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Der perfekte Ort für das dritte Leben

Brünn, Neu-Ulm, dann Waldmünchen: Dr. Svatopluk Franz Smola und seine Frau wollten „der Muttersprache“ wegen an die Grenze.
Von Petra Schoplocher

Ein anderer Blick auf den Flügel. Seit Dr. Svapotluk Franz Smola im Ruhestand ist, hat er wieder mehr Zeit zum Komponieren.
Ein anderer Blick auf den Flügel. Seit Dr. Svapotluk Franz Smola im Ruhestand ist, hat er wieder mehr Zeit zum Komponieren. Foto: Schoplocher

Waldmünchen.Die Geschichte beginnt vor der Geschichte und könnte zugleich das wundervolle Ende sein: „Ich möchte etwas zurückgeben“, erklärt Dr. med. Svatopluk Franz Smola noch im gleichen Atemzug, in dem er seine Zusage für ein Gespräch zur Wahlheimat-Serie gegeben hat. Denn trotz seiner Bekanntheit will der Mediziner und Musiker „in seinem dritten Leben“ mit seiner Frau Jana vor allem eines: die Ruhe als Privatperson genießen.

Nun aber macht der 72-Jährige eine Ausnahme, weil er gerne unterstreicht, wie wohl sich das Ehepaar hier fühlt. Wie „geliebte Nachbarn“, beschreibt Svatopluk Franz Smola die Willkommenskultur der Waldmünchener. Der gebürtige Brünner kann sich dieses Urteil erlauben, fasste er mit seiner Familie nach der Übersiedlung in Neu-Ulm beruflich wie privat Fuß. „Da waren wir eher die Gäste, die man mag“, arbeitet er den Unterschied heraus. Die damalige Tschechoslowakei verließ er trotz gesicherter Existenz aus der Furcht vor einem Anschluss an die Sowjetunion und weil „die Ideologie nicht meine war“. Neu-Ulm mag er, aber Waldmünchen sei eher Heimat geworden – wenn er diesen Begriff überhaupt verwenden würde. Von sich selber spricht der zweifache Familienvater und dreifache Opa lieber als „Brünner mit Muttersprache Tschechisch“.

Kurze Wege

Noch etwas kann Dr. Smola einschätzen: Am Ort gebe es wirklich alles, was für den täglichen Bedarf von Nöten ist – und zwar ohne Stress. „Kleinstädter sollten als Pflicht mindestens ein Jahr in einer Großstadt leben müssen, dann wüssten sie, was sie haben“, sagt er nicht ganz ernst gemeint. Wie seine Frau genießt der Ruheständler die kurzen Wege – auch in die Natur. „50 Meter die Straße rauf und ich bin in einer wirklich fantastischen Umgebung“, schwärmt Smola. Diese kannte er aus seiner Zeit in Tschechien noch von der anderen Seite. Schon damals beim Militärdienst habe ihm die Landschaft gefallen und als sich das Ehepaar nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ein Domizil zwischen Neu- Ulm und der Geburtsstadt suchte („wegen der Nähe zur Muttersprache“), fiel auch deshalb die Wahl auf Waldmünchen. Weiterer Pluspunkt war neben der Grenznähe der Trenck, beziehungsweise dessen Verbindung zu Brünn, wo er begraben ist. „Ich habe mich von Waldmünchen sofort angesprochen gefühlt“, erinnert sich der 72-Jährige.

Lesen Sie mehr: Hier finden Sie alle Teile der MZ-Serie „Wahlheimat Waldmünchen“

2006, nach dem Umzug in das 1997 gekaufte Haus, machte Smola, der neben dem Medizinstudium eine umfassende musikalische Ausbildung genoss, eine „fantastische Entdeckung“: Das Bemühen um Kultur in der Stadt, insbesondere durch den Kulturkreis. Was lag da für den gut vernetzten Musiker näher, als sich mit Ideen und der Vermittlung von Künstlern einzubringen. Nach einem ersten Konzert 2007 entstand ein Jahr später das Motto „Musik ohne Grenzen“, das auch heute noch Programm und dem 72-Jährigen ein Herzensanliegen ist. Stets versucht er, zu den (von der Stiftung „Eiserner Vorhang“ geförderten) Konzerten tschechische und deutsche Künstler nach Waldmünchen zu holen, und freut sich, wenn auch das Publikum gut durchgemischt ist.

