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Projekt

Der Senior packt es wieder an

Barrierefrei und mehr Funktionalität – Siegfried Wagner hat im Mehrgenerationenhaus Waldmünchen viel vor.
Von Petra Schoplocher

Der Blick an die Decke. Weil der Eingangsbereich ins Mehrgenerationenhaus neu gestaltet werden soll, musste die Beschaffenheit genau betrachtet werden, erklärt Siegfried Wagner (l.) Markus Ackermann.
Der Blick an die Decke. Weil der Eingangsbereich ins Mehrgenerationenhaus neu gestaltet werden soll, musste die Beschaffenheit genau betrachtet werden, erklärt Siegfried Wagner (l.) Markus Ackermann. Foto: ps

Waldmünchen.Der Name des Dokuments könnte fast nach einem Geheimplan aussehen. „Skizze Senior # 5“ steht über den Zeichnungen, die Siegfried Wagner Markus Ackermann zeigt. Der Bürgermeister ist gleichermaßen beeindruckt wie begeistert, zeigen die Pläne doch die baulichen Maßnahmen, die der Eigentümer des Mehrgenerationenhauses (MGH) mit selbigem vorhat.

Noch ehe Siegfried Wagner genauer erläutern kann, was er unter seinen eigenen großen Vorgaben Barrierefreiheit, bessere Funktionalität und mehr Sicherheit vorhat, sprudelt es aus Markus Ackermann heraus: Wagner zeige „überragendes Privatengagement“ und eine wahnsinnige Solidarität zur Stadt. Damit meinte der Bürgermeister nicht nur das, was der Bauunternehmer in den kommenden Wochen im MGH vorhat, sondern ausdrücklich auch das, was er seit dem Erwerb des Gebäudes im Jahr 1989 aus diesem gemacht habe. „Man merkt, dass er mit Leidenschaft hinter dem Haus steht“, sagt Ackermann über Wagner.

Engagement von Anfang an

Mit „Skizze Senior # 5“ wird sich der Bauausschuss demnächst beschäftigen müssen. Vorab erklärt Siegfried Wagner senior Bürgermeister Markus Ackermann aber schon einmal, was ihm vorschwebt.
Mit „Skizze Senior # 5“ wird sich der Bauausschuss demnächst beschäftigen müssen. Vorab erklärt Siegfried Wagner senior Bürgermeister Markus Ackermann aber schon einmal, was ihm vorschwebt. Foto: Schoplocher

Begonnen hatte dessen (auch finanziell großes) Engagement – nachdem es mit der gastronomischen Nutzung des Hauses am Marktplatz nicht mehr weit her war – mit der Umnutzung in das MGH. Für dessen Eröffnung 2008 wurde oben um- und ausgebaut, später kümmerte sich Eigentümer Wagner darum, dass die Scheune nutzbar gemacht werden konnte. Der Eingangsbereich sei allerdings noch nie zufriedenstellend gewesen, leitet Siegfried Wagner zu seinen Plänen über. Künftig werden Besucher ein vor ihnen liegendes Foyer betreten, der bisherige Zugang nach rechts wird zugemauert.

Von dem kleinen Vorplatz aus geht es dann entweder geradeaus durch eine Brandschutztür ins Treppenhaus, oder in einen der Räume rechts und links. Während das ehemalige Gastzimmer als „offener Treff“ wie die Zimmer oben einen Namen haben, fehlt dieser für den neuen, links gelegenen, Raum noch. „Da brauchen wir wohl eine weitere Partnerstadt“, witzeln die Männer und spielen auf die Namen im Obergeschoss an: Combourg, Elz, Klentsch und Marktoberdorf.

Glastür? Zu teuer

Der Brandschutz im Erdgeschoss sei durch die bodenhohen Fenster unproblematisch, berichtet Wagner. Für die Anbindung der oberen Räume müsse jedoch eine entsprechende Tür eingebaut werden. Diese hätte er sich aus Glas gewünscht, im Zusammenhang mit der geforderten Widerstandsklasse allerdings wäre diese zu teuer gekommen.

