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Senioren

Musik bringt die Menschen zusammen

Lieder und Gemütlichkeit stehen bei „Z’ammg’setzt und g’sunga“ im Mehrgenerationenhaus in Waldmünchen im Mittelpunkt.
Von Petra Schoplocher

  • Singen, zuhören, Freude haben: Die Senioren genießen Z’ammg’setzt und g’sunga. Fotos: Schoplocher
  • Manchmal ist ein Blick in die Noten unumgänglich.
  • Brachte den Stein ins Rollen: Hans-Jürgen Brockelmann.
  • Auch für Witz und Besinnlichkeit zuständig: Thea Liegl.

Waldmünchen.Würde man gefragt, würde ein Seniorennachmittag mit Bilderbuchcharakter genau so aussehen: Singen und Lachen, Reden und Genießen. Im Mehrgenerationenhaus heißt das „Z’ammg’setzt und g’sunga“ und ist seit fast fünf Jahren aus dem Programm nicht mehr wegzudenken. Einmal im Monat treffen sich Senioren zum gemütlichen musikalischen Beisammensein.

Zu verdanken haben die Waldmünchener – die meist zahlreich kommen – die Nachmittagsstunden einem Berliner: Hans-Jürgen Brockelmann lebt seit dem Jahr 1973 in der Trenckstadt und erinnerte sich in seinem Ruhestand an viele schöne Stunden singend am Lagerfeuer mit Gitarrenbegleitung. „Wir könnten uns doch mal zusammensetzen und singen“, regte er bei der Seniorenbeauftragten der Stadt, Thea Liegl, an. Diese war mehr als angetan, passte Brockelmanns Anregung doch genau zu ihrem Ansinnen, alte Volkslieder am Leben zu erhalten. Nachdem mit dem Mehrgenerationenhaus auch der ideale Ort schnell gefunden war, ist der erste Freitag im Monat für Dutzende Senioren ein „Pflichttermin“.

Dass einer von ihnen Hans-Jürgen Brockelmann ist, versteht sich von selbst. „Einfach gemütlich“, findet der frühere Lehrer die drei Stunden, in denen gesungen, geratscht und auch gelacht wird. Etwa über die Witze, mit denen Thea Liegl die Runde gerne auflockert. Oder auch im Nachgang über die ein oder andere Textzeile wie im „Rentnerlied“ zur Melodie von „Lustig ist das Zigeunerleben“. „Wir müssen dem Staat keine Steuern mehr zahlen...“ heißt es da – was zum allgemeinen Amüsement so natürlich nicht im Raum stehen bleiben kann.

Besinnliche Gedanken

Bei allem Wert, der auf Unterhaltung gelegt wird, gibt es auch immer einen Moment des Innehaltens. Thea Liegl trägt dann etwas Besinnliches vor, an diesem Nachmittag zum Wert des Lächelns. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, wird auch schon mal über das ein oder andere Thema diskutiert oder über die Arbeit der Seniorenbeauftragten geredet – Z’ammg’setzt und g’sunga ist schließlich nur eine der zahlreichen Aufgaben, die Thea Liegl ehrenamtlich übernommen hat. Neben der Organisation des Freitagssingens gehören dazu das Weitergeben von Verbesserungsvorschlägen. „Das Ohr an den Senioren haben“, umschreibt sie.

Bei aller Freude, dass der Freitagstreff so gut angenommen wird und die Stimmung so gut ist, gibt es doch einen Wermutstropfen: Leider, so sagt Thea Liegl, gelinge es nicht, Z’ammg’setzt und g’sunga generationenübergreifend zu etablieren. Denn es sei sehr wohl die Idee gewesen, „die Jungen“ mit heranzubringen, damit die Volkslieder nicht aussterben. Dabei würde der Begriff „Volkslied“ gar nicht so eng gesehen, wie der Blick in die rund 200 Stücke umfassenden Mappen verraten. Die „Kleine Kneipe“ etwa erinnert mehr an Schlager, auch Unterhaltungsmusik trällern die Senioren gerne. Wobei ihnen an diesem Nachmittag etwas, oder besser gesagt jemand, abgeht. Tenor Werner Pickelmann ist krank „und fehlt an allen Ecken und Enden“, wie Thea Liegl meint.

Die Frauen am Tisch stimmen dem ebenso zu wie ihrem Plädoyer, welch positive Effekte Singen haben kann: Es triniert das Gedächtnis, empfehle sich als Atemübung und verhelfe zu de, „Gefühl, frei zu sein“. Gerade auch vor diesen Erkenntnissen würde sich die Seniorenbeauftragte wie auch die Gruppe über neue Gesichter freuen.

Keine Scheu

Scheu brauche keiner zu haben, wirft der Herr am Nebentisch ein, denn durch wechselnde Besetzungen („in unserem Alter ist schon mal einer krank“) habe man es immer wieder mit neuen-alten Bekannten zu tun, rührt auch er die Werbetrommel. „Raus aus der Stube, rein zum Singen, was Gesünderes gibt es nicht“, erklärt der 86-Jährige und ergänzt, dass er „mit manch 70-Jährigen nicht tauschen möchte“, so gut wie er sich fühle. Spricht’s und singt beim Böhmerlied munter mit. Dieses steht im übrigen nicht umsonst auf der ersten Seite der Liedermappe. Wobei auch „Mir san vom woid dahoam“ nicht fehlen darf. Mit Akkordeonspieler Wolfgang Krüger (Thea Liegl: „Ein Glücksfall“) klappt auch „Sie wünschen, wir spielen“ – oft auch ohne Noten, wie die Senioren begeistert erzählen.

Nicht selten schwingt ein wenig Wehmut mit, wenn sich die Sänger nach drei schönen Stunden verabschieden müssen. Da tröstet, dass sich manche beim Spielenachmittag wiedersehen. Und der ist alle zwei Wochen.

Z‘ammg‘setzt und g‘sunga

  • Menschen verbinden

    Seit seiner Eröffnung im Jahr 2002 erfüllt das Mehrgenerationenhaus die Aufgabe, Menschen zu verbinden. Neben den regelmäßigen acht eigenen Angeboten nutzen das Haus am Marktplatz sieben Externe.

  • Infos

    Wissenswertes zum MGH und dem Programm gibt es unter www.mgh-waldmuenchen.de . Z’ammg’setzt und g’sunga hat vor knapp fünf Jahren Hans-Jürgen Brockelmann ins Leben gerufen.

  • Singstunde

    Der Waldmünchener war an Seniorenbeauftragte Thea Liegl mit der Idee einer Singstunde herangetreten. „Dann ging es schnell“, erinnert sich der Berliner, der über die Jugendarbeit und bei den Pfadfindern viele schöne Erinnerungen ans gemeinsame Singen hat.

  • Stammpublikum

    Seit der ersten Veranstaltung gibt es ein festes Stammpublikum. „Manchmal reichen die Plätze im Saal gerade so aus“, freut sich Thea Liegl. Nicht wegzudenken aus der Gruppe sind Musiker Wolfgang Krüger und Tenor Werner Prickelmann.

  • Kosten

    Die wenigen anfallenden Kosten trägt die Stadt. Für den Musikanten, der ehrenamtlich spielt, lassen die Teilnehmer ein Schwein ’rumgehen. Zu Fasching gibt es Krapfen, Weihnachten Punsch und Plätzchen sowie ein kleines Geschenk.

  • Termin

    Der Termin für Z’ammg’setzt und g’sunga ist der erste Freitag im Montag von 14 bis 16 Uhr. Liederbücher sind vorhanden, eingeladen sind alle Senioren über 60 Jahre. (ps)

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