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Historie

Der große Sohn der Gemeinde Zell

Professor Dr. Johann Nepomuk von Fuchs, einer der bedeutendsten Mineralogen des 18. Jahrhunderts, ist gebürtiger Mattenzeller
Von Anneliese Fuchs

Johann Nepomuk von Fuchs
Johann Nepomuk von Fuchs Foto: Fuchs

Zell.Fast in Vergessenheit geraten ist der Mineraloge und Erfinder Professor Dr. Johann Nepomuk von Fuchs, der am 15. Mai 1774 in Mattenzell bei Martinsneukirchen geboren wurde, einer der bedeutendsten Mineralogen des 18. Jahrhunderts. In Mattenzell, seinem Geburtsort, liegt ganz nahe an der Straße (Unterzell) Zell – Falkenstein ein einfaches, aber schmuckes Bauernhaus, an dessen Front eine Gedenktafel eingelassen ist.

Neben dem noch häufigen Familiennamen Fuchs das einzige, was hier an diesen großen Forscher und Sohn unserer Heimat erinnert. Die Tafel hat kein geringerer als Max von Pettenkofer 1897 am Geburtshaus anbringen lassen. Dieses selbst wurde zwar schon angebrochen, dankenswerter Weise wurde diese Gedenktafel am Neubau wieder angebracht.

Gedenktafel am Geburtshaus

Das Geburtshaus in Mattenzell
Das Geburtshaus in Mattenzell Foto: Fuchs

„Geboren in diesem Hause am 15. Mai 1774, Prof. Dr. J.N. von Fuchs, Mineraloge und Chemiker, Erfinder des Wasserglases und der Stereochromie, Begründer der Herstellung des hydraulischen Kalkes u. hydr. Cemente, Gestorben zu München am 5. März 1856“, steht noch heute auf der Tafel zu lesen. Die Tafel befindet sich am Haus in Mattenzell zwischen den beiden rechten Fenstern. Mattenzell bestand damals aus acht verstreut gelegenen Gehöften mit 44 Einwohnern, von denen die Hälfte den Namen Fuchs getragen hat.

Er entwickelte sich vom Bauernburschen zum großen Gelehrten. Johann Nepomuk von Fuchs war es, der die wissenschaftlichen Grundlagen für die Zementherstellung gelegt hatte. Doch damit erschöpft sich sein Lebenswerk keineswegs, viele Entdeckungen und enorm viele Auszeichnungen sind der Nachwelt erhalten. Von einer Reise, die ihn im Herbst 1817 zu den Kaolingruben nach Obernzell bei Passau führte, kehrte er mit neuen Ideen zurück. Es war vor allem der Gedanke der künstlichen Steinbildung, der in den folgenden Jahren seinen immer forschenden Geist beschäftigte, ja geradezu bedrängte.

Viele Versuche durchgeführt

Es währte über zehn Jahre, bis ihm endlich 1829 nach ungezählten Versuchen und ratlosem Suchen die Darstellung des hydraulischen Kalkes, des Wasserkalkes, oder, wie wir heute sagen, des Zements gelang. Nach 1818 führt Fuchs viele Versuche mit Kalk und Ton, bzw. Mergel durch. Mit seiner ersten Publikation „Über Kalk und Mörtel“ (1829) hat er das Problem der Herstellung des Zements gelöst. Die Gedenktafel am Haus erinnert an den genialen Erfinder.

Mit seiner ersten Publikation „Über Kalk und Mörtel“ (1829) hat Johann Nepomuk von Fuchs das Problem der Herstellung des Zements gelöst. Die Gedenktafel am Haus erinnert an den genialen Erfinder.
Mit seiner ersten Publikation „Über Kalk und Mörtel“ (1829) hat Johann Nepomuk von Fuchs das Problem der Herstellung des Zements gelöst. Die Gedenktafel am Haus erinnert an den genialen Erfinder. Foto: Fuchs

Der sogenannte natürliche hydraulische Kalk ist gerade in Bayern unter dem Namen Mergel in reichlicher Menge vorhabenden und kann durch Brennen in jenen Zustand versetzt werden, in welchem die wechselseitige Durchdringung der beiden Haupterden - kieselführendes Gestein und Kalk- und die neue Gesteinsbildung geschehen kann, heißt es. Am 29. April 1829 gab er in der Sitzung des polytechnischen Vereins München in einem Vortrag, betitelt „Über Kalk und Mörtel“ seine neuen bahnbrechenden Erkenntnisse und Erfahrungen bekannt.

Als ein Jahr später die holländische Societe des Sciences zu Haarlem die Preisfrage „Über Eigenschaften, Bestandteile und chemische Verbindung des hydraulischen Kalkes“ ausschrieb, war es wiederum Johann Nepomuk von Fuchs, der diese Frage innerhalb von zweieinhalb Monaten so gründlich und umfassend löste, dass ihm die genannte Gesellschaft bei ihrer 79.Sitzung am 19. Mai 1832 den Preis, bestehend aus einer goldenen Medaille, uneingeschränkt zuerkannte. Fuchs schuf damit eine wissenschaftliche Grundlage zum Beginn unseres Zement-Zeitalters.

