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Diskussion

Ist 2020 ein Arztbesuch noch möglich?

Dr. Karl Vetter unterhielt sich in Waldmünchen mit den Ärzten aus der Umgebung. Das Credo: „Der Hausarzt wird systematisch schlecht geredet.“

BRK-Bereitschaftsleiter Dieter Müller mit MdL Dr. Karl Vetter
BRK-Bereitschaftsleiter Dieter Müller mit MdL Dr. Karl Vetter Foto: wik

Waldmünchen.Als Referenten des Diskussionsforums zum Thema „Ist 2020 ein Arztbesuch in Waldmünchen noch möglich?“ begrüßte BRK-Bereitschaftsleiter Dieter Müller den Landtagsabgeordneten Dr. Karl Vetter und rund 40 Gäste im Rotkreuz Haus. Groß war auch das Interesse der Ärzteschaft aus der Umgebung.

Das Diskussionsthema beruhe an sich gar nicht auf einem Ärztemangel, so MdL Dr. Karl Vetter, sondern finde seine Ursache in der Verteilung der Ärzte. Denn Mediziner gäbe es genügend, wenn auch die Fachärzte für Allgemeinmedizin weniger wurden und sich in den Städten konzentrieren. Als einen Grund nannte Vetter den Numerus clausus für den Studienzweig Medizin von zurzeit 1,0.

In fünf Jahren wird's dramatisch

Aktuell gebe es nur in den neuen Bundesländern auf dem flachen Land einen Mangel an Hausärzten, doch in fünf bis zehn Jahren werde sich dieses Problem flächendeckend ausbreiten. Dies sei auch von der Landesregierung Bayerns erkannt worden und es griffen bereits wichtige Gegenmaßnahmen, wie mehr Lehrstühle für Allgemeinmediziner. Als er 2008 in die Politik wechselte, existierte nur ein Stiftungslehrstuhl und diese Zahl sei immerhin auf jetzt vier reguläre Lehrstühle angestiegen.

Als zweite Ursache für den Hausarztmangel auf dem Land nannte Dr. Vetter die mangelnde Anerkennung und Attraktivität dieses Berufsstandes. Während ein Allgemeinarzt rund zehn bis zwölf Stunden pro Tag für seine Patienten tätig ist und oft sogar weit darüber hinaus, seien Fachärzte überwiegend angestellt und könnten Beruf und Familie vereinen.

Dr. Birgitt Weinhold gab ihre Erfahrungen mit Studenten an der Uni Regensburg weiter, an der sie mehrmals im Jahr unterrichtet. Bei den Medizinstudenten sei der Hausarzt „unten durch“. Selbst die Nachfrage nach Praxisplätzen bei Hausärzten auf dem Land gehe gegen Null.

Am Geld liegt es nicht allein

Beim Thema Praxisplätze für den Arzt in der Ausbildung meldet sich Dr. Hör zu Wort und fordert bessere Förderungen vor allem für Ärzte in ländlichen Regionen. Bürgermeister Ackermann glaubte, dass die Unis die Attraktivität des Hausarztberufes viel besser herausstellen müssen.

An sich biete der Freistaat Bayern einige attraktive Unterstützungen für Hausärzte an. Für Niederlassungen im ländlichen Raum werden bis zu 60 000 Euro gewährt und für die Fortbildung können 15 000 Euro in Anspruch genommen werden. Medizinstudenten erhalten monatlich 300 Euro als Stipendium, wenn sie sich verpflichten, fünf Jahre als Arzt im ländlichen Raum zu arbeiten.

Am Geld allein wird’s also nicht liegen, meinte auch Dr. Vetter und zitiert seinen Kollegen Dieter Geis, Vorsitzender des bayerischen Hausärzteverbandes. Der sagte: „Der Hausarzt wird systematisch schlecht geredet“. Diesem Credo pflichteten die anwesenden Ärzte bei, obwohl das Ansehen in der ländlichen Bevölkerung sehr gut ist.

Neueinsteiger bei den Ärzten, ob Facharzt oder eben Hausarzt, hielten sich zwangsläufig bei Studium und Ausbildung jahrelang in Städten auf. Sie seien oft schon verheiratete Väter oder Mütter. Da werde der Schritt aufs Land zweimal überlegt und nicht selten entscheide der Partner sich für die Stadt, selbst wenn einiges für den Hausarzt sprechen würde.

Dr. Alois Eiber gab sich sicher, dass es im Jahr 2020 schlecht ausschaut. Die Option Primärarzt, bei der der Hausarzt der erste Ansprechpartner für den Patienten ist und ein Lotse für und über alle Fachärzte, werde sich nicht durchsetzen lassen, meint Eiber. Doch gerade dies forderte Dr. Hör von MdL Vetter ein.

Ein Königsweg ist also nicht in Sicht, eher führt wohl ein Bündel von Maßnahmen zum Erfolg, zu dem auch die Anregung von Dieter Müller zählen könnte: „Wie findet ein Hausarzt einen Nachfolger?“ fragte er, denn schon heute finde nur jeder zweite bis dritte übergabebereite Praxisbesitzer einen Nachfolger. Mit mehr Werbung und in Zeiten des Internet ließen sich hier Verbesserungsmöglichkeiten finden. Vielleicht tue es auch ein gesetzlicher Anspruch für einen niedergelassenen Hausarzt wie es beim Notar auch funktioniert.

Dies sieht MdL Vetter durchaus als Möglichkeit oder die Verwirklichung einer „Gesundheitsregion Plus“, die er Landrat Franz Löffler vorschlagen werde. Die Politik habe das Problem erkannt und die bereits eingeleiteten Impulse werden ihre Wirkung nicht verfehlen, gab sich Dr. Vetter sicher.

Das Problem brennt auf den Nägeln, stellt Dr. Hör abschließend fest und die Politik sei gefordert, für die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung auf dem Land zu sorgen. (wik)

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