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Tiefe Entspannung in einer Oase

Nach 27 Jahren Niedersachsen wagt Isabell Koller in Waldmünchen einen Neustart: im Haus, das ihre Eltern hergerichtet haben.
Von Petra Schoplocher

In einem Haus, das ihre Eltern vor vielen Jahren in Eigenregie liebevoll hergerichtet haben, hat Isabell Koller ein Zuhause für sich und Platz für ihre Passion gefunden.
In einem Haus, das ihre Eltern vor vielen Jahren in Eigenregie liebevoll hergerichtet haben, hat Isabell Koller ein Zuhause für sich und Platz für ihre Passion gefunden. Foto: Schoplocher

Waldmünchen.Was ihre Eltern einst bewogen hatte, in der Schützenstraße eine „Bruchbude“ aus dem Jahr 1865 zu kaufen und über Monate hinweg in Eigenregie zu sanieren, weiß Isabell Koller bis heute nicht genau. Auch praktisch war das nicht: die Eltern sind Rodinger und hatten nie vor, das alte Haus selbst zu nutzen und die Fahrten für die aufwendige Sanierung raubten Zeit und Geld.

Dann trafen zwei Handlungen zusammen: Der Mieter zog überraschend aus und Isabell Koller stand in ihrer zwischenzeitlichen Heimat Nörten-Hardenberg am Scheideweg. Das von ihr mit viel Engagement betreute Johanniter-Projekt, Alte und Kranke zu Hause „wie eine Tochter“ zu unterstützen, wurde nach fünf Jahren nicht verlängert. „Ich habe gespürt, dass es eine Veränderung geben wird“, sagt die 51-Jährige. Eine Rückkehr nach Bayern – nach immerhin 27 Jahren in Niedersachsen – sei aber nicht am Plan gestanden.

„Später, vielleicht“, erinnert sie sich. Nachdem sich aber die Option „Haus“ bot und die beiden Kinder längst eigene Wege gehen, wurde schnell alles klar(er). Und ist es bis heute: „Ich find’s richtig gut!“, sagt die gelernte MTA, die später die Prüfung als Heilpraktikerin für Psychotherapie schaffte und ausgebildete Klangtherapeutin ist.

Ein neuer Weg

Gut ein Jahr wohnt Isabell Koller nun schon in der Schützenstraße, wo sie sich neben persönlichen Wohlfühlräumen auch eine Praxis eingerichtet hat. „Bei den Klangschalen bin ich schließlich hängen geblieben“, beschreibt sie ihren Weg weg vom Krankenhaus Gifhorn, in dem sie gearbeitet hat. Nach der Scheidung versuchte sie, ein Psychologiestudium mit der Rolle als Alleinerziehende unter einen Hut zu bringen. Nach der Heilpraktikerausbildung beschäftigte sie sich mit verschiedenen Therapieformen, ehe sie „ihr Ding“ fand.

Hier lesen Sie weitere Berichte unserer Serie „Wahlheimat Waldmünchen“.

Isabell Koller wird beinahe andächtig, wenn sie über Klangschalentherapie erzählt. In zehn Jahren hat sie einiges erlebt: Manager, die sich vor dem Urlaub „runterholen“ ließen, um die freien Tage schneller genießen zu können. Banker, die einmal pro Woche zur Stressbewältigung kamen, um das letzte Jahr vor dem Ruhestand zu überstehen. Kinder, Jugendliche, Kranke, Gesunde... alle profitierten von Tiefenentspannung und Energiefluss. „Wenn meine Tochter krank ist, bittet sie mich immer, ihr eine Sitzung zu geben“, meint sie vielsagend.

Leben nach dem eigenen Muster

Während die 51-Jährige nach dem Umzug zunächst mit zweitem Standbein in der Altenpflege arbeitete, möchte sie sich nun ganz auf ihre Praxis konzentrieren. Da sei sie aber noch in der Anlaufphase, berichtet sie und gibt zu, dass die Monate nach dem Umzug mit vielen neuen Herausforderungen – die sie zum Teil durch ehrenamtliches Engagement selbst verursacht hat – doch anstrengend waren. Daher gilt auch für sie: Leben nach dem eigenen Muster.

