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Erziehung

Wer bei Mobbing schweigt, zerstört...

Auch Kinder erleben Mobbing. Und die Folgen sind verheerend. Unsere Expertin sagt Eltern, was sie im Ernstfall tun können.
Von Birgit Zwicknagel

Mobbing-Opfer ziehen sich immer mehr zurück, haben Angst in die Schule zu gehen und verlieren die Freude. Foto: Christian Charisius/dpa
Mobbing-Opfer ziehen sich immer mehr zurück, haben Angst in die Schule zu gehen und verlieren die Freude. Foto: Christian Charisius/dpa

Cham.Es beginnt bereits in den Grundschulen: Mobbing. Kinder werden ausgegrenzt, beschimpft, beleidigt. Erst kürzlich haben uns die Schlagzeilen aus Berlin tief getroffen, wo über den Suizid einer gemobbten Grundschülerin (elf Jahre) berichtet wurde.

Kommen dann noch die digitalen Medien ins Spiel, wird es kritisch. Es werden WhatsApp-Gruppen gegründet, wo Mitschüler nieder gemacht werden. Im Netz tauchen Hassseiten auf, man kann völlig anonym lästern. Die Opfer sind oft machtlos gegen solche Cyberangriffe. Kann man sich verbal in der Grundschule vielleicht noch zur Wehr setzen, hat man digital so gut wie keine Chance mehr. Die Opfer ziehen sich immer mehr zurück, haben Angst in die Schule zu gehen, verlieren die Freude im und schlimmstenfalls sogar AM Leben. Sie werden schnell mutlos, haben das Gefühl, gegen Windmühlen zu kämpfen.

Mobbing-Gründe oft nicht zu finden

Birgit Zwicknagel vom Verein „Die Computermäuse“ Foto: ik
Birgit Zwicknagel vom Verein „Die Computermäuse“ Foto: ik

Nicht selten kommen sogar körperliche Probleme dazu (Magenschmerzen, Kopfweh, Schlafstörungen..). Nur allzu oft sitzen derart gemobbte Schüler mir mit verweintem Gesicht gegenüber und man spürt ihre Hilflosigkeit, alleingelassen von den Mitschülern, Freunden, oft auch von den Lehrern, die dem Ganzen meist nicht minder hilflos gegenüber stehen. Nicht wenige wechseln die Schule, weil sie am Ende sind. Ein greifbarer Grund lässt sich oft nicht finden: das falsche Shirt, die falsche Hautfarbe, zu gute Noten… die Liste ist lang.

Da die Opfer oft nicht darüber reden, ist es schwer, sie sofort zu erkennen. Eltern sollten daher das Kind gut im Blick haben: Hat es sich verändert? Erfindet es Ausreden, um nicht mehr in die Schule zu müssen? Meidet es die gewohnten Schulwege oder Freunde? Versuchen Sie, behutsam mit dem Kind das Gespräch zu suchen, drängen Sie es aber nicht. Und lassen Sie die gut gemeinten Ratschläge wie „das hört schon wieder auf“ oder „hör halt einfach nicht hin“… denn das ist keine Hilfe!

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Internet

Neue Adresse für Netzopfer in Stamsried

„Computermäuse“-Gründerin Birgit Zwicknagel geht den nächsten Schritt und richtet ein Medienkompetenzzentrum ein.

Hier finden Betroffene und Eltern Hilfe

Mobbing muss aktiv bekämpft werden. Reden Sie daher offen mit den Lehrern und suchen Sie gemeinsam nach Lösungen. Finden Sie dort keine Hilfe, wenden Sie sich an mitbetroffene Eltern. Das gilt auch, wenn Sie erfahren, dass ANDERE Kinder Opfer in der Schule sind. Wichtig: aktiv werden! Sensibilisieren Sie Ihre Kinder, sich auf keinen Fall zu beteiligen (stell dir vor, wie du dich fühlen würdest…). Mobbing ist kein Kavaliersdelikt, Mobbing kann auch strafbar sein. Und merken Sie sich: Wer schweigt, zerstört – sich selbst und auch andere!

Suchen Sie ein vertrautes Gespräch? Dann rufen Sie bei uns im Medienkompetenzzentrum Stamsried (SIBS) an. Wir helfen Ihnen gern weiter.

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