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Initiative

Die Sache mit der Menschlichkeit

Ralph Wenzel will einen weiteren Leuchtturm errichten — und erzählt, warum er an den Bundesinnenminister geschrieben hat.
Von Petra Schoplocher

Ralph Wenzel blickt auf seine Glasobjekte. Der Stern im Hintergrund ist eine Anspielung auf den Leuchtturm der Menschlichkeit, der den Glaskünstler derzeit wieder einmal sehr beschäftigt.
Ralph Wenzel blickt auf seine Glasobjekte. Der Stern im Hintergrund ist eine Anspielung auf den Leuchtturm der Menschlichkeit, der den Glaskünstler derzeit wieder einmal sehr beschäftigt. Foto: Schoplocher

Waldmünchen.Ein Zeichen setzen – das hat Ralph Wenzel mit dem Leuchtturm der Menschlichkeit im Jahr 2008 bereits getan. Mehr denn je denkt der Glaskünstler und Gibacht-Wirt derzeit an die Botschaft, die er seinerzeit mit dem Projekt senden wollte. Reaktionen gegenüber Flüchtlingen, wachsende Gefahr durch extremistische Gewalttaten im Mantel pseudoreligiöser Überzeugungen... Der 57-Jährige kann vieles vorbringen, was nach einem neuen gesellschaftlichen Zeichen ruft.

Die Idee hinter dem Leuchtturm der Menschlichkeit „ist aktueller denn je“, sagt Ralph Wenzel nachdenklich. Er fände es deshalb nur konsequent, unter der Schirmherrschaft des Innenministers einen weiteren Leuchtturm der Menschlichkeit zu errichten – am besten in Berlin. Deswegen hat Ralph Wenzel einen Brief an Thomas de Maizière geschrieben, Fotos und eine DVD beigelegt.

Der Leuchtturm der Menschlichkeit auf dem Tannenriegel. Wenn es nach Ralph Wenzel geht, sollte das Projekt einen Zwilling bekommen.
Der Leuchtturm der Menschlichkeit auf dem Tannenriegel. Wenn es nach Ralph Wenzel geht, sollte das Projekt einen Zwilling bekommen. Foto: MZ-Archiv

Ein Zwillings-Leuchtturm wäre ein Zeichen der friedlichen und menschlichen Integration verschiedener Religionen, der zudem Signalwirkung für die gesamte Bundesrepublik und Europa haben könnte. „Ich hoffe, dass es mir gelungen ist, Sie von dem Projekt zu begeistern“, schließt Wenzel sein Schreiben.

Acht Generationen Glas

Begeisterung – Ein Wort, wie geschaffen für Ralph Wenzel. Egal, ob der 57-Jährige von vielen Begegnungen mit Menschen aus anderen Kulturkreisen erzählt, von seiner Arbeit in Indien oder Ägypten, vom Eishockey oder natürlich vom Glas: Stets schwingt Leidenschaft mit. Besonders leuchten Wenzels Augen, wenn er Glaskunst erklärt. „Der Moment, in dem das Glas fließt, ist unbeschreiblich schön“, sagt er geradezu in sich gekehrt.

Während Ralph Wenzel redet, kommt einem das Bild von der Katze mit sieben Leben in den Sinn. Oder eine Geschichte unter dem Titel „Der Künstler, der nur ein Techniker sein wollte“. Denn „ob das, was ich mache, Kunst ist, sollen andere entscheiden“, meint der Glashüttentechniker, in dessen Familie „acht Generationen Glas“ zurückverfolgt werden können.

Leuchtturm der Menschlichkeit

  • Einweihung

    Am 5. April 2008 wurde der „Leuchtturm der Menschlichkeit“ auf dem Tannenriegel eingeweiht.

  • Symbolik

    In einen 3,50 Meter hohen Steinturm ist unten die Weltscheibe eingefasst, über ihr sind ein Mond (für den Islam), das Kreuzzeichen und der Davidstern angebracht, die die drei großen Religionen symbolisieren. Rund zehn Tonnen Steine aus unterschiedlichen Flecken der Erde wurden verbaut.

  • Herstellung

    Wenzel hat die Glaselemente selber gegossen. Über eine Solarzelle senden sie bei Dunkelheit Leuchtsignale.

  • Botschaft

    Der Turm ist der Versöhnung der Völker und Religionen gewidmet. Zugleich soll er vor Augen führen, dass zwischenmenschliche Beziehungen – eben die Menschlichkeit – auf der Strecke zu bleiben drohen.

  • Standort

    Den Platz, an dem der Turm steht, schätzt Initiator Ralph Wenzel wegen der Aussicht. „Vier Aussichten, vier Himmelsrichtungen“. Der Tannenriegel (910 Meter) gehört zum Gibacht-Massiv und liegt auf dem gleichen Rundwanderweg wie das Glaskreuz, das der Künstler 2005 auf einem Felsen beim Reiseck errichtet hatte. (ps)

Seit August 2003 lebt und arbeitet der Vater zweier Söhne am Gibacht, ist Wirt, Glasschmied und Galerist zugleich. Den Weg in den Bayerwald hatten Glaskünstler Theo Sellner aus Lohberg und Franz Löffler aufgetan, sagt Wenzel dankbar, „eine Art Rettung“. Aktuell berät er nebenbei Firmen in Glasfragen, denn den Gasthof am Gibacht wirtschaftlich zu betreiben, sei schwierig.

Ein bewegtes Leben

Mitgebracht hat er nicht nur eine bewegte und bewegende persönliche Geschichte mit Höhen und Tiefen, sondern auch die Motivation, das, was man nicht kann, zu lernen. Lächelnd erinnert er sich an erste Gehversuche als Gastronom und das erste Essen (ein vielleicht ungewohntes Szegediner Gulasch), das er gekocht und serviert hat. „Mit mäßigem Erfolg“, wie er sagt.

Als Glaskünstler – Techniker hin oder her, das ist der Name, unter dem Ralph Wenzel in der Region firmiert – hat er sich schnell einen Namen gemacht. Auch, weil er Projekte angeht, vor denen andere zurückschrecken, wie eine gläserne Umfassung eines Ewigen Lichts. „Das reizt mich, im Grunde ist es immer die Suche nach einer technischen Lösung“, erklärt er.

„Ein wenig möchte ich die Gegend schon noch mit Glas verschandeln.“

Ralph Wenzel

Tüfteln kann der 57-Jährige auch an der Idee, dem Wasser und den Quellen im Böhmerwald bei den drei Bächen eine Würdigung zu erweisen. „Ein wenig möchte ich die Gegend schon noch mit Glas verschandeln“, unkt er und stellt in Aussicht, dass „dass das ein oder andere sicher noch spontan kommen werde“.

Glas sei immer anders, schwärmt er und erläutert die Zusammenhänge zwischen Luftdruck und Feuchtigkeit mit der gleichen Begeisterung wie er von den Kindern erzählt, die in den Ferien bei ihm Perlenherstellung probieren dürften. Zwischen den Zeilen ist zu lesen, dass der Neugablonzer mit Verbindungen in die ganze Welt offenbar angekommen ist in seiner Bergwelt.

Nachdenken in der Natur

In der Natur, die er so sehr schätzt, ist Zeit zum Nachdenken, über Glas und die Welt. „Es kann doch nicht sein, dass wir nicht in der Lage sind, miteinander zu kommunizieren“, lautet eine von Wenzels Feststellungen mit Blick auf verschiedene Kulturen oder Weltschanschauungen. „Wir atmen doch alle die gleiche Luft“, führt er fort.

„Es kann doch nicht sein, dass wir nicht in der Lage sind, miteinander zu kommunizieren.“

Ralph Wenzel

Das Miteinander zu verbinden – schließlich hätten die drei monotheistischen Religionen den gleichen Ursprung – sei schon damals die Idee für den Leuchtturm gewesen, erinnert sich der 57-Jährige. Bei der Einweihung hatte sich Ralph Wenzel gewünscht, dass „wir alle mehr Verständnis und Toleranz für unsere Mitmenschen aufbringen“. Noch ein Satz, der aktueller ist denn je.

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