MyMz
Anzeige

Judith und ihr Gespür für Heimat

Astrid und Christian Henzler renovierten gerade ihr Haus, als ihre Tochter beschloss, als Oberpfälzerin auf die Welt zu kommen.
Von Petra Schoplocher

Astrid und Christian Henzler haben sich auf dem Reiterhof kennen- und liebengelernt. 2011 begannen sie mit der Renovierung einer alten Hofstelle in Lengau.
Astrid und Christian Henzler haben sich auf dem Reiterhof kennen- und liebengelernt. 2011 begannen sie mit der Renovierung einer alten Hofstelle in Lengau. Foto: Schoplocher

Waldmünchen.Der heimliche Star dieser Geschichte ist die kleine Judith. Denn die scheint schon vor ihrer Geburt ganz genau gewusst zu haben, was Sache ist. Denn die heute knapp Zweijährige hat „Cham“ in ihrer Geburtsurkunde stehen – und das, obwohl ihre Eltern Astrid und Christian Henzler an besagtem Wochenende „nur“ zu einem Arbeitseinsatz in ihrer damals noch künftigen Wahlheimat Lengau waren.

„Am Freitag sind wir zum Baubeginn hergefahren, am Sonntag war die Geburt und am Montag haben wir das Dach heruntergerissen“, beschreibt die junge Mutter das bisdato einschneidendste Wochenende ihres Lebens. Gelebt haben Christian und Astrid Henzler da noch in der Nähe von Esslingen, kennengelernt haben sie sich jedoch am Kollerhof. Als sie etwa zehn Jahre alt war, machten Astrid Henzlers Eltern erstmals dort Urlaub –wie die Familie ihres Mannes Jahre zuvor. Christian Henzler verbrachte in seiner Jugend viel Zeit auf dem Kollerhof bei Neunburg, oft schaffte er es einmal im Monat, „der Pferde und der Clique willen“.

Gefunkt hat es erst später

Auch Astrid ließen Gestüt und Atmosphäre nicht mehr los. „Mit Sicherheit sind wir uns irgendwann schon begegnet“, meinen beide schmunzelnd. Aber zunächst lagen zwischen der zehnjährigen Astrid und dem 21-jährigen Christian Welten. „Mit 17 und 28 war das dann etwas anderes“, sagt die junge Frau verschmitzt. Erstmals aufeinander aufmerksam geworden sind die beiden, als Astrid 16 war, eineinhalb Jahre später funkte es.

Für den heute 36-Jährigen stand früh fest, dass er am liebsten in Nähe des Kollerhofs seine angestrebte Lehre als Landschaftsgärtner antreten wollte. „Mir wurde aber abgeraten, weil die Leute hier alles selber machen würden“, erinnert er sich –was heute so „gottlob“ nicht mehr stimmt. Also blieb er in der „alten Heimat“ Kleinbettlingen in Baden-Württemberg. Astrid Henzler verspürte zwar auch eine gewisse Sehnsucht Richtung Oberpfalz, doch Christian war wichtiger und so zog die junge Frau nach dem Abitur bei ihrem Freund ein, der sich mittlerweile selbstständig gemacht hatte, und studierte Lehramt für katholische Religionslehre, Biologie und Erziehungswissenschaften. „Die Fächerkombination gibt es in Bayern allerdings nicht“, erklärt die Wahl-Waldmünchenerin, sodass ihre Aussichten im ursprünglichen Beruf nicht sonderlich rosig sind.

Die Henzlers und ihr Zuhause

  • Statistik

    6743 Hauptwohnsitze gibt die Statistik für Waldmünchen zum offiziellen Stichtag 31. Dezember 2014 aus. Neun davon gehen im weitesten Sinne auf das Konto von Astrid und Christian Henzler.

  • Lengau

    Zusammen mit ihrer knapp zweijährigen Tochter Judith wohnt das Paar seit April in Lengau. Christian Henzlers Eltern zogen aus dem Kreis Esslingen nach Geigant. Dorthin hatte sich die Tochter orientiert, die mit ihrer Familie die Erste war, die den Umzug wagte.

  • Traum

    Astrid und Christian Henzler haben sich mit der alten Hofstelle den Traum vom gemeinsamen Anwesen erfüllt. Die Renovierungsmaßnahmen fordern das Ehepaar allerdings immens.