Wenn sie von den Möglichkeiten der Klangtherapie berichtet, wirkt Isabell Koller sehr geerdet, von Bekehren-Wollen keine Spur. „Es gibt sicher gute Gründe, warum Menschen gerade nichts in ihrem Leben verändern wollen“, sagt sie. Wenn aber doch, sei Klangschalentherapie eine Option.

Klangschalen-Therapie

  • Ursprung

    Klangschalen haben ihren Ursprung in Fernost, vorwiegend Tibet, Nepal, China, Japan, Thailand und Indien. Sie wurden als Geschirr, Opferschalen und Klangkörper verwendet.

  • Herstellung

    Die handwerkliche Fertigung wurde in der Himalaya-Region zwischenzeitlich aufgegeben, erlebt seit dem Interesse der westlichen Welt eine Wiederbelebung. Hauptbestandteile sind Kupfer und Zinn, die Herstellung kann über 30 Arbeitsgänge erfordern.

  • Schwingungen

    Beim Bespielen der Klangschalen entstehen Schwingungen, die sich auf den Körper übertragen und sich in den Körperzellen ausbreiten.

  • Blockaden

    Sanfte Vibrationen lösen Blockaden und lassen Energie wieder fließen. Isabell Koller bietet Klangschalentherapie nach Walter Häfner an.

  • Anwendungsgebiete

    Die Anwendungsgebiete reichen von Stress, Krisenbewältigung, Unterstützung in Umbruchphasen und Trennungen bis zu psychosomatischen Erkrankungen oder Schmerzbegleitung.

  • Burn-out-Prävention

    Ergänzend gibt es Klangmassagen, auch in der Burn-out-Prävention ist die ausgebildete Heilpraktikerin für Psychotherapie erfahren. (ps)

Vom Angebot in Waldmünchen ist sie begeistert. Allein das MGH warte mit mehr auf als Häuser in größeren Städten, deswegen sei es ihr eine Herzensangelegenheit gewesen, sich zu engagieren. „Weil ich es auch genieße, fußläufig so viele Möglichkeiten zu haben“. Unter anderem hat Isabell Koller den begehbaren Adventkalender initiiert. Die vielen Feste zeigten, dass „Geselligkeit und Zusammenhalt groß sind“, bescheinigt Koller den Trenckstädtern, von denen sie durchweg freundlich und offen aufgenommen worden sei.

Schon mehrfach hat Isabell Koller im Mehrgenerationenhaus Vorträge und Seminare angeboten. Auch, „weil das MGH ein Schatz ohne Ende ist“.
Schon mehrfach hat Isabell Koller im Mehrgenerationenhaus Vorträge und Seminare angeboten. Auch, „weil das MGH ein Schatz ohne Ende ist“. Foto: Schoplocher

„Es ist alles da“, meint sie zu den Strukturen, und dass ihr das ein oder andere abgeht, „liegt an meinen Extremen“. Bei der Ernährung etwa, in der sie strengste Maßstäbe für das Tierwohl ansetzt und so „kaum als Kriterium dient“. Oder bei der Kleidung, die gerne gebraucht sein darf, „wenn man sich mal bewusst macht, was bei der Produktion passiert“.

Aufgefallen sei ihr eines: Die Waldmünchener selber hätten oft keinen Blick, wie gut und schön – Koller denkt vor allem an die Natur, die auch sie täglich mit ihrem Hund Sami genießt – hier alles sei, „heimelig eben“. Die Taktung komme ihr langsamer vor, versucht die 51-Jährige ihr Empfinden in Worte zu fassen. Den Waldmünchenern bescheinigt sie, sich im positivsten Sinn etwas ganz Eigenes bewahrt zu haben. Genau erklären kann sie das nicht, aber ein Bild malen: „Die Sonne scheint, du schaust den Marktplatzberg hoch und da stehen Leute und ratschen...“. Das ist doch irgendwie Heimat.

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