier und Johannes „Jockl“ Schwarz entsprach. So fing es 2002 an. Die angehenden Heilerziehungspfleger in den Behinderteneinrichtungen der Barmherzigen Brüder in Reichenbach (Lkr. Cham) wollten für etwas Stimmung an jenem Nachmittag sorgen – mit Gitarre und Akkordeon. Niemals hatten sie daran geglaubt, dass sie 15 Jahre später mit ihren traditionellen bayerischen Volksliedern eine Bühne im Fernsehen erhalten würden. „Für uns war es immer ein Projekt, das uns neben der Arbeit viel Spaß gemacht hat“, sagt Jockl Schwarz. Jetzt könnte aber viel mehr daraus werden. An diesem Sonntag treten Markus Niemeier und Jockl Schwarz, die sich „Da wampert Zodert & da boartert Plattert“ nennen, bei den „Brettl-Spitzen“ im Bayerischen Fernsehen auf.

Auch der Gastgeber ist Oberpfälzer

Der Gastgeber der Sendung, Jürgen Kirner („Couplet AG“), ist selbst ein gebürtiger Oberpfälzer. Er stammt aus Hemau, nur 15 Kilometer vom Heimatort von Jockl Schwarz (38) entfernt, der in Undorf aufgewachsen ist, Markus Niemeier (35) ist Zeit seines Lebens fest in Walderbach verwurzelt. Es sei ihm ein besonderes Anliegen, junge neue Talente aus Ostbayern zu fördern, sagt Kirner. „Im Herzen bleibt ma immer Oberpfälzer.“ Neben „Da wampert Zodert & da boartert Plattert“ wird Daniel Barth aus Berngau (Lkr. Neumarkt/Opf) sein Debüt in der Sendung geben, die bereits vor geraumer Zeit im Münchner Hofbräuhaus aufgezeichnet wurde. Mit Katharina Baur, Berni Filser und Bernhard Gruber bildet Barth künftig das musikalische Fundament der Sendung.

Niemeier erinnert sich an den Anruf aus München, der ihn vor einigen Monaten sehr überraschte. „Wir hatten damit absolut nicht gerechnet und haben uns sehr geehrt gefühlt, als Jürgen Kirner uns fragte.“ In der Sendung werden die beiden Musiker ein selbstgetextetes Wirtshauslied zum Besten geben. „Mia san zwoa frische Burschen.“ Deftig, komisch, hinterfotzig, so sollen die Stücke sein, die in der Sendung präsentiert werden, heißt es beim Bayerischen Fernsehen. Die „Brettl-Spitzen“ spiegelten ein aktuelles, musikalisches Lebensgefühl im Freistaat wider und zeigten dieses Gefühl in allen Facetten.

Überraschend jung sind die meisten Künstler, die in Kirners Sendung auftreten. Auch „Da wampert Zodert & da boartert Plattert“ gehören zur neuen Generation der Volksmusikanten Dass das Publikum immer jünger wird, das haben die beiden Musiker bei ihren Auftritten auch über die Jahre hinweg festgestellt. „Als wir angefangen haben, saßen vor der Bühne eher die über 70-Jährigen, jetzt machen dort die Jungen Stimmung.“ Niemeier und Schwarz sehen den neuen Spaß an der Volksmusik mit Freude. Auch sie selbst haben diese Entwicklung durchlaufen.

„Bei unserem allerersten Auftritt haben wir neben alten Volksliedern auch noch Songs von AC/DC und Black Sabbath gespielt.“ Privat hören sie das immer noch gerne, aber auf der Bühne haben sie sich schon bald auf Couplets, Wirtshauslieder und Gstanzeln spezialisiert. Damals gehörten sie unter den jungen Musikern zu den Exoten, das hat sich inzwischen mit Gruppen wie La Brass Banda oder Attwenger geändert. Auch die Raith-Schwestern und der Blaimer haben zwei Alben mit traditioneller Volksmusik in den vergangenen Jahren eingespielt – mit großem Erfolg. Die Volksmusik hat ihr angestaubtes Image abgelegt. Ein neues Gefühl der Heimatverbundenheit hat sich entwickelt.

„Das können wir nicht einschätzen“

Das ist es auch, was die „Da wampert Zodert & da boartert Plattert“, die nach wie vor als Heilerziehungspfleger bei den Barmherzigen Brüdern arbeiten, an ihrem Hobby besonders schätzen. „Endlich wusste ich, was ich mit meiner Akkordeonausbildung, die ich als Kind genossen hatte, anfangen konnte“, erzählt Niemeier. Schwarz brachte sich das Gitarrenspielen selbst bei – auf dem Instrument seiner Schwester, die damals bei der Undorfer Bäckermusi musizierte. Aus jener Gruppe ging Florian Helgath hervor, der heute Künstlerischer Leiter von ChorWerk Ruhr ist und zuvor sechs Jahre lang das dänische Rundfunkorchester leitete.

Vor einem Karrieresprung könnten auch Niemeier und Schwarz stehen. „Was nach der Ausstrahlung der „Brettl-Spitzen“ am Sonntag passiert, das können wir überhaupt nicht einschätzen“, sagen sie. Bislang spielen sie in Wirtshäusern vor höchstens um die 70 Zuschauern. Starkbierfeste, Sitzweil, Vereinsabende – das waren ihre Bühnen. Und nun hunderttausende Zuschauer, vielleicht gar ein Millionenpublikum? „Das ist schon sehr aufregend.“

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