Das Wasserglas

  • Begriff

    Als Wasserglas werden aus einer Schmelze erstarrte, glasartige, also amorphe, wasserlösliche Natrium-, Kalium- und Lithiumsilicate oder ihre wässrigen Lösungen bezeichnet.

  • Geschichte

    Nachdem von Helmond schon 1640 die leichter lösliche Kieselfeuchte entdeckte, wurde das Wasserglas erstmals 1818 durch den Chemiker und Mineralogen Johann Nepomuk von Fuchs hergestellt; Fuchs gab der neuen Verbindung auch ihren Namen.

  • Anwendung

    Die ersten größeren Gemälde mit Wasserglasfarben schuf der Kirchen- und Historienmaler Josef Schlotthauer (1789-1869). Zur Anwendung kommt meist flüssiges Wasserglas. In der Keramik dient Wasserglas als Elektrolyt zur Verflüssigung einer keramischen Masse.

  • Nutzung

    Benutzt wird es zudem als Klebstoff (z. B. zum Aufkleben der Elfenbeinplatten auf Klaviertasten), als Stabilisator von Bleichflotten in der Textilindustrie und Papierindustrie, als Bindemittel (z. B. bei Mineralfarben), als Zusatz in Schweißelektroden, in Waschmitteln, um Bauteile von Waschmaschinen vor Korrosion zu schützen, als Abdichtung bei Mauerwerk, Deponien und im Untertagebau, zum Schutz von Natursteinen vor Witterungseinflüssen, bei Sol-Gel-Prozessen und als Pflanzenstärkungsmittel in der ökologischen Landwirtschaft.

  • Bauwesen

    Im Bauwesen findet Wasserglas traditionell Verwendung zur Verfestigung und Abdichtung von Putzen und Mauerwerk sowie zum Schutz von Natursteinen vor Witterungseinflüssen. durch Verkieselung.

  • Fukushima

    Im April 2011 wurde ein Abdichtmittel auf Wasserglas-Basis zum Verschließen eines Lecks am havarierten japanischen Kernkraftwerk Fukushima verwendet.

Ihm, dem Forscher und Wissenschaftler, genügte es, das künstlich hergestellt zu haben, was er 1817 in den Kaolingruben von Obernzell der Natur abgelauscht hatte. Wie aus dem Schlussteil seines Vortrages „Über Kalk und Mörtel“ zu lesen war, war Fuchs nicht an einer kommerziellen Ausbeutung seiner Entdeckung interessiert, in dem er sagte: „Indes glaube ich, doch schon hiermit einige Samenkörner ausgesät zu haben, welche, wenn sie ein empfindliches Erdreich antreffen, gute Früchte bringen können. Möge sie ernten, wer da will, mir genügt es, darin die Überzeugung zu finden, dass die Zeit und Mühe, welche mich diese Arbeit kostete, nicht verloren seinen“.

Technisch weiter entwickelt wurden in Bayern seine Erkenntnisse von dem königlichen Bezirksingenieur Panzer aus Bamberg, 1855 schon bestanden in Bayern bereits an die 20 Zementfabriken. Wo stünden wir wohl heute mit unseren Bauten ohne Zement? Was würde dieser Mann wohl heute sagen, da Zement und Beton als unentbehrliche Bauelemente weitgehend die moderne Bauweise bestimmen, so dass man fast von einem Betonzeitalter sprechen könnte. Die Weltjahressproduktion ist enorm.

Chemie und Mineralogie

Das Werk von Johann Nepomuk von Fuchs ist mit der Entdeckung der Zementherstellung bei weitem noch nicht erschöpft. So sei die Erfindung des Wasserglases noch hervorgehoben und auch andere Entdeckungen auf dem Grenzgebiet von Chemie und Mineralogie sind ihm gelungen, wie „Über Eisenerze und Polymophie des Eisens“, die Herstellung von künstlichem Ultramarin, die Entdeckung des Jodgehaltes in den Mutterlaugen der Salzsiedereine, Verbesserungen zur Herstellung von Goldpurpur, die Gewinnung von Lithium aus Trophylin und Lepidolith, über Quarz und Opal und den Zustand der Gestaltlosigkeit, über die Färbung des Rosenquarzes als einem von einem Titangehalt herrührend, der Nachweis von Kali in machen Psilomelanen, die wir heute als Kryptomelan bezeichnen, weiter die Entwicklung von Wagnerit (1821) und Triphilyn (1834) usw.

In der Zeit von 1835 bis 1844, als er- im Nebenamt- die Stellung eines Oberberg- und Salinenrates innehatte, war ihm z.B. die Verhüttung der Bodenmaiser Liese ein wesentliches Anliegen. Fuchs hatte schon vor der Entdeckung der „Isomorphie“ am Beispiel des von ihm entdeckten Minerals Gehlenit erstmalig die gegenseitige Ersetzbarkeit der chemischen Elemente in Kristallen erkannt und von „vikariirenden“ Bestandteilen (Diadochie oder diadoche Substition) gesprochen. Er entdeckte das Wasserglas, das Holz oder anderes brennendes Material von Feuerfänglichkeit schützt, aber auch Wandgemälde wetterfest macht. Fuchs nannte das Verfahren „Stereochemie“.

