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Die Einladungen zur Weltgeschichte

Karl Holmeier hat als Bundestagsabgeordneter angefangen, Karten und Dokumente in einer Pappschachtel aufzubewahren.
Von Petra Schoplocher

  • Ausstellungen, Staatsakte, Einweihungen, Gespräche, Empfänge... täglich trudeln bei Karl Holmeier Einladungen ein. Die schönsten bewahrt er seit Jahren auf. Fotos: Simon Tschannerl
  • Auffallendstes Teil der Sammlung: Die Karte ist herausnehmbar.
  • Auch in Sachen Kreativität sind die Einladungen eine Fundgrube.

Weiding.Sammlung. So hätte Karl Holmeier den Inhalt der schlichten Pappschachtel wahrscheinlich selbst gar nicht bezeichnet. Und vielleicht ist ihm auch erst durch die Anfrage für diesen Beitrag so richtig bewusstgeworden, welche Schätze er da in der Kiste hat. Denn angefangen hatte die Geschichte ganz anders...

Tagtäglich trudeln bei dem Bundestagsabgeordneten Einladungen ein. In Berlin, im Chamer Büro und sogar zu Hause. „Manche waren einfach zu schade zum Wegwerfen“, erinnert sich der 59-Jährige, während er im Inhalt der Schachtel stöbert. Und einige haben neben persönlichen Erinnerungen, kreativen Anregungen sogar historische Bedeutung.

Karl Holmeier gibt schmunzelnd zu, dass er vor dem Termin eine Mitarbeiterin in Berlin, wo die „Schatzkiste“ üblicherweise zu Hause ist, gebeten hat, die vielen Erinnerungsstücke noch einmal durchzuschauen. Das „Best of“, das der CSU-Politiker dann zeigt, kann sich wahrhaft sehen lassen – und dem unbeteiligten Betrachter das Gefühl vermitteln, die Luft der Weltpolitik zu schnuppern.

Zum Großteil Absagen

„Dabei habe ich den Großteil dieser Veranstaltungen gar nicht besucht“, klärt Holmeier auf. Meist aus Zeitgründen – trotz eines üblichen 14-Stunden-Tages überwiegt die Zahl der Einladungen den weißen Flecken im Terminkalender deutlich. Oft ist es auch die Entfernung, die eine Teilnahme nicht möglich macht. Beste Beispiele sind „25 Jahre bayerische Vertretung in Brüssel“ („Da kommt man ja nicht hin“) oder die Staatsakte für Helmut Schmidt oder Richard von Weizsäcker –die entsprechenden Einladungen bewahrt Holmeier auf, weil sie „ein Teil der Geschichte“ sind. In diese Kategorie fallen auch Karten zum G-7-Gipfel oder die Feierstunde zum 70. Jahrestag Ende des Zweiten Weltkriegs. Feierstunden weisen eine Besonderheit auf: Wer teilgenommen hat, bekommt im Nachgang ein Geheft mit den Reden. „Die perfekte Ergänzung“, unterstreicht der Abgeordnete.

Designer hätten ihre Freude

Neben echten Hinguckern, an denen jeder Designaffine große Freude hätte und die Holmeier aufbewahrt, „weil man vielleicht mal Ideen braucht“, gibt es welche, die Holmeier mit unvergesslichen Erlebnissen verbindet. Allen voran ein Essen in der bayerischen Landesvertretung am 25. Oktober 2011, das alleine schon wegen der Teilnahme einiger Pfarrer aus dem Landkreis Cham etwas besonderes war. Diese baten im Anschluss um einen Rundgang im Reichstag und „just als wir diesen betreten haben, kam der Anruf aus dem Verteidigungsministerium, dass meine vier Bundeswehrstandorte erhalten bleiben“.

Hier spricht der Abgeordnete über seine Sammel-Leidenschaft. Video: Simon Tschannerl

Für die Einladung zur Wahl der Bundespräsidenten hat der 59-Jährige einen „Umschlag im Umschlag“ angelegt, in der seine persönlichen Erinnerungen an den 18. März 2012 zusammengetragen hat. Mitglied der Bundesversammlung zu sein, sei „herausragend“, sagt Holmeier andächtig. Besonderen Stellenwert genießt auch die Einladung zu einer Ordensverleihung durch den Staat Ungarn. Im November 2014 war der frühere Länderberichterstatter seiner Fraktion mit dem Offizierskreuz des Verdienstordens von Ungarn ausgezeichnet worden. „Zusammen mit der Rede von Papst Benedikt im Reichstag waren das die bisher bewegendsten Momente meiner Abgeordnetenzeit“, stellt der Weidinger heraus.