  • Hobby

    Dennoch ist ihr neues Domizil ideal, denn dort können sie auch ihr größtes Hobby, ihre Pferde, pflegen. Mittelfristig soll die Liebe zu und das Können mit den Tieren auch ein wirtschaftliches Standbein sein.

  • Reitlehrerin

    Astrid Henzler ist Reitlehrerin. Als studierte Lehrerin möchte sie etwas mit erzieherischem Hintergrund wie Frühförderung machen.

  • Hochzeit

    Die Pläne für einen Reitplatz sind bereits gezeichnet, zuvor soll allerdings der Hof hergerichtet werden – für die kirchliche Hochzeit im August. (ps)

Da trifft es sich gut, dass sich die 25-Jährige mittlerweile in Sachen Pferd und Reiten weiterqualifiziert hat. Nebenbei arbeitet sie als Reitlehrerin – natürlich auf dem Kollerhof – , nach Renovierung ihres Hauses möchte sie zu normalem Unterricht Stunden in Richtung therapeutisches Reiten anbieten.

Die kleine Judith in ihrem Kinderzimmer. Sie ist der Star im Haus und auch dieser Geschichte.
Die kleine Judith in ihrem Kinderzimmer. Sie ist der Star im Haus und auch dieser Geschichte. Foto: Schoplocher

Da schon allein die Pferdehaltung in dem Dorf bei Esslingen ein Problem darstellte und sich das junge Paar schon relativ früh in der Beziehung die Karten gelegt hatte, stand irgendwann die Idee „wir könnten ja mal in der Nähe des Kollerhofs schauen...“, im Raum. Obwohl sich das erste besichtigte Objekt in Pemfling als denkbar ungeeignet erwies, war es doch die Initialzündung für eine intensive Suche – die sich allerdings Jahre hinzog. Erst, als die Henzlers den Blick von Lengau in die Weite aufsogen, stand fest: Hier wollen wir leben. Die wunderbare Aussicht, die das Paar immer noch wie am ersten Tag wertschätzt, machte sogar die Entfernung zum Kollerhof verschmerzbar.

Die Lage ist ein Glücksfall

Im Hof des Anwesens, auf dem neben dem Stallgebäude das Auftragshaus steht, in dem das Paar zunächst gewohnt hat, macht die 25-Jährige noch einen entscheidenden Vorteil aus. „Hier kann ich Judith einfach laufen lassen“. Das wäre in ihrem alten, mit zwei Ausfahrten ausgestattetem Haus an einer Durchfahrtstraße („ich sage nur 70 statt 50“) undenkbar gewesen und ein echtes Glück. In Lengau selber fühlt sich die Familie wohl, es gibt neben Judith zwei Kinder in gleichem Alter und „in Waldmünchen bekommen wir doch alles“, ist Astrid Henzler nach wie vor angetan.

Während sich Astrid und Christian mit der Entscheidung für ein Haus hier Zeit ließen, stand für den anderen Teil der Familie nach nur einer Woche Urlaub in der Region fest, dass sie auch umziehen werden – und zwar gleich, noch bevor die kleinere Tochter eingeschult würde. Nachdem sich auch die Eltern, die früher immer mit einem Altersruhesitz im Allgäu geliebäugelt hatten, Offenheit für die Oberpfalz signalisiert hatten, stand einem Neuanfang in Geigant nichts mehr im Wege. Dort haben die beiden Generationen zwei neue Häuser errichtet.

Die Familie Henzler
Die Familie Henzler Foto: Schoplocher

Christian und Astrid Henzler haben es sich mit dem Umbau des Anwesens in Lengau ungleich schwerer gemacht, dafür ist aber an jedem Dachbalken, jeder Ecke und jeder Fliese ihre Handschrift – die eine eigene Geschichte wert wäre – zu lesen. Hart ist es dennoch, denn als zweites berufliches Standbein managt Christian Henzler für einen befreundeten Landschaftsgärtner das Büro. „Früher sind wir hergefahren, haben gewerkelt und sind wieder heimgefahren. Jetzt leben wir in der Baustelle“, erzählt der 36-jährige Familienvater.

Als Motivationsspritze hilft der Gedanke an einen nicht allzu fernen Tag, an dem Ferienkinder über den Hof tollen und Astrid Henzler auf dem Reitplatz etwas von ihrer Leidenschaft für Pferde weitergibt. Bis dahin schauen die Henzlers mit Judith mal schnell nach ihren drei Pferden und zwei Ponys – schnelles Krafttanken zwischendurch.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht