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Wirtschaft

Massenentlassungen bei rational

Der Einbauküchenhersteller schließt seine Produktion in Waldmünchen. 85 Mitarbeiter verlieren dadurch ihren Arbeitsplatz.

Der Einbauküchenhersteller rational gehört zur italienischen Snaidero Gruppe.
Der Einbauküchenhersteller rational gehört zur italienischen Snaidero Gruppe. Foto: Hladik

Waldmünchen.Die zur italienischen Snaidero Gruppe gehörenden Rational-Küchen schließen den Produktionsstandort in Waldmünchen. Betroffen sind davon 85 Mitarbeiter. Zehn Arbeitsplätze in der Kundenbetreuung sollen in Waldmünchen erhalten bleiben. Bereits 2010 war im Rationalwerk in Melle (Niedersachsen) die Produktion eingestellt worden. Dort gibt es nur noch Vertriebsarbeitsplätze. Die Küchen sollen künftig in Italien hergestellt werden, sagte eine Sprecherin der Unternehmens.

Konzernchef Edi Snaidero und der Waldmünchner Werkleiter Jürgen Lampatzer teilten die Produktionsschließung am Nachmittag des Dienstags der 95-köpfigen Belegschaft in einer Betriebsversammlung mit. Werner Hasenbank von der IG Metall, der zusammen mit dem Betriebsratsgremium an der Versammlung teilnahm, schildert dies so: „Die Leute waren richtig betroffen. Zum Teil arbeiten sie seit 20 bis 30 Jahren in dem Unternehmen.“ Zusammen mit den Beschäftigten und dem Betriebsrat wird sich die Gewerkschaft jetzt um den sogenannten Interessenausgleich und möglicherweise um einen Sozialplan kümmer. Snaidero habe hier Zusammenarbeit signalisiert. In der Pressemitteilung von Rational heißt es: Es „sollen schnellstmöglich Verhandlungen mit dem Betriebsrat und der IG Metall aufgenommen werden.“ Als Grund für das Aus der Produktion in Waldmünchen wurde lediglich auf einen „Banken-Plan“ und „weitere, operative Restrukturierungsmaßnahmen“ verwiesen.

Über die Pressemitteilung hinausgehende Informationen gab es von Firmenseite kaum. Gut informierte Kreise gehen aber davon aus, dass die Produktion in Waldmünchen bereits Ende des Jahres eingestellt werden könnte.

Ackermann: Es trifft die Falschen

Die Produktionsstilllegung stieß bei Bürgermeister Markus Ackermann und Landrat Franz Löffler auf ungewöhnlich scharfe Kritik. Im Tenor machten beide deutlich, dass die Mitarbeiter von Rational in Waldmünchen wichtige Kompetenzträger der Firmengruppe seien. Hier sei das hergestellt worden, was anderswo nicht in dieser Qualität zu erreichen war. Damit müssten die Leistungsträger für Fehler an anderer Stelle einstehen.

Ackermann: „Es ist bitter und ungerecht, dass gerade die Guten die Rechnung zahlen müssen!“ Er habe über die Leistung der Beschäftigten in Waldmünchen immer nur „vollstes Lob gehört“. Er könne betriebswirtschaftlich nicht nachvollziehen, warum ein „Schlüsselbetrieb“ wie der in Waldmünchen geschlossen wird. Er bezweifele, dass diese Qualität in Italien gefertigt werden könne.

„Für Rational und Waldmünchen ist das ein schwarzer Tag“, sagte Ackermann. Seit fast 50 Jahren sei das Unternehmen ein wichtiger Arbeitgeber in Waldmünchen. Für die gesamte Wirtschaft am Standort sei das „ein Tiefschlag“. Als Stadt habe man auf die Unternehmensentscheidung nur einen geringen Einfluss, man werde aber alle Möglichkeiten für ein Lösung unterstützen.

Die Firma Rational sei seit 1967 ein „Leitbetrieb“ für den nördlichen Landkreis gewesen, sagte Landrat Löffler. Die Ansiedlung sei damals durch die Grenzlandförderung unterstützt worden. Das Unternehmen sei für viele Menschen ein sicherer Arbeitsplatz gewesen. Die Snaidero-Gruppe habe das Unternehmen 1993 mit etwa 290 Arbeitsplätzen übernommen. Heute seien es etwas weniger als 100. Ein Grund sei ein Umstrukturierungsprozess in der Küchenmöbelherstellung. Ob der von Snaidero „immer erfolgreich mitgestaltet worden ist“, bezweifelt Löffler. Jetzt sei wohl der Druck der Banken zu hoch gewesen. „Die Leute vor Ort können nix dafür!“

Ein Ansatz für eine Lösung

Auch Löffler fragt sich, welche wirtschaftlichen Überlegungen hinter der Entscheidung stehen, wenn mit Rational Waldmünchen das Werk geschlossen wird, das die schwierigsten Aufgaben für das Unternehmen erledigte. Genau hier sieht Löffler aber auch den Ansatz für eine Zukunft. Das Herzstück des Unternehmens seien die Fachkräfte. Löffler will sie unbedingt vor Ort halten. Eine Transfergesellschaft ist seiner Meinung nach dafür unabdingbar. Für diese gebündelte Kompetenz könnten sich auch andere Unternehmen interessieren, hofft Landrat Löffler.

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