Zur Person

  • Werdegang:

    Seit 2009 ist Karl Holmeier (CSU) Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Schwandorf/Cham. 14 Jahre lang, von 1990 bis 2014, war der verheiratete Vater dreier Kinder zudem Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Weiding - die ihm den Titel Altbürgermeister verliehen hat.

  • Politische Schwerpunkte:

    Der 59-Jährige ist Mitglied im Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur. Auch die Kommunalpolitik liegt ihm sehr am Herzen, was sich in Berlin unter anderem in seinem Engagement in Unterausschuss Kommunales widerspiegelt.

  • Weitere Ämter

    : Seit 1984 sitzt Karl Holmeier für die CSU, der er 1979 beitrat, im Kreistag. Deren Fraktion steht er dort seit 1998 vor– wie auch dem CSU-Kreisverband.

  • Arbeitsalltag:

    Holmeier pendelt zwischen Berlin und Weiding.22 Sitzungswochen fordern Anwesenheit in der Hauptstadt, hinzu kommen weitere Verpflichtungen, so dass Holmeier an die 30 Mal nach Berlin muss. Dort ist die Zeit von Montag bis Freitag stets gut gefüllt. Arbeitstage von 7.30 Uhr bis 23 Uhr sind eher die Regel als die Ausnahme. Oft stehen am Freitag nach der Rückkehr in die Heimat weitere Termine an. (ps)

Nachdenklicher betrachtet er die optisch sehr ansprechende Karte der internationalen türkischen Olympiade in Berlin im Jahr 2010. „Die Stimmung wäre jetzt sicher leider eine andere“, kommentiert der CSU-Politiker das außergewöhnlich große Papier.

Persönliches von der Kanzlerin

In der Schatzkiste finden sich persönliche Dankschreiben von Bundeskanzlerin Angela Merkel („Ich hab ihr vorher zum Geburtstag gratuliert“) und vereinzelte Speisekarten. „Da scheine ich einen Spleen zu haben“, formuliert Holmeier vorsichtig.

Das Stöbern in der Kiste scheint eine kleine Reise in die Vergangenheit zu sein, die dem Weidinger Spaß zu machen scheint.

MdB Karl Holmeier sammelt Einladungskarten

Kommen doch seit längerer Zeit verborgene Stücke zum Vorschein: Eine Karte mit dem Konterfei von US-Präsident Barack Obama, Einladungen zu Empfängen in der chinesischen oder ungarischen Botschaft, ein stilvoller Brief der Bank of Scotland oder die Einweihung des Satellitenterminals am Flughafen München – die Bandbreite ist riesig. Auf der Einladung „1000 Jahre St. Michael in Hildesheim“ steht „Willkommen im Paradies“. Holmeier muss schmunzeln. „Das geht doch gar nicht, das Paradies ist doch Bayern...“

„Echte Gags“

Beim Bundespresseball war Karl Holmeier noch nie, dennoch haben es Einladungen aus mehreren Jahren in seine Sammlung geschafft. Mehrfach vertreten ist auch die Deutsche Bahn – einer von Holmeiers Schwerpunkten ist die Verkehrspolitik – die ebenso mit schicken und kreativen Einladungen punktet. Dreidimensionale Elemente oder eine Einladung mitsamt herausnehmbarer Scheckkarte als Eintrittskarte von der Firma EADS sind „echte Gags“, wie der Bundestagsabgeordnete findet. Für sich wählte Holmeier dennoch das Kontrastprogramm: Die Einladungskarte zu seinem 60. Geburtstag im September ist „ganz schlicht gehalten“.

Zwar habe er im Alter von sieben, acht Jahren, angefangen, Briefmarken zu sammeln, auch Münzen und alte Sachen hätten es ihm angetan, als Sammler sieht sich Karl Holmeier allerdings nicht. Eine schöne Briefmarke entsorgen, geht aber immer noch nicht. Die landet –richtig! – in einer schlichten Pappschachtel...

Weitere Teile unserer Sammler-Serie finden Sie hier.

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