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Pfarrgemeinde

Fasching in der Kirche – geht das?

Gläubige feierten außergewöhnlichen Maskerer-Gottesdienst. Predigt in Reimen beinhaltete Anspielungen auf Gemeindeleben.

  • Ein ungewöhnliches Bild: Ein Faschingszug führt direkt zum Gottesdienst in die Kirche, wo maskierte Kinder die Fürbitten lesen.Foto: wbf
  • Die Ministranten trugen Polizeimützen oder Perücken
  • Auf ausdrücklichen Wunsch des Pfarrers kamen viele Gottesdienstbesucher zumindest leicht kostümiert
  • Kleiner Harlekin mit Eltern

Waldmünchen.Fasching in der Kirche - geht das? Pfarrer Albert Hölzl hatte in Treffelstein damit keine Berührungsängste beim Familiengottesdienst am Faschingssonntag. Gläubige, Kinder und Ministranten kamen auf seinen Wunsch hin bunt maskiert und er selbst hatte seine Faschingspredigt in Form einer Büttenrede in Reime geschmiedet.

Gerade mal eine Stunde und zehn Minuten hat der Gottesdienst am Faschingssonntag gedauert. Das hat die alten „Meckerer“ Lügen gestraft, dass die Gottesdienste immer zu lange dauern. „Ich bin bei der Tradition geblieben und hab die Predigt in Reimen geschrieben. Was lange auf den Nägeln brennt – alles wird da beim Namen g’nennt“, ließ der Geistliche schon in seiner Begrüßung anklingen, dass er das gemeindliche Leben zum Thema machen will.

Teufelchen beim Gottesdienst

Doch beginnen wir von vorne. Beim Betreten des Gotteshauses waren Luftballons an den Bänken als Schmuck angebracht und Luftballons und Luftschlangen säumten den Weg zum Altar. Clown Klaus empfing die Kirchenbesucher und überreichte jedem eine Luftschlange.

Im Pfarrbrief hatte Hölzl die Kirchenbesucher eingeladen, doch am Faschingssonntag zum Familiengottesdienst maskiert zu kommen und ob man es glaubt oder nicht, die Gläubigen kamen – zwar nur leicht verkleidet und geschminkt, mit Faschingshut oder Perücke. Auch eine Schar Engel und – was ganz außergewöhnlich ist – auch einige Teufel hatten sich zur Mitfeier des Gottesdienstes in der Kirche eingefunden. Die Ministranten trugen Polizeimützen oder Perücken auf dem Kopf.

Ist Religion eine ernste Sache?

Fasching lieben die Menschen, so Pfarrer Hölzl. An Fasching gehen die Menschen aus sich heraus, verkleiden sich, schlüpfen in andere Rollen, können der sein, der sie gerne sein wollen. In den Fürbitten erklärten die Kinder warum Luftschlangen, Luftballons und das Verkleiden zum Fasching dazugehörten. Luftballons seien leicht, fliegen gern durch die Luft und sind sehr verletzlich. All das seien Eigenschaften, die auch auf die Menschen zutreffen.

Als die kostümierten Kinder die Fürbitten vortrugen unterbrach plötzliche eine Stimme die Stille: „Sind wir hier auf einer Faschingsveranstaltung oder in einem Gottesdienst“. Religion, so eine Kirchenbesucherin, sei eine ernste Sache. Gaudi, Fasching, Luftschlangen, Luftballone hätten in der Kirche nichts zu suchen. „Sind Sie sich da so sicher“, fragte der Geistliche. Jesus liebte auch das Leben und alles zu seiner Zeit getan sei gut. Gott wolle, dass das Leben der Menschen bunt und fröhlich ist.

Abrechnung mit „Meckerern“

Dann setzte sich der Geistliche auf den Predigtstuhl und seine Denkermütze auf. Über die Welt werde er sprechen, aber auch an Tiefenbach/Treffelstein/Biberbach sich rächen. „Fangen wir aktuell mal an“, so Hölzl und meinte dazu die Gerüchte, ob er in der Pfarreiengemeinschaft bleibe oder sich in Rötz bewerbe und einen Neuanfang plane.

„Ach Gott, bewahre uns vor dem frischen Wind, der dann über uns kommt ganz geschwind“, so sei die Meinung der Rötzer Pfarrangehörigen. Doch er selber glaube gar nicht, dass er so schlimm sei. Für ihn sei die „Tiefenbach/Treffelstein/Biberbach-Geschicht“ noch lange nicht vorbei.

Baustellen langsam am Ende

Auch wenn sich jetzt die Baustellen dem Ende zuneigen – die letzte war der Bau des Tiefenbacher Kindergartens mit Kinderkrippe – bei denen einige eine große Lippe riskierten und sich gegen den Neubau aussprachen, über das Resultat würden sich die Kinder freuen, „dann muss uns doch kein einziger Cent mehr reuen“.

Ganz ähnlich war es auch in Treffelstein mit dem Gebäudekomplex neben dem Pfarrkirchlein. Petra, die selbst ernannte Himmelspförtnerin und ihr Frauenschwarm, trauerten dem Pfarrsaal und der Bühne nach obwohl sie immer klagten: „In dem alten Zeich, da wird’s niad warm“. Das Ergebnis könne sich sehen lassen, der neue freundliche, helle Saal sei ein Gedicht und lade ein zum Fröhlich- und zum Ausgelassensein .

Auch die immer kleiner werdende Zahl der Gottesdienstbesucher beschäftigte Hölzl. Ihn nerve die Zeitfeilscherei und das Geschimpfe über die Länge der Gottesdienste. „Worum geht’s, das frag ich mich schon, geht’s um die Zeit oder dass Gott in uns wohn?“ Habe man schon einmal darüber nachgedacht, dass Gott immer für uns da sei, komme man mit Sorgen und Nöten zu ihm.

Applaus für den Prediger

Hölzl bat die Kirchenbesucher, jederzeit ihren Glauben nach außen zu zeigen, dann brauche es keine Pediga-Leute und es werde auch kein Islam erschrecken. „Zum Ende schärf ich Euch nochmals ein: Bitte lasst mich nicht allein. Stärkt die Gemeinschaft und fest bewahrt den Glauben für unsere Glaubensfahrt“.

Ebenfalls außergewöhnlich: Für seine Faschingspredigt erhielt Hölzl langanhaltenden Applaus. Im Anschluss boten die Ministranten vor der Kirche Faschingskrapfen an. (wbf)

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