Auch Medizin studiert

Johann Nepomuk von Fuchs erhielt die ersten Grundlagen seiner Bildung in dem benachbarten Benediktinerkloster Frauenzell, bekam dann einen Freiplatz am Gymnasium St. Paul in Regensburg, studierte ab 1794 (oder 95) Philosophie an der Universität Ingolstadt, Medizin an der Universität Wien und promovierte zum Dr. med. an der damals Churpfalzbayerischen Universität Heidelberg. In München erwarb er die Berechtigung zur Niederlassung als praktischer Arzt.

Lehr- und Forschungsamt

Fuchs war 1802 in Freiburg, 1803/04 in Berlin und Paris. 1805 legte er vor der Akademie der Wissenschaften in München, mit dem General- Bergwerksdirektor Matthias von Flurl im Prüfungskollegium, ein Examen an, mit dem Ergebnis, „ihn zum Privatdozenten für Chemie und Mineralogie an der Universität in Landshut rühmlichst vorzuschlagen“. Am 25. November 1805 trat Fuchs dieses Lehr- und Forschungsamt in Landshut an, wurde 1807 zum ordentlichen Professor der Chemie und Mineralogie berufen; mit Dekret am 28. Oktober 1823 erfolgte die Berufung in die Akademie der Wissenschaften in München als Mitglied und als Konservator des Mineralienkabinetts. Am 3. Oktober 1826, als die Universität von Landshut nach München verlegt war, wurde Fuchs durch königliches Dekret als ordentlicher Professor der Mineralogie derselben wieder einverleibt.

Die wissenschaftlichen Leistungen von Johann Nepomuk von Fuchs fanden gebührende und besondere Anerkennungen. Er wurde von den Akademien zu München, Berlin und Wien und von vielen Gelehrten und Gesellschaften zum Mitglied gewählt. In Würdigung seiner Verdienste verlieh man ihm folgende Titel und Auszeichnungen: Königlich geheimer Rath, Universitätsprofessor, den Verdienstorden des hl. Michael (1838), den preußischen roten Adlerorden (1841), den Verdienstorden der Bayerischen Krone (1849), Ritter des Maximilianordens für Kunst und Wissenschaft (1853), des Zivildienstordens der Bayerischen Krone, des Physikalischen Vereins in Frankfurt, der Kaiserlichen Leopoldin, Carolin, Akademie der Naturforscher in Breslau; der K.K. Gesellschaft der Ärzte in Wien, der Gesellschaft zur Förderung der gesamten Naturwissenschaften in Marburg, der Naturforscher-Gesellschaften in Bern, Halle, und Jena,, der Soziét Léincenne in Paris, der mineralogischen Gesellschaften zu Jena und Dresden, Ehrenmitglied des pharmazeutischen Vereins Bayerns und de nördlichen Deutschlands, wie auch der pharmazeutischen Gesellschaft Rheinbayerns, Mitglied des polytechnischen Vereins für das Königreich Bayern sowie des landwirtschaftlichen Vereins in Bayern und des niederösterreichischen Gewerbevereins. Hier zeigt sich, welch großen Einfluss Professor Dr. Nepomuk von Fuchs hatte. Der bekannte Hygieniker Max von Pettenkofer war sein Schüler und Nachfolger.

Fuchs war seit 1810 mit Franziska Fahrenbacher aus Landshut verheiratet und hatte einen 1818 geborenen Sohn Ludwig von Fuchs, der zur Zeit des Todes seines Vaters die Stelle eines „Rathes bei dem Königlichen Kreis- und Stadtgericht“ in München innehatte. Johann Nepomuk von Fuchs war groß, eindrucksvoll und liebenswürdig, ist nachzulesen, war aber von schwächlicher Gesundheit; ein Lungenleiden ließ bereits zu Beginn seiner Tätigkeit als Privatdozent bei seinen Freunden nur ein kurzes Leben befürchten. Durch Selbstdisziplin und Mäßigkeit erreichte der große Mineraloge dennoch ein Alter von 82 Jahren. Er starb in München am 5. März 1856.

Professor Dr. Johann Nepomuk von Fuchs war der große Mineraloge der Oberpfalz und ein Sohn unserer Heimat. Abschließend soll auch nicht vergessen werden, dass er mit großen finanziellen Leistungen den Bau der Zeller Pfarrkirche unterstützt hat. Aus Erzählungen älterer Mitbürger wurde überliefert, dass wohl der berühmteste Sohn der Pfarrgemeinde Zell einen beträchtlichen Teil seines Vermögens für die Errichtung der Pfarrkirche zur Verfügung stellte.

Gewürdigt ist der große Sohn unserer Heimat auch mit einem Bild im Sitzungssaal im Rathaus in Zell.

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