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Projekt

Ein Neustart, der auch ein Spagat ist

Dr. Alois Plößl baut die „Post“ in Waldmünchen um. Er freut sich auf die Mischung aus bayerischer und kroatischer Küche.
Von Petra Schoplocher

Das Hotel-Gasthaus Post am Marktplatz in früheren Jahren. Den Hochs und Tiefs soll mit der Wiedereröffnung voraussichtlich im Oktober eine neue Glanzzeit folgen.
Das Hotel-Gasthaus Post am Marktplatz in früheren Jahren. Den Hochs und Tiefs soll mit der Wiedereröffnung voraussichtlich im Oktober eine neue Glanzzeit folgen. Foto: Archiv Beer

Waldmünchen.Für drei bis fünf Überraschungen ist das Hotel Post derzeit gut, sagt Inhaber Dr. Alois Plößl nicht unbedingt erfreut. Ein nicht mehr zu rettender Parkettboden hier, ein schlechter Untergrund da. Dazu im Verborgenen noch alte Leitungen, von denen nicht einmal mehr Pläne existieren. Keine Frage, die Renovierungsmaßnahmen im früheren ersten Haus am Platz haben es in sich.

Während der Chef der Rhaner Brauerei, der das Anwesen vor gut zwei Jahren gekauft hat, von den nahen Zukunftsplänen erzählt, hämmert, dröhnt und staubt es an allen Ecken und Enden. Im hinteren Bereich des Gastraums muss der Untergrund herausgerissen werden, weil er technisch nicht vernünftig mit dem Rest verbunden werden kann. Nicht wiederzuerkennen ist der Eingangsbereich, in dem der Putz von den Mauern geschlagen wird.

Ein echter Hingucker

Trotz aller Unwägbarkeiten und Entscheidungen, die Dr. Alois Plößl nun beinahe täglich treffen muss, ist der Inhaber überzeugt, dass die neue Post ihr Publikum finden wird – gerade auch wegen dem Spannungsfeld, in dem sich Gebäude und Innenleben bewegen. Das Haus, weil sich zu dem bisherigen bodenständigen Interieur mit Holzverschalung an den Wänden moderne Elemente gesellen werden. So wird die Theke – mit direktem Blick auf die neue Terrasse – ein echter Hingucker in Sachen Design und Licht werden, schwärmt Alois Plößl.

Den anderen Spagat muss die neue Pächterfamilie Juric hinbekommen. Bayerisch und Kroatisch sollen sich künftig auf der Speisekarte finden, erzählt der Unternehmer, der sich ein Traditionsgasthaus mit kroatischem Touch vorstellt. Gäste werden den Sonntagsbraten also ebenso finden wie das leichte Fischgericht, das gerade in den Sommermonaten ideal auf die Terrasse passt. Diese wird noch in diesem Jahr errichtet, berichtet Alois Plößl, wenngleich die Vorgabe der Stadt – die Konstruktion auf einer Fläche von etwa drei Parkplätzen muss abbaubar sein – mit Mehraufwand und Kosten verbunden ist. Der Verpächter möchte den Jurics aber die Möglichkeit geben, im Winter mit Barbecue oder anderen Aktionen im Freien Akzente zu setzen.

„Das könnte passen!“

Während Bozo Juric, der für den Service verantwortlich zeichnet, dank der offenen und hellen Gestaltung von der Theke aus die zwischen 20 und 30 Plätze auf der Terrasse einsehen kann, wird auch seine Frau den direkten Kontakt zu den Gästen suchen. Mit einer Art „offenen Küche“ würde ihr ein großer Wunsch erfüllt, sagt Plößl sichtlich angetan. Er habe der Familie Juric Waldmünchen und speziell die Post ganz schön schmackhaft machen müssen, verrät er. Aber nachdem nicht nur er, sondern weitere Tester von Küche und Können der Kroaten angetan waren, wusste er: „Das könnte passen!“. Umso optimistischer ist er mittlerweile, denn zwischenzeitlich hatten Fragen rund um Fluchtwege sowie Geh- und Fahrtrechte für strapazierte Nerven gesorgt und die nebenbei laufende Pächtersuche bisweilen ausgebremst. Nun aber ist zumindest in diesem Punkt alles geklärt und der Umbau in vollem Gang.