Umbau im MGH Waldmünchen

  • Zeitplan

    Los gehen soll es mit dem Umbau am 25. Juli. Bis zum 9. September wird das Mehrgenerationenhaus (MGH) komplett geschlossen. Den Zeitpunkt haben die Verantwortlichen bewusst und mit Rücksicht auf die Beleger gewählt: Im Hochsommer ist das MGH weniger frequentiert.

  • Einschränkungen

    Die Nutzer wurden laut Projektleiterin Susanne Nock bereits informiert, auch das eigene Programm wurde entsprechend zusammengestellt. Die Bauarbeiten sind auch der Grund, warum es in diesem Jahr kein Stodl-Kino im August gibt. „Der Aufwand für den einen Abend wäre einfach zu groß gewesen“, bittet Nock um Verständnis. Sie ist sich sicher, dass es die Nutzer später so schön haben werden wie noch nie.

  • Maßnahmen

    Neu gestaltet wird der Eingangsbereich, der ein kleines Foyer bekommt. Dieses ermöglicht dann auch eine Abtrennung des Raumes, der derzeit „offen“ als Verbindung und Weg zwischen offenem Treff und Toiletten dient.

  • Barrierefreiheit

    Vor allem das Fehlen einer Behindertentoilette wird behoben. Dafür wird der gesamte hintere Bereich umgestaltet, auch der Garten bekommt einen veränderten Zugang, die Treppen hinaus werden weggerissen.

  • Komfort

    Der offene Treff soll durch den Rückbau des dominanten Tresens mehr Bewegungsfreiheit erhalten. (ps)

Aufwendig wird es im hinteren Bereich des Gebäudes. Schon mit einem Rollator sei der Gang auf die Damentoilette nicht möglich gewesen, „von einem Rollstuhl ganz zu schweigen“, erklärt Siegfried Wagner, dem diese unbefriedigende Situation ebenso schon lange ein Dorn im Auge war. Die Lösung: Aus den beiden Kabinen bei den Frauen wird eine, um damit Platz für die behindertengerechte Toilette zu schaffen. Bei den Männern ändert sich wenig, allerdings bekommen auch sie neue Fliesen und neue Badkeramik, die gesamte Anlage muss angehoben werden.

Die Breite der Behindertentoilette macht eine Verlegung des Gartenzugangs notwendig, was Wagner aber als positiven Nebeneffekt sieht. Denn dieser erfolge bisher an der Müllkammer vorbei über einen schmalen Gang. Eine störende Treppe wird in diesem Zuge gleich mit entfernt. Nicht ausgleichen könne man hingehen die Höhendifferenz vom Eingangsbereich in Richtung Toiletten – die der Tatsache geschuldet ist, dass das Gebäude ursprünglich aus zwei Häusern besteht, erläutert der Fachmann. Allerdings würde Schräge für Barrierefreiheit sorgen.

Mit vergleichsweise wenig Aufwand kommt eine große Verbesserung im offenen Treff aus. Die dominante und „zu wuchtige“ Theke soll herausgerissen oder zurückgebaut werden. Wagner hofft – und dehnt dies gleich auf das gesamte Bauprojekt aus –, dass sich nach dem Abbau nicht im Boden oder bei der Befestigung des Tresens Überraschungen auftreten. „Das Haus ist schließlich alt“, sagt er vorsichtig.

Hervorragende Resonanz

Der Bürgermeister spricht von einer unglaublichen Dynamik und Entwicklung, die das MGH genommen habe. Das Angebot sei facettenreich und die Resonanz hervorragend. Umso erfreulicher sehe er das Mehr an Funktionalität, das nach dem Umbau vorherrsche.

Am Ende überkommt Markus Ackermann dann noch einmal die Freude über das Projekt, das eine „riesige Aufwertung“ darstelle. Siegfried Wagner sei ein Glücksfall für das Gebäude. Dieser ist mit seinem Engagement für Haus und Stadt („ich wollte immer etwas Nachhaltiges schaffen“) aber auch nach der anstehenden Maßnahme noch nicht am Ende. Der Ausbau des Stadel-Dachbodens wäre noch so eine Sache, meint er und fügt schnell an: „Irgendwann, auf lange Sicht“. Denn noch ein Lob vom Bürgermeister am gleichen Tag will Wagner nicht „riskieren“.

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