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Fahrplanwechsel

Die Bahn lässt Grub links liegen

Die Bürger wollen die Schließung einer Haltestelle nicht hinnehmen. Nun hat der Landrat einen Lösungsvorschlag gemacht.

An das Bild wird man sich – zumindest nach der derzeitigen Lage – gewöhnen müssen: Der Zug hält nicht mehr in Grub. Nächster Halt: Zillendorf.
An das Bild wird man sich – zumindest nach der derzeitigen Lage – gewöhnen müssen: Der Zug hält nicht mehr in Grub. Nächster Halt: Zillendorf. Foto: Brandt

Waldmünchen.„Ich möchte das einfach nur verstehen“, sagt Evi Kollinger. Am Donnerstagnachmittag, als ihr Sohn aus der Schule kam, hat sie erfahren, dass die Bahn ab Montag nicht mehr in Grub hält. Das jedenfalls stand auf dem Zettel, den ihr ihr Sprössling entgegenhielt. Mitsamt dem Hinweis, dass die Schaffnerin am neuen Fahrplan gezeigt hatte, dass „Ihr jetzt hier nicht mehr mitfahren könnt“. Die Bürgerin aus Grub fiel aus allen Wolken, vor allem als sie bemerkte, dass Zillendorf sehr wohl noch bedient wird. Wie ihr erging es mehreren Familien, deren Kinder den Zug vor allem für den Heimweg von den weiterführenden Schulen in Cham gerne in Anspruch nahmen. Doch damit ist jetzt Schluss.

Evi Kollinger hat noch am Donnerstag mit Bürgermeister Markus Ackermann gesprochen und in den folgenden zwei Tagen Mitstreiter mobilisiert, allen voran Ortssprecher Wolfgang Kürzinger und Ludwig Schiedermeier. Dass auch Kürzinger, der immerhin im Stadtrat sitzt und „da nicht geschlafen hat“, von der Schließung nichts wusste, ärgert Kollinger und die übrigen Betroffenen besonders. „Das ist nicht in Ordnung, dass das so gelaufen ist“, sagt sie. Sie wisse von vier bis fünf Kindern, die ein- und aussteigen. Gerade für Grub sei die Schließung der Haltestelle ein Rückschlag, versuche das Dorf doch, sich für die Zukunft aufzustellen –immerhin „haben wir elf Kinder unter 14 Jahren“, erklärt Kollinger und verweist auf die ebenso betroffenen Ortsteile Prosdorf und Moosdorf.

Evi Kollinger geht es gar nicht vorrangig darum, dass der Zug bessere und kürzere Fahrzeiten biete, sondern um das „Von etz auf dann“ der Aktion. Das sahen auch die rund 50 Teilnehmer der Demonstration so, die sich am Sonntag spontan an der Haltestelle versammelt hatten. „Vor allem Unverständnis“, beschrieb Evi Kollinger die Stimmung.

Mit Transparenten drückten rund 50 Bewohner aus Grub, Moosdorf und Prosdorf am Sonntag ihr Unverständnis aus. Seit Sonntag wird die Haltestelle Grub nicht mehr bedient, die Schilder und Fahrpläne sind abgebaut. Grund ist die fehlende Beleuchtung.
Mit Transparenten drückten rund 50 Bewohner aus Grub, Moosdorf und Prosdorf am Sonntag ihr Unverständnis aus. Seit Sonntag wird die Haltestelle Grub nicht mehr bedient, die Schilder und Fahrpläne sind abgebaut. Grund ist die fehlende Beleuchtung. Foto: Brandt

Bürgermeister Markus Ackermann sah sich eigenen Angaben nach im Juni erstmals mit der Absicht der Bahn konfrontiert, die Haltestelle Grub nicht mehr zu bedienen. „Wir haben in unserer Stellungnahme ganz klar deutlich gemacht, dass wir an ihr festhalten wollen“, erinnert er sich. Die Attraktivität der Schiene werde sicher nicht durch Schließungen erreicht, formulierte die Stadt und verwies unter anderem auf die Nutzung durch Schüler und die Tatsache, dass es nicht Aufgabe der Stadt sein könne für die Beleuchtung zu sorgen und sie dies weder finanzieren könne noch wolle. Gut ein Monat verging, ehe die Bahn in einem weiteren Schreiben ihr Bedauern über die Schließung äußerte. Dieses habe man dem Landratsamt übermittelt und sich telefonisch an die Verantwortlichen gewandt. In diesem Gespräch, so ist sich der Waldmünchener Bürgermeister sicher, sei es auch um die Bekanntmachung gegangen. Und da hieß es ganz klar: Um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert sich die Bahn. Frühzeitig. Darauf habe er sich verlassen, erklärte er gestern.

Auf andere verlassen

Die Information kam ganz kurzfristig.
Die Information kam ganz kurzfristig. Foto: Brandt

Auch die Bahn hat sich nach Aussage deren Sprecher auf jemand anderen verlassen – die Oberpfalzbahn, die die Linie bedient, aber auf Nachfragen nicht reagiert hat. Die Bahn sei davon ausgegangen, dass „die Bekanntgabe wochenlang erfolgt“ sei. Vereinbart und ein übliches Vorgehen sei zudem auch, dass auf den Strecken entsprechende Durchsagen gemacht würden, was ja nur die Oberpfalzbahn umsetzen könne. Erst am Sonntag sei ein Bahnmitarbeiter in Grub gewesen, um alle Hinweis- und sonstigen Schilder sowie die Fahrpläne abzunehmen, teilte der Sprecher mit.

Als Grund für die Aufgabe des Bahnhofs, für die die Bahn zusammen mit der Bayerischen Eisenbahngesellschaft verantwortlich seien, nannte der Sprecher die hohen Investitionskosten für die Beleuchtung, die nunmehr von Seiten des Eisenbahnbundesamtes Vorschrift sei. Und die die Bahn als Eigentümerin hätte installieren müssen. Nachdem zwei unabhängige Fahrgastzählungen – von der Oberpfalzbahn sowie von der Eisenbahngesellschaft – das Ergebnis „sechs Ein- und Ausstiege, also drei Personen“ ergeben hätten, sei der Aufwand nicht vertretbar. „Das könnte bayernweit der schlechtestgenutzte Bahnhof sein“, mutmaßte der Sprecher der Pressestelle in München.

Mit dem Zug nach Waldmünchen

  • Dauer

    Zwischen 33 und 51 Minuten müssen Reisende für die Fahrt mit einem öffentlichen Verkehrsmittel zwischen Cham und Waldmünchen einplanen.

  • Tradition

    Die 22 Kilometer lange Bahnstrecke hat eine lange Tradition, wurde sie doch am 1. August 1895 eröffnet.

  • Zugverbindung

    Die Zugverbindung führt nun über Willmering, Waffenbrunn, Balbersdorf, Geigant und Zillendorf, das nach Angaben der Bahn AG beleuchtet ist.

  • Fahrplanwechsel

    Seit dem Fahrplanwechsel der Deutschen Bahn – traditionell Mitte Dezember – wird die Haltestelle Grub nicht mehr bedient.

  • Nutzer

    Genutzt wurde sie unter anderem von Kindern, die weiterführende Schulen in der Kreisstadt besuchen.

  • Alternativen

    Umsteigen auf den Bus ist gefragt: Fahrgäste kommen mit der Tour, die um 6.40 in Waldmünchen startet und in Grub hält, noch vor 7.30 Uhr Cham an. Rückfahrmöglichkeiten bestehen mit dem Linienbus 420 mit Abfahrt in Cham um 13.05 Uhr, 16.25 Uhr und 17.20 Uhr.

  • Information

    Mit Schreiben vom 29. April hat die Bayerische Eisenbahngesellschaft die Stadt und den Landkreis von der geplanten Schließung informiert. Als Grund wurde die Nicht-Finanzierbarkeit der vorgeschriebenen Beleuchtung in Relation zum Fahrgastaufkommen genannt. Trotz nochmaliger Prüfung änderte sich daran nichts mehr. (ps)

Landrat Franz Löffler hatte sich wie der Bürgermeister für den Erhalt des Zusteigepunkts stark gemacht. Von ihm kam gestern ein neuer Lösungsansatz: Er regte an, die Kosten für die Beleuchtung nochmals auf den Prüfstand zu stellen und alternative Finanzierungsmöglichkeiten zu suchen. So könnten sich Stadtwerke und Eon zusammentun, eventuell sogar unter Mithilfe der engagierten Dorfbevölkerung, um die nötige Stromanbindung des Haltepunktes zu erreichen, meinte Löffler. Die Bahn hatte nämlich zuvor mitgeteilt, von der Schließung abzusehen, wenn Landkreis und/oder Stadt auf eigene Kosten die Beleuchtung entsprechend den Vorschriften der Deutschen Bahn übernehmen würden – immerhin rund 90 000 Euro.

Weitere Schritte sind geplant

Wie es nun weitergeht? Die betroffenen Eltern wollen sich überlegen, Fahrgemeinschaften nach Zillendorf zu bilden, denn den Kindern geht ja nicht nur die Zustiegsmöglichkeit ab, sondern auch die Freunde, die bereits im Zug sitzen. Auch die Protestaktion soll nicht die Letzte gewesen sein: Mit Briefen wollen sich Kollinger, Kürzinger und Schiedermeier an die Bahn, den Bund und weitere verantwortliche Stellen wenden, auch eine Unterschriftenaktion ist geplant. Denn: „Der Zug könnte ja halten...“, sagt Evi Kollinger – eine Meinung, die am Sonntag von vielen sichtbar geteilt wurde.

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