„Weltstars auf der Trenckbühne“ lautete manche Schlagzeile. Doch Smolas Engagement macht auch in seiner Wahlheimat nicht an der Stadtgrenze Halt. In Furth im Wald unterstützt er die Opern- und Konzertfreunde, Jana Smola kümmert sich dort um die Arrangements im Saal.

Die Musik, insbesondere das Komponieren, lasse ihn nicht älter werden, sagt Smola lächelnd an seinem Flügel. Derzeit schreibt er eine Ballade, zu der CD „Time to Swing“ des aufstrebenden tschechischen Sängers Jan Smigmator steuerte er neben dem Titelsong drei weitere bei. Stundenlang könnte der Pianist über seine Leidenschaft sprechen – und man muss weder Wagner-Fan noch Jazzliebhaber sein, um sich anstecken zu lassen. Doch Smola kann auch ernst: Nicht nur, weil er eigenen Worten nach über „Migrationshintergrund“ verfügt, hat er seine ganz persönliche Ansicht zum Thema Anpassen; wohl wissend, dass „man es als Arzt sicher leichter hat“. Man sollte als Ankommender immer die Sorgen der Einheimischen im Bewusstsein haben.

Zur Person

  • Herkunft

    In seinem Geburtsort Brünn (tschechisch Brno) hat Svatopluk Franz Smola Medizin studiert und promoviert.

  • Beruf

    Zahn-Mund- und Kieferkrankheiten sowie Kiefer-Gesichtschirurgie machte der heute 72-Jährige zu seiner Fachrichtung. Als Hochschullehrer war er bis Juni 1980 in Prag tätig.

  • Musik

    Absolviert hat Smola die achtjährige staatliche Musikschule in Brünn (Klavier). Eine Ausbildung in Harmonie und Komposition fügte er später hinzu.

  • Umzug

    Nach dem Umzug in den Westen ließ sich der Mediziner mit seiner Frau Jana und den beiden Kindern in Ulm/Neu-Ulm nieder. Die deutsche Staatsbürgerschaft erhielt die Familie sehr schnell, weil Jana Smola aus einder deutschen Familie stammt. Eine eigene Praxis eröffnete er 1982, diese führte er bis 2006.

  • Karriere

    Das toxikologische Institut der Universität Ulm griff von 1999 bis 2002 auf Smola als freien wissenschaftlichen Mitarbeiter zurück. Über 20 Fachartikel und Publikationen auf Tschechisch, Deutsch und Englisch hat der Mediziner veröffentlicht.

  • Nach dem Fall

    des Eisernen Vorhangs suchte das Ehepaar ein Domizil zwischen dem damaligen Wohnort Neu-Ulm und dem Land seiner Muttersprache, Tschechien.

  • Die neue Heimat

    Nachdem Dr. Smola die Gegend vom Militärdienst schon kannte und sich mit der Verbindung Trenck zu Brünn eine weitere interessante Komponente auftat, fiel die Wahl auf Waldmünchen. 1997 kauften die beiden ein Haus. Im April 2006 zog das Ehepaar endgültig nach Waldmünchen.

  • Familie

    Tochter Magdalena hat die Zwischenprüfungsarbeit für ihr Studium über die Entstehung und Entwicklung des Grenzland- und Trenckmuseums geschrieben. Der Kontakt mit der Museumslandschaft blieb nicht ohne berufliche Folgen: Mittlerweile leitet die Tochter die Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und Online-Kommunikation der Reiss-Engehorn-Museen Mannheim. Sohn Robert lebt und arbeitet in der Schweiz. Drei Enkelkinder bereiten den Smolas große Freude. (ps)

Ideologische Werte

Waldmünchen sei mit ideologischen Werten einer Stadt – historische und kulturelle Aspekte inklusive Sport– gesegnet, findet der Mediziner. Schwer beeindruckt ist er vor allem vom Engagement der Vereine und dem Niveau des Handwerks („das höchste, das wir je erlebt haben“). Dies alles zusammen mit den Impulsen, die die Stadt im Tourismus setzt, werde Waldmünchen eine gute Zukunft bescheren, ist er sich sicher.

Für ihn sei der Ort jedenfalls inspirierend, schmunzelt er. Damit wäre er wieder bei der Musik und Smigmators CD, an der er immerhin eineinhalb Jahre mitgearbeitet hat. Im dreisprachigen Begleitheft wird Svatopluk Franz Smolas Leben ausführlich vorgestellt. Dass „Waldmünchen“ vorkommt, hat er sich auserbeten. Auch eine Art, etwas zurückzugeben...

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