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Zahlen

Chamer Realschulen verlieren eine Klasse

61 Kinder haben sich für die neue Realschule in Waldmünchen entschieden. Auch Roding, Furth und Bad Kötzting sind zufrieden.
Von Petra Schoplocher

61 Mal hat Sandra Lindl in dieser Woche Eltern ein Anmeldeformular für die neue Realschule Waldmünchen in die Hand gedrückt.
61 Mal hat Sandra Lindl in dieser Woche Eltern ein Anmeldeformular für die neue Realschule Waldmünchen in die Hand gedrückt. Foto: Schoplocher

Cham.Mona Mühlbauer wird eine von 61 Jungen und Mädchen sein, die im September ein Stück Geschichte schreiben. Die Neunjährige gehört zum ersten Jahrgang der neuen Realschule Waldmünchen. Während für die Viertklässlerin ihre „Traumschule“ schnell ausgemacht war, mussten ihre Eltern erst einmal schlucken. Nicht, weil Mona mit ihrem Notenschnitt von 1,33 auch aufs Gymnasium hätte gehen können, sondern weil der Weg nach Waldmünchen organisatorisch ein schwieriger wird. „Aber was tut man nicht alles“, meint Ramona Mühlbauer.

Sechs Kilometer einfach

Denn Mona muss aus Löwendorf bei Grafenkirchen in die Schule nach Waldmünchen kommen. „Eine vernünftige Busverbindung gibt es nicht“, hat die zweifache Mutter in Erfahrung gebracht: Die Folge: Ramona Mühlbauer wird Mona ab September jeden Tag sechs Kilometer einfach nach Lixendöfering bringen.

Ramona Mühlbauer bei der Anmeldung im Gespräch – auch mit Albert Füracker
Ramona Mühlbauer bei der Anmeldung im Gespräch – auch mit Albert Füracker Foto: Schoplocher

Dort hält der Bus auf dem Weg in die Trenckstadt. Als alternative Realschule stünden die Gerhardinger in Cham bereit, Anspruch auf Beförderung besteht auf die staatliche Schule nach Furth – mit Bus und Bahn über Cham. „Das kam gar nicht in Frage.“

Die Chamer Gymnasien, die sie beide angeschaut hätte, seien Mona zu groß gewesen, beim Tag der offenen Tür der Wirtschaftsschule – die der Realschule peu à peu weichen wird – sei Mona stundenlang zu begeistern gewesen. Der organisatorische Aufwand – Mona hat eine zweijährige Schwester und Ramona Mühlbauer ist berufstätig – sei zwar enorm, aber Mona solle sich an ihrer Schule wohlfühlen. Und da seien sie mit ihrer Tochter von Waldmünchen überzeugt.

Das sagt Martina Mathes

  • Beobachtung

    Wirtschaftsschulleiterin Martina Mathes, die die Anmeldung in ihrem Haus hautnah mitbekommen hat, berichtet von vielen überzeugten Eltern. Sie habe viele „Ehemalige“ ausgemacht, die sich über die Möglichkeit der Realschule gefreut hätten.

  • Erklärung

    Top sanierte Räume und hervorragende Ausstattung hätten zu dem positiven Bild beigetragen.

  • Einschätzung

    „Es wär nicht mehr gegangen“, sagt sie zur Waldmünchener Wirtschaftsschule, die erst ab Klasse sieben startet. Diese „gesundzubeten“ entspreche nicht ihrer Art.

  • Hintergrund

    Wenn Eltern in der vierten Klasse entscheiden müssten, nehme kaum einer zwei Jahre Wartezeit auf der Mittelschule in Kauf, um danach wechseln zu können. (ps)

„Ich freu’ mich“, kommentierte Josef Mühlbauer, der die neue Schule kommissarisch leiten wird, die Anmeldezahlen von „61 fest plus zwei zur Probe“. Die Resonanz bedeutet, dass drei fünfte Klassen „möglich, wenn nicht sogar wahrscheinlich sind“. Dies hänge von den Budgetplanungen und der Entscheidung des Kultusministeriums ab. Dass kleinere Klassen angenehmer seien, müsse er wohl nicht extra herausstellen, fügt Mühlbauer zufrieden hinzu.

„Drei fünfte Klassen sind möglich, wenn nicht sogar wahrscheinlich.“

Josef Mühlbauer

Josef Mühlbauer und Wirtschaftsschulleiterin Martina Mathes begleiteten das Prozedere.
Josef Mühlbauer und Wirtschaftsschulleiterin Martina Mathes begleiteten das Prozedere. Foto: Schoplocher

Zufrieden ist der Rodinger Konrektor aber auch, weil die Anmeldezahlen auf das große Vertrauen rückschließen lassen, das die Eltern in die Schule setzen – was Mühlbauer ungewöhnlich findet, schließlich gebe es die Einrichtung ja noch gar nicht. „Wir werden alles tun, dieses Vertrauen zu rechtfertigen“, stellte der Konrektor der Realschule Roding, die als „Mutterschule“ fungiert, heraus.

Viele Vorschusslorbeeren

Mit zu den Vorschusslorbeeren beigetragen haben dürfte die Arbeit der Wirtschaftsschule, ist sich Mühlbauer sicher. Diese genieße zurecht einen sehr guten Ruf, macht er deutlich. Der Einzugsbereich für die neue Schule, erklärt Josef Mühlbauer, decke sich seinem Wissensstand nach mit dem prognostizierten. Aus Cham liege etwa keine Anmeldung vor, aus dem Umland, wie dem Raum Pemfling, hingegen schon.

Die Chamer Realschulen sind die Verlierer der Anmeldewoche. Während in den Direktorenzimmern im Rest des Landkreises Zufriedenheit herrscht, müssen Maristen und Gerhardinger mit je einer Eingangsklasse weniger kalkulieren.

Realschule Roding

Die „Erwartungen weit übertroffen“ haben die Anmeldezahlen an der Konrad-Adenauer-Realschule Roding. Mit 110 Jungen und Mädchen schaffte die Schule den Sprung über die erhoffte 100er-Marke deutlich, laut Rektor Alexander Peintinger steht der Bildung von vier Eingangsklassen nichts im Wege. auch wenn 13 Kinder noch den Probeunterricht absolvieren müssen. Rund 30 Prozent der „Probeschüler“ bleiben, erklärt ein sichtlich zufriedener Peintinger die Rechnung.

Realschule Furth im Wald

Mit rund 65 neuen Schülern kalkuliert die Realschule Furth im Wald. „Das entspricht unseren Erwartungen“, erklärt Direktor Andreas Gruber. Die momentane Anmeldezahl – die zwar unter dem Wert von 2015, aber im Mittel der vergangenen Jahre liegt – sei laut Gruber zwar etwas höher, allerdings beinhaltet sie auch die Besucher des Probeunterrichts. Gruber geht davon aus, dass drei Eingangsklassen gebildet werden.

Maristen Realschule Cham

Mit nur noch einer fünften Klasse werden die Chamer Maristen ins neue Schuljahr starten. Direktor Josef Maier gibt zu, dass die Zweizügigkeit das Ziel gewesen wäre, gewinnt der zurückgegangenen Anmeldezahl aber auch etwas Positives ab: „Wir können eine familiäre und intensive Betreuung gewährleisten“, sagt er mit Hinweis auf die 24 Anmeldungen, die bis Freitag eingegangen sind.

„Wir können eine familiäre und intensive Betreuung gewährleisten.“

Direktor Josef Maier

Die zwei Wahlfächer, die die Schule bietet, könnten in einer Klasse organisiert werden, erklärt er, dass die Kinder keine Nachteile haben werden. Neben dem Bestreben, das Beste für die Schüler zu bieten, könne die Schule sicherstellen, dass arbeitsvertragliche Bedingungen für Lehrer erfüllt werden. Eine Klasse weniger bedeutet laut Maier rechnerisch 1,5 Lehrer weniger.

Lesen Sie hier, wie die Chamer auf die Zahlen reagieren.

Gerhardinger-Realschule Cham

Nicht nur für die Schule, sondern auch persönlich betroffen zeigte sich Martin Zimmermann von der Gerhardinger-Realschule. „Wir hatten einen höheren Anspruch“, sagt der Schulleiter. 55 Anmeldungen und vier Mädchen zum Probeunterricht stehen zu Buche. Damit fällt die Schule von der Dreizügigkeit auf zwei fünfte Klassen zurück. Damit einhergehen würden laut Zimmermann Fragen, ob alle Zweige gehalten oder eingerichtet werden können, auch Lehrerstunden „hängen dran“. Als Konsequenz sieht der Gerhardinger-Chef, das Profil stärker zu schärfen und die Fusion mit den Maristen schneller voranzutreiben. Durch die engere Zusammenarbeit könnte zudem der ein oder andere Vorteil für die Schüler erwachsen.

Realschule Bad Kötzting

„Wir sind zufrieden“, sagt Stefan Neumeier. Zu 72 Festanmeldungen könnte nach dem Probeunterricht der ein oder andere Fünftklässler hinzukommen, rechnet der Schulleiter vor. Für drei Klassen reicht die Zahl aber.

Hier lesen Sie weitere Meldungen aus dem Landkreis Cham.

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