Das Gasthaus zur Post

  • Traditionshaus

    Seit knapp zwei Jahren gehört das Hotel Gasthaus Post Dr. Alois Plößl, dem Chef der Rhaner Brauerei. Geschlossen hatte das Traditionshaus am Marktplatz da schon länger: Ende 2011 sperrte der Vorbesitzer zu.

  • Investitionen

    Ohne Mieter erschienen Dr. Plößl Investitionen, die vor allem auch im Bereich Brandschutz anstanden, als nicht sinnvoll. Die Anfrage der Jugendbildungsstätte, die eine Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufmachen wollte, kam da Recht.

  • Flüchtlinge

    Die Jugendlichen zogen im vergangenen Herbst im Obergeschoss, in dem früher Hotelzimmer untergebracht waren, ein. Die Wohngruppe wird ihren Haupteingang künftig in der Schulstraße haben.

  • Umbau

    Nachdem viele Fragen zu Fluchtwegen, Geh- und Fahrtrechten geklärt waren, ist nun der Umbau der Gaststätte in vollem Gange. Wenn alles gut geht, ist im Oktober die Wiedereröffnung geplant.

  • Pächter

    Das neue Pächterehepaar Juric ist derzeit noch in Teisnach tätig, steht aber praktisch auf Abruf bereit. Akzente aus der kroatischen Küche sollen das bodenständig-Bayerische beleben.

  • Mischung

    Die Mischung aus Altem und Modernem findet sich auch in der Gestaltung der neuen „Post“ wieder. (ps)

Was diesen schwierig mache, sind fehlende Unterlagen zu baulichen Maßnahmen. Zwar hätten viele Pächter – und von denen gab es einige – immer mal wieder etwas beauftragt, allerdings ohne entsprechende Dokumentation. Da kam Dr. Plößl seine Philosophie zu Gute, möglichst viele Gewerke an heimische Firmen zu vergeben. Da sei dann auch glatt der ein oder andere Handwerker dabei gewesen, der sich an Heizungs-, Wasser- oder Elektroninstallation erinnert habe, nennt der Post-Inhaber kleine Lichtblicke.

Völlig umgestaltet wird der gesamte Eingangsbereich, der dank einer Rampe für Rollstuhlfahrer zugänglich ist, die Gruppe der Jugendbildungsstätte bekommt an der Rückseite einen eigenen Zugang –wie auch die Pächterwohnung. Im Sommer, so wünscht sich Dr. Plößl, wäre der Weg über die Terrasse der gewünschte Weg.

Eine neue Küche für die Köchin

Die Köchin darf sich über eine neue Küche freuen, investiert wird auch in eine Lüftungsanlage, denn „wir wollen ja nicht in ein paar Jahren wieder anfangen müssen“. Wobei der Brauereichef zugibt, dass das Projekt „Post“ für sein Unternehmen schon eine „ordentliche Hausnummer“ sei. Allein die Lüftungsanlage habe den Wert „keines schlechten Mittelklassewagens“. Während die Wandverschalungen im Gastraum (noch mit Bildern vom Trenckfestspiel) zwecks des Ambientes erhalten werden, mussten die Böden raus – der alte Parkettboden war trotz bestem Willen nicht zu erhalten. Alois Plößl hofft auch hier, den Weg zwischen rustikal und modern zu schaffen, damit sich wirklich alle wohlfühlen können.

Auch so eine Überraschung: Der Untergrund im hinteren Teil des Gastraums muss raus. Darunter liegt allerdings ein Gewölbe.
Auch so eine Überraschung: Der Untergrund im hinteren Teil des Gastraums muss raus. Darunter liegt allerdings ein Gewölbe. Foto: ps

In diesem Leben werde er mit der Post kein Geld mehr verdienen, sagt Alois Plößl mit Blick auf die hohen Investitionen und lange Amortisationszeiten. Dennoch wünscht er sich sehr, dass die Gäste gerne (wieder)kommen und das Haus am Marktplatz seinen festen Platz im Leben Waldmünchens findet. Und wenn dann noch einer sagen würde „das habt Ihr aber gut hinbekommen“, wäre alles perfekt.

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