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Einblick

Ein Ende des Dornröschenschlafs?

Hannah Schmid macht sich für eine Projektarbeit Gedanken über das Waldmünchener Bürgerspital. Dafür war sie auf Spurensuche.
Von Petra Schoplocher

Hannah Schmid im Bürgerspital. Die Architekturstudentin aus Waldmünchen hat sich das denkmalgeschützte Gebäude für ihre Projektarbeit ausgesucht und sich Gedanken über eine Nutzung gemacht. Foto: Schoplocher
Hannah Schmid im Bürgerspital. Die Architekturstudentin aus Waldmünchen hat sich das denkmalgeschützte Gebäude für ihre Projektarbeit ausgesucht und sich Gedanken über eine Nutzung gemacht. Foto: Schoplocher

Waldmünchen.Der „wahnsinnige Charme“, von dem Hannah Schmid später sprechen wird, macht sich bereits im Treppenhaus breit. Die Fliesen am Boden, das Holz, der Geruch – beim Betreten fühlt man sich schnell in eine andere Zeit versetzt. Für das denkmalgeschützte Gebäude aus dem Jahr 1904 gilt: es waren bessere.

Fast jeden Tag in ihrer Kindheit ist Hannah Schmid am Bürgerspital vorbeigekommen, entsprechend „eng“ ist sie mit dem Haus, das nach der Auflösung der Stiftung Frank der Stadt zufiel. Als die 20-Jährige nun für ihr Architekturstudium eine Projektarbeit zum Thema Nachnutzung konzipieren musste, war die Wahl schnell getroffen. Zumal der jungen Waldmünchenerin auch aufgefallen war, dass die letzten Mieter schon vor einer ganzen Weile ausgezogen sind.

„Ein Wohnheim wäre eine schöne Idee“, sagt die Studentin. Sie denkt an diejenigen, die die Technikerschule besuchen und/oder Auszubildende. Damit einher gehen würde eine Verzahnung. „Wäre doch nicht schlecht, wenn der Schreinerlehrling aus erster Hand erfährt, was der Techniker macht“.

Ein öffentlicher Raum, etwa für wechselnde Ausstellungen oder Begegnungen, gehört ebenso dazu. Das könnte nämlich den ursprünglichen Charakter des Hauses aufgreifen, den Hannah Schmid gerne bewahren würde. „Wir sollen und wollen ja lernen, wie Altbauten sinnvoll saniert werden können“, stellt die 20-Jährige klar. Das Wort Nachhaltigkeit ist nicht nur ein Wort, es spricht ihr aus der Seele.

Präsentation an der OTH

Für ihre Projektarbeit, die sie wie knapp 20 andere Studierenden Ende der kommenden Woche an der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg vorstellt, musste Hannah Schmid eine Überschrift – ihre lautet „Zukunftsorientierter Lern- und Wohnort“ – Lageplan, Fakten zum Gebäude und seine Stärken sowie die Zielgruppe zusammentragen. Um ihre Ideen zu untermalen, besorgte sich die Waldmünchenerin kurzerhand den Schlüssel und begab sich auf Spurensuche.

Am Dachboden wären stundenlange Entdeckungstouren möglich. Foto: Schoplocher
Am Dachboden wären stundenlange Entdeckungstouren möglich. Foto: Schoplocher

Und fand – neben all dem, was das Spital an baulichen Raffinessen und Schönheiten zu bieten hat – natürlich auch die Folgen eines Dornröschenschlafs (Zitat Bürgermeister Markus Ackermann), der in manchen Zimmern schon seit Jahrzehnten andauert. Die im Wesentlichen als Einzelzimmer mit Gemeinschaftsbädern und Ölöfen konzipierten Etagen waren schon lange nicht mehr zeitgemäß, der Stiftung der Familie Frank ging das Geld aus, so dass der Sanierungsstau immer größer wurde.

Verwaltet hatte es die Stadt schon immer, als es ihr schließlich ganz zufiel, war von der ursprünglichen Idee eines Armenhauses schon nichts mehr übrig. Vor zwei Jahren zogen die letzten Mieter aus – das Haus verfügt neben den Zimmern über zwei Wohnungen – und die Stadt sah von einer Neuvermittlung ab. „Hätten wir Mieter drin, wäre die Suche nach einem Investor wohl noch schwieriger“, erklärt Bürgermeister Markus Ackermann.

Weitere Impressionen vom Waldmüncher Bürgerspital finden Sie in unserer Bildergalerie!

Einblicke in das Waldmünchner Bürgerspital

Mit Ausnahme einiger Obdachloser, denen die Stadt Unterschlupf geboten hat, und den großen Wohnungen kann er sich nicht an eine Belegung der Einzelzimmer („das war schon lange nicht mehr zeitgemäß“) erinnern. Genutzt wurden die Zimmer in den vergangenen Jahren teils von Vereinen als Unterstellmöglichkeit von Utensilien. Aber auch das soll auslaufen oder ist es schon, sagt Ackermann. Dass der Handlungsbedarf groß ist, gibt er unumwunden zu, allerdings habe die Stadt immer ein Auge auf das Gebäude (gehabt) und sei stets über den Zustand informiert gewesen.

Keine Reparaturen mehr

Die Kapelle des Spitals, eine katholische Neben- und Spitalkirche Heilige Dreifaltigkeit verfügt über einen separaten Eingang und wird noch genutzt. Foto: Schoplocher
Die Kapelle des Spitals, eine katholische Neben- und Spitalkirche Heilige Dreifaltigkeit verfügt über einen separaten Eingang und wird noch genutzt. Foto: Schoplocher

Mit dem Auszug der letzten Bewohner seien eben auch kleinere Reparatur- und Schönheitsarbeiten auf der Strecke geblieben. „Da entwickelt sich schnell ein unschönes Bild“. Die Stadt sei offen für jede Idee, unterstreicht er. Auch Anfragen von Investoren gebe es immer wieder, dass die Stadt alles tue, um „den Dornröschenschlaf zu beenden“, verstehe sich von selbst. Allerdings könne die Stadt durch die Fülle anderer Aufgaben nicht als Hausvermieter auftreten. Geplant aber ist, Keller, Geschosse und Dachboden nach und nach aus- und aufzuräumen, um gegenüber Interessenten ein besseres Bild abzugeben.

Dem Gedanken eines Wohnheims, wie ihn Hannah Schmid entwickelt, kann er einiges abgewinnen, schließlich sei auch seine Idee die einer nachhaltigen Lösung. Vielleicht ist die von Hannah Schmid